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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-10 · Heft 28 (10.7.1854) · p. Seite 351

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 28 (10.7.1854)
Date
1854-07-10
Page
Seite 351 (sequence 7)
Language
German
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851 lich wieder das größte Contingent. Hernach kommen die Gemeinden Laupheim, Buchau, Kappel und Buttenhausen. Jüngster Tage brachte daS judenfeindliche ultramontane „Deutsche Volksblatt" wieder einen gehässigen Artikel in seiner bekannten Richtung. Die israelitische Gemeinde Laupheim hatte bei einer Population von 759 Seelen 18 conscribirte Jünglinge. 13 davon gewannen eS bei der Loosziehung, theils durch hohe Nummern, theilS wurden sie bei der Musterung für untauglich erklärt; zwei kauften sich frei, drei nahmen Reißaus nach Amerika. Obgleich eS allerdings nicht zu entschuldigen ist, wenn Jemand seiner Pflicht für daS Vaterland, daö ihn groß gezogen, sich entzieht, obgleich auch von allen Oberamtern deS Landes, wo keine Israeliten wohnen, solche Recruten-Ausrüstungen vorkamen, so hatte der volksblättrige Artikelschreiber nur ein Auge für die Juden. Ich hörte dieser Tage Jemand sagen: waS bleibt denn den Israeliten anderes übrig, als nach Amerika auSzuwandern, überall ist der Jude zu viel. Man sucht ja ihn wieder überall zurück zu drängen. WaS Wunder, daß er den Wanderstab ergreift, und dahin zieht, wo er wenigstens ohne Mißgunst leben und wirken kann , wo seiner Thätigkeit nicht überall gleich ein Hemmschuh angelegt wird. Bald wird überhaupt der Abgang dieser massenhaften Auswanderung in den Landgemeinden empfindlich verspürt Werdern Wer kann, zieht überS Meer, oder in eine größere Stadt, was bei dem gegenwärtigen commerciellen Umschwung, den Eisenbahn, die Schifffahrt veranlaßt, ganz natürlich erscheint. In 50 Jahren werden viele Gemeinden kaum noch bestehen, da die alten Familien nach und nach abgehen, das jüngere Geschlecht aber bereits jenseits des OceanS ein Asyl gefunden hat. Eines ist hiebei zu beklagen, daß eine gewisse Barbarei und Unwissenheit überhand zu nehmen droht. Wenn man Eltern sagt, sie sollen ihren Kindern Handwerke lernen lassen, oder die Kaufmannschaft geregelt, so ist bei Vielen die Antwort vorn dran: wozu daS, mein Sohn geht in ein Paar Jahren doch nach Amerika, dort handelt er, wozu also die überflüssige Ausgabe an Geld und Aufwand an Zeit! Dadurch aber kommen die jungen Menschen roh und unwissend drüben an, und eS wird nur die alte Packträger-Societät multiplicirt, während es ein ganz anderes wäre, wenn Jeder, der wirklich später nach Amerika auSzuwandern beabsichtigt, sich mit tüchtigen Kenntnissen für sein Fach ausrüsten würde, um alsdann ein geordnetes Geschäft anlegen zu können. Ob diese Auswanderung in Masse zu beklagen sei? Wir behaupten nicht. Vom allgemeinen, geschichtlichen Standpunkt aus betrachtet, ist ja bekannt, daß im alten Griechenland die Einrichtung bestand, daß je der zehnte Mensch in die italienisch-griechischen Colonien auswandern mußte, worüber das LooS entschied. Auch in der deutschen Geschichte ist bekannt, daß vom Kaiser Heinrich dem Vogler von 919 — 937, der viele befestigte Städte gegen die Raub-Einfälle der Slaven und Ungarn anlegte, bestimmt wurde, daß je der neunte Mensch von den Freiwohnenden in die Stadt ziehen mußte, was allerdings bei den freiheitsliebenden Germanen viel Ueberwindung kostete. ES ist der natürliche Abfluß der zunehmenden Population, und es ist in der That ein wahres Glück zu nennen, daß ein solches Asyl vorhanden ist. Unlängst sagte Jemand: wenn Amerika nicht entdeckt wäre, so müßte ein Amerika erfunden werden. Wie ein Aderlaß für den einzelnen Menschen, so ist Amerika unentbehrlich für die europäische Menschheit. Ulm, im Mai. (Privatmitth.) Wenn zu den Anstalten einer Gemeinde Gotteshaus, Schule, besonders Religionsschule, und ein Friedhof gehört, so wären diese nunmehr in der hiesigen Gemeinde vorhanden. Wer hätte eS glauben sollen! Vor 50 Jahren, wo Ulm noch wie, so viele andere ihrer Schwestern, eine Reichsstadt, wohnte noch kein Israelit in ihren Mauern. Seit 1805 haben nun, Dank dem erwachten Geist der Humanität, gegen 20 Familien ihren bürgerlichen Wohnsitz hier aufgeschlagen. Darunter sind einige Fabrikanten, einige Kaufleute, einige Großhändler, Juweliere. Einer ist ein sehr angesehener Arzt, einer ein beliebter Rechtsconsulent und Notar. Anno 1806 wurde ein Jude, 1815 ein anderer durch höhere Protection in den hiesigen bürgerlichen Gemeindeverband ausgenommen. Diese Familien bilden den Stamm der Religions-Gemeinde. Als Synagoge wird ein zierlich geräumiger Saal benutzt, der bei Zuwachs der Gemeinde nach bisherigem Verhältniß eine Vergrößerung erheischt. Der Gottesdienst wird durch den Vorsänger AmtS-Verweser Einstein versehen, der zugleich täglich den israelitischen schulpflichtigen Kindern, von denen die Knaben die Elementar-Realschule der Stadt oder das Gymnasium,

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