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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-17 · Heft 29 (17.7.1854) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 29 (17.7.1854)
Date
1854-07-17
Page
Seite 359 (sequence 3)
Language
German
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feit, das wahre, unsterbliche Leben finden. Das ist der heilige Ton, der in allen seinen Schriften durchklingt. <£§ lag damals nicht in, Zwecke meiner Arbeit, auf Einzelheiten einzugehen und ich behielt es mir vor, gelegentlich einzelne Punkte ausführlicher zu behandeln. Hier will ich nun einige Aussprüche unseres jüdischen Philosophen über wahre Gottesverehrung') mittheilen, die, wenn sie Beherzigung finden, viel Gutes wirken können. ') Auf sie und andere die Moral betreffende gründete (in Keils und Tzschirners Anale cten f. d. Studium der Theol. Zahrg. 1812. l, S. 102 ff.) der Theolog Schreiter in seiner Abhandlung: Was sind die Gegner, welche Philo in seinen Schriften bestreitet u. s. w. den Beweis von dem „tiefen Verfall der Moralität bei den Juden," von ihren „unmoralischen Meinungen, Marimen und Thaten" zur Zeit Jesu. Es ist ihm kein Zweifel, daß Philo damit die „irreligiösen Lehren, Meinungen und Grundsätze der Schriftgelehrten, Pharisäer und pharisäisch Gesinnten bestritten und widerlegt har." Einmal sogar nennt er diese Ansichten Philo's geradezu „antijüdisch." — Wir sind diese Art christlich-theologischer Auffassung zu sehr gewohnt, um uns darüber wundern zu können. Die Pharisäer gelten einmal als Heuchler und Scheinheilige, deren ganzes religiöses Thun nur ein opu8 operntum ist; was Wunder, wenn die Rügen Philo's nur auf sie bezogen werden, obschon er auch mit keinem Worte ihrer Erwähnung thut? Es würde zu weit führen, wenn ich mich hier auf eine Kritik dieser Auffaffung einlassen wollte. Eins jedoch kann ich nicht umhin, ein passcirdes Seitenstück zu dem Obigen anzuführen. Im Evangelium Marci 12, 28 — 34 wird erzählt, es sei ein Schriftgelehrter zu Jesu gekommen und habe ihn gefragt, welches das vornehmste Gebot sei, und die Antwort erhalten: „Höre. Israel, der Ewige unser Gott ist ein einiger Gott. Du sollst den Ewigen, deinen Gott, lieben u. s. w. Das ist das vornehmste Gebot. Und das andere ist ihm gleich: du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Der Schriftgelehrte sagte darauf: Meister, du hast recht geredet, denn es ist Ein Gott wie keiner außer ihm, und denselben lieben von ganzem Herzen u. f. w. ist mehr als alle Opfer." Darauf Jesus: „Du bist nicht fern von dem Reiche Gottes." Eine ähnliche Stelle findet sich bei Matthäus (22, 34 — 40), mit dem Unterschiede, daß der Fragende dort ein Pharisäer genannt wird; die meisten Ausleger halten nun beide für identisch. Rosen müller, der Herausgeber der 8eüoIig zum N. T., spricht über diese beiden Stellen in den angeführten „Analecten" (1813, Hl, 163 ff.) und befindet sich in größter Verlegenheit, was er aus der Person des 'yQafif.icirevg machen solle, da er unmöglich ein Pharisäer gewesen sein könne, denn als solcher mußte er ja den Hauptirrthum der Pharisäer theilen, daß „Opfer und die Beobachtung äußerlicher Gebräuche einen höher« Werth haben, als moralisch gute Gesinnungen gegen Gott Es sind dies Worte, die — wir fühlen es — aus tiefem Herzen kommen, dabei so klar und verständlich, daß sie keines weitern Commentars, wie dies sonst bei unserem Autor, namentlich in seinen metaphysischen Sätzen der Fall ist, bedürfen. Hier spricht nicht eigentlich der Religionsphilosoph, sondern der Religionslehrer, mit Ernst und Wärme an das mahnend, was die wahre Religion fordert. Im Geiste der großen Propheten Israels schildert er die Gottesverehrung, wie sie sein soll, und tadelt mit Strenge jede Art von Werk- und Scheinheiligkeit. Mögen seine Worte nicht verhallen, vielmehr tief eindringen in Geist und Gemüth derer, die sie lesen und solcher Belehrung bedürfen.. Paßt auch Manches nicht mehr für unsere religiösen Verhältnisse, so ist doch das Wesentliche darin von ewiger Wahrheit. Und wahrlich, es ist hohe Zeit, daß es mit unserem religiösen Leben besser werde und wir zu der tiefen Innerlichkeit kommen, die unter den großen, weisen Lehrern Israels auch Philo so dringend unö an's Herz legt. Lassen wir ihn nun selbst reden! Der Mensch, der Gott in der Wahrheit verehren will, muß nothwendig der Vernunft folgen, sonst verfällt er in Jrrthümer und kann den rechten Weg nimmer finden. Anlehnend an den Bibelvers: rtfn ttiS-n w rr iMNSWn t-i-nün (Gen. 37, 15) sagt er: Nicht das Streben an sich, sondern das kunstgemäße ist gut (ovy 6 novog nutf avrov aü’ o /.isTu ityvrfi uyadov) Denn so wie man Musik nicht treiben kann, ohne ihr Wesen (ihre Gesetze und Regeln) genau zu kennen, nicht Grammatik ohne Kenntniß derselben, noch auch überhaupt irgend eine Kunst, ohne sie zu verstehen oder wenn man sie nur schlecht versteht, sondern wie es vielmehr nothwendig ist, jede Kunst auf kunstgemäße Art sich anzueigncn, so darf auch nicht Verständigkeit in schlauer, Mäßigkeit in geiziger und schmutziger, Mannhaftigkeit in tollkühner Frömmigkeit in abergläubischer Weise, noch irgend eine andere der Tugend angemessene Kenntniß kenntnißloS geübt werden '). Denn dies Alles sind zugestandener Maßen Abwege. Deshalb und den Nächsten." Da erfahren wir denn, nachdem der gelehrte Theolog sich sattsam abgemüht, der Fragsteller war —- ein Karäer!! < *) Ich kann mit Schreiter a. a. .O. S. 111 nicht übersetzen: eine auf Einsicht sich gründende Tugend, obwohl dies hier besser passen würde; es müßte denn heißen: uXXyv Tivä xai iniav^fi^v ugsTrjv nicht zu gewagt, würde ich auch diese Conjectur machen. 29*

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