Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1854)
- Date
- 1854-07-17
- Page
- Seite 360 (sequence 4)
- Language
- German
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360 gebietet das Gesetz: nach Gerechtigkeit auf gerechte Weise zu streben!), damit wir der Gerechtigkeit und jeder andern Tugend durch Werke unS befleißigen, die ihr angemessen, nicht aber ihr entgegengesetzt find. Wenn du nun Jemand stehst, der zur gehörigen Zeit Speise und Trank nicht zu stch nimmt, oder Waschungen und Salben verschmäht, oder nachlässig ist in Bedeckung des Körpers, auf dem Erdboden schläft, -oder in verfallenen Gebäuden wohnt, dann aber deshalb für einen Enthaltsamen gelten will, so zeige ihm aus Mitleid mit seiner Verirrung den wahren Weg der Enthaltsamkeit. Denn wessen er sich beflissen, das sind unnütze und drückende Mühen, durch Hunger und die andern Qualen Seele und Leib peinigend. — Eben so wenig darf der unter die Frommen gezählt werden, der Besprengungen oder Reinigungen beobachtet, den Geist aber befleckt und nur den Leib reinigt) noch auch der, welcher von seinen Reichthümern einen Tempel erbaut mit glänzendster Ausstattung und höchster Pracht, noch auch der, welcher Hekatomben darbringt und unaufhörlich opfert, oder mit kostbaren Geschenken von reichem Stoffe und an Kunstwerth jedes Gold und Silber überragend den Tempel schmückt. Denn auch dieser ist von dem wahren Wege der Frömmigkeit abgeirrt, äußere Gottesverehrung für Heiligkeit haltend (&Qi]ffxe!av avrl boior^rog yyovfuvog), und Geschenke dem Unbestechlichen darreichend, der nie dergleichen annehmen wird und mit Schmeicheleien dem entgegenkommend, dem man nicht schmeicheln kann. Er hat nur an wahrhafter Verehrung Wohlgefallen — wahr aber ist die Verehrung der Seele, die sich selbst in Wahrheit Gott zum Opfer darbringt — falsche dagegen verwirft er; falsch aber ist jede Verehrung, die in bloßer Prunkhafter Zurschaustellung äußerlichen Ueberfluffes besteht^). — Der wahre Gottesdienst, heißt es an einer andern Stelle^), ist nichts anderes, als die Frömmigkeit *) Deut. 16, 20. Das erste pnis ist wie bei den LXX. adverbialiter genommen: dixaiwg. 2) og yvrjüiovg fxiv &tgunelag äanu^ezai — yvr\- Gtoi di tiGtv al tyvyjiQ 'ij/iXrjv xai /liovtjv d'vaiav qptgovGfjg dXrj&eiav — rag di vo&ovg anoorgifperai voS-ioi di oaai dtä rä>v ixiog acpfrovrwv inidti&ig, Quod det. pot. ins. p. 273 sqq. (Ausgabe von Richter.) Schreiter a. a. O. S. 113 übersetzt: Aechte Verehrung besteht in der Aufrichtigkeit der Seele, die rc., was mir ganz ungrammatisch scheint und ich glaubte, ulrj&ua'v nur als adverbiale Bestimmung auffassen zu können. a) de vita M. Hl. 208. der gottliebenden Seele (rj ydg u^&rjg Ugovgyia zig av in] nXrtv -ifjvyr]g StoyiXovg ivaißtla). Das Gesetz will, sagt Philo'), daß, wer ein Opfer darzubringen beabsichtige, rein sei an Leib und Seele, und zwar an Seele von den Leidenschaften, Krankheiten und Lastern, innerlich sowohl, als auch in seinen Handlungen; an Leib von dem, womit er gewöhnlich verunreinigt wird. Und weiter unten* 2) heißt eS: Die Reinheit der Seele sei vor Allem nothwendig, denn diese ist Gebieterin und Königin und in jeder Hinsicht vorzüglicher, weil göttlicher Natur theilhastig. Die Seele aber reinigen Weisheit und ihre Lehren, welche zur Betrachtung der Welt und dessen, was in ihr ist, anleiten, dann der heilige Chorus der übrigen Tugenden und die den Tugenden entsprechenden edlen und höchst lobenswerthen Thaten. Wer mit solchem Schmucke angethan, gehe zuversichtlich in den Tempel, der (in seiner Heiligkeit) seinem eigenen Wesen so angemessen und der vorzüglichste Aufenthaltsort ist, und stelle sich selbst als Opfer dar {Uqhov imdei^of-ievog iavrov). In wem aber Habsucht und Begier nach Unrecht sich regt, der gehe, von Scham erfüllt in die Einsamkeit, schamlose Kühnheit und übermäßige Verwegenheit in Dingen, bei denen fromme Scheu heilbringend ist, zurückhaltend 3). Denn der Tempel des wahrhaft seienden Gottes ist unzugänglich unheiligen Opfern (rö ydg rov ovrcog Ugov uvlagoig äßarov &votcug). Mein Lieber, möchte ich zu ihm sagen, Gott hat kein Wohlgefallen daran, selbst wenn ihm Jemand Hekatomben darbrächte, denn er, der Alles besitzt, bedarf ja keiner Sache. Wohlgefallen hat er an gottesfürchtigen Gesinnungen und Männern von wahrer, tiefer Frömmigkeit, deren geringstes Opfer er werth hält und liebevoll annimmt. Ja, wenn sie auch nichts Anderes darbringen, so bringen sie doch durch sich selbst der höchsten Tugend höchste Fülle als das schönste Opfer dar, mit dankbaren Lobgesängen Gott als Wohlthäter und Retter theils in lauten Worten, theils im de vict. oller, zu Anfang. 2) ibid. pag. 343. 3) Ich glaube, ’bie Worte: rrjv dvaioyvvxov dnovotav.iniaywv nur so auffaffen zu können, nicht wie Schreiter a. a. O. S. 117: um nicht noch überdies schamlos. zu handeln, was wohl syntactisch unmöglich ist. iniyto hat bekanntlich auch die Bedeutung: anhalten, zurückhalten, mäßigen, auch mit Auslassung von iavrav ,,stch mäßigen."