Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-10 · Heft 28 (10.7.1854) · p. Seite 353

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 28 (10.7.1854)
Date
1854-07-10
Page
Seite 353 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225877-3225906--13973-3243448
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

353 bei uns leider! noch zu den Raritäten. Ob eS anderswo besser ist, weist ich nicht. — In Rakel ist eS nach langjährigen Beschwerdeführungen, Schreibereien und Verhandlungen endlich doch dahin gekommen, dass die jüdische Elementarschule um eine dritte Classe erweitert worden. — Jnowraclaw Will vor dem Ablauf des Todesjahres deS gottseligen Rabbi Joseph Spiro (er starb Ende Oktober vorigen Jahres) keinen Schritt zur Wiederbesetzung deS Seelsorgeramtes thuri. Von besoldeten Dajanim werden unterdeß sowohl alle rituelle und kasuistische Fragen entschieden als auch andere rabbinische Functionen verrichtet. ReligionSlehrer vr. Hirschseld hält an jedem Neumond - Einsegnung-- Sabbath , wie an jedem ersten Festtag, im Tempel eine deutsche Predigt (was früher nicht geschehen). — In Strzelno sind durch den Rabbiner Stern bereits einige wohlthätige Institutionen in'S Leben gerufen, welche — eine wie die andere — segenreich wirken. — Die Gemeinde ist friedlich und huldigt dem gemäßigten Fortschritt. Beim Gottesdienst herrscht (eine Seltenheit im Großherzogthum) große Ruhe und Ord nung. Die Armenpflege erfreut sich der besten Verwaltung. — Wittkowo hat den — e. 5 Jahre interimistisch verwalteten — Rabbinerposten vor einigen Monaten wieder definitiv besetzt, und zwar mit der Person des würdigen Rabbi Israel Goldschmidt, welcher bis dahin' Roschbeth-din in Krotoszyn gewesen. — Der seit l3/* Jahren in Wittkowo bestehende „Verein zur Bekleidung armer Schulkinder" hat im April c. wiederum 18 arme (meistens auch verwaiste) Schulknaben mit vollständigen Sommer-Anzügen versehen. — Am'ersten Tage des jüngstverwichenen Wochenfestes hat der Lehrer Weyl zu Wittkowo zum ersten Mal in der Synagoge 6 Knaben feierlich confirmirt. —- An SabbatheN und Festen wird der Vorbeter der dortigen Gemeinde beim Gottesdienst von einem Knaben-Chor unterstützt. Trauungen und andere öffentliche Feierlichkeiten werden dort ebenfalls durch Chorgesänge verherrlicht. — Gnesen hat einen neuen Eantor, aber noch keinen neuen Seelsorger ausgenommen^ Ersterer, obgleich noch ganz jung und nicht ohne Talent, gehört durchaus nicht in die Categorie d er Vorbeter, wie die Gegenwart sie fördert, und die Mehrzahl der Gemeinde wünscht auch gar nicht, daß dieser Forderung entsprochen würde. Denn hätte man dort einen zeitgemäß gebildeten Eantor, so würde doch ein'zeitgemäßer Gottesdienst abgehalten werden. Hierzu ist jedoch vor Allem Etwas nöthig , das man in Gneftn durchaus nicht sehr zu lieben scheint,-— nämlich: Ordnung und feierliche Ruhe im Hause desHerrn. — Wongrowitz hat am jüngsten Wochenfeste auch zum ersten Mal einen Knaben in öffentlicher Synagoge confirmiren sehen, und zwar durch vr. Deutsch aus Posen, der zu diesem Behuf direct dorthin war berufen worden. — Oesterreichischer Kaiserstaat. Brody, 29. Juni. (Privatmitth.) Es würde vergeblich sein, wenn ich es versuchen wollte, Ihnen die vielen Scenen der Roth und deS Elends zu schildern, die in der letzten Zeit hier vorgefallen sind. Die trostloseste Armuth mit ihrem schrecklichen Gefolge Hunger und Entblößung vom Nothwendigsten, noch gesteigert durch die täglich wachsende Theuerung aller Lebensmittel, herrschten auf eine * furchtbare Weise unter der, hiesigen, größtentheilS aus Juden bestehenden Bevölkerung. Zwar hat der bekannte WohlthätigkeitSfinn der reicheren Bewohner unserer Stadt durch milde Gaben etwas zur Linderung des grenzenlosen Elends beizutragen gesucht, aber bei der Masse der Hülssbedürftigen und der anhaltenden GeschästSlostgkeit konnten diese Spenden nur Wenigen zu Theil werden, und eine bloS vorübergehende, also geringe Abhülfe gewähren. Aus diesem Anlässe ist hier ein Verein zusammengetreten, der es sich zum Ziele gesetzt, der Roth der armen Classen auf eine Weise zu steuern, die es möglich machen sollte, die Hülfe dauernder und wirksamer zu gestalten. DaS Comitö, dem ansehnliche Mittel zu Gebote stehen, da sich die Spitzen der Bevölkerung mit namhaften Beträgen daran betheiligten, kauft Mehl und Brov, und verkauft solches an gewissen Tagen ,der Woche an die Armen mit 10 — 20 Procenten Verlust. Das Unternehmen findet gedeihlichen Fortgang und lebhafte Unterstützung von allen Seiten. — Frau Zipre Rirenstein, eine Dame, die ihren großen Reichthum zu weiser und sruchtreicher Wohlthätigkeit benutzt, verkauft auf eigene Kosten Lebensmittel zu wohlfeileren als den Marktpreisen an alle Armen, ohne Unterschied der Consession. Es ist nur 28

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.