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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-10 · Heft 28 (10.7.1854) · p. Seite 350

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 28 (10.7.1854)
Date
1854-07-10
Page
Seite 350 (sequence 6)
Language
German
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350 die Keckheit haben, statt privatim, öffentlich, und noch dazu anonym, an Männer von so anerkannter Gelehrsamkeiteine solche Anfrage zu richten. Sie schweigen, weil sie sich sagen: der Herr wird für Euch streiten, ihr aber schweiget!" Streiten? Wer hat die Herren angegriffen? Wer hat einen Streit mit ihnen begonnen? Gefragt haben wir, in dem würdigsten, der Sache angemessensten Tone, in der öffentlichsten Sache von der Welt, eine offene, freimüthige Frage an sie gerichtet, und den möchten wir sehen, der in unserer Anfrage auch nur Ein achtungswidriges, verletzendes Wort aufzuweisen vermöchte, — und sie, die gänzlich Unangegriffenen, dürften mit himmelwärts gewandten Augen, in den Mantel eines schweigenden Martyrthums gehüllt, der Antwort entschlüpfen? Ist aber ihre GemüthSverfaffung so zart, ihr Gedanken - und GcfühlSsystem so spinneweben, daß ihnen auch schon der bloße Hauch einer männlich offenen aber bescheiden, berechtigten Anfrage ein Angriff gilt, dann sollten sie die Arena des öffentlichen thatkräftigen Wirkens meiden und lieber ihre „kostbare Zeit" in den ungestörten Räumen deS StudirzimmerS verwenden, wo keine Luftströmung die Umhänge weghebt, und. der entheiligte Muskel einer Geistesleiche der Vergangenheit geduldig das Secirmeffer des Antiquitätenforscherö erträgt, und nicht einmal mit der „Anfrage" entgegenzuckt: „was habe ich Dir gethan, daß du mich zum zweitenmale tödtest!" „Aber wir „Ignoranten," wir „Sidur-Lomdim" seien keiner Antwort würdig!" — Wären wir's — sein wir's — mit Bettlerstolz nehmen wir diesen Reichenmanneshohn entgegen, mit Geusenstolz ergreifen wir diese von Hohn uns zugeworfene Titel und gebrauchen sie als Documentirung unseres Adels und unseres Rechts. Weh' dir Israel, wenn deine „Gelehrten" mit dünkelhaftem Hochmuth also auf die Unwissenden, die Ignoranten, die Sidur-Lomdim, also auf das Volk herabschauen, und es vergessen, daß den Holzhauer und Wafserschöpfer Gott herbeirief, um ihn den Fahneneid zur Thorah mitschwören zu lassen! Weh' den einstigen mit solchem Hochmuth großgefütterten Lehr- und RabbineramtSzöglingen der zu gründenden,' der für Jakobs HauS zu gründenden Pflanzstätte! Das Volk wird labendes Wasser und stärkenden Wein und nährende Milch von ihnen erwarten — sie aber werden nichts anderes haben, als das Salz- und Bitterwasser der vornehm-kritischen Füllung , und wenn dann die dürre Lippe des verschmachtenden Volkes den salzig bittern Rand dekritischen Kelches zurückstößt — werden sie eS mit höhnendem Fußtritt von sich weisen: „Geht, ihr seid zu dumm, wir können Euch nicht helfen, Ihr Ignoranten, Ihr Sidur-Lomdim! geht —" Wie? Wir armen Unwissenden, wir Ignoranten, wir armes unwissendes Volk, wir dürfen nicht zu unwissend sein, um Gut und Blut für unsere Thorah zu opfern, um mit opferfreudiger Hingebung für unsere Thorah zu leben und zu sterben, viel ernstere Versuchungen jeden Tag und jede Stunde für unsere Thorah zu bestehen als Ihr, hinterm Studirpulte vor jedem rauhen Luftzug des kampf- und sorgenvollen Lebens geschützten Gelehrten — und wir sollten unser heiligstes Gut: die Thorah, unsere theuersten Pfänder: unsere Kinder für diese Thorah, und die Zukunft dieser Thorah und dieser Kinder Euern Händen überantworten, und nicht zu der Voranfrage berechtigt sein, ob wir sie auch nach den Ueberzeugungen unseres Gewissens, den rechten Händen übergeben würden? Nach Eurer Gelehrsamkeit haben wir nicht gefragt; von Eurer jüdischen Gesinnung war die Rede, mußte in unserer zerklüfteten Zeit die Rede sein. Zu welcher Fahne Ihr schwöret, wünschten wir zu wissen, und danach haben wir öffentlich, nicht privatim anonym und nicht genannt gefragt, weil nur die Oeffentlichkeit der Antwort eine Garantie der Zukunft geboten hätte, und weil nicht wir, N. N. mtb N. N., sondern die Sache, die heiligste Sache, das allgemeinste Interesse diese Anfrage zu stellen berechtigt war. Jetzt aber fragen wir nicht mehr. Euer Schweigen und B. B.’s Reden haben genug geantwortet. Wir wissen, woran wir sind. Das alte Judenthum hat Nichts von Euch zu hoffen. Sein Heil muß anderswoher kommen. Benaeti wehazalah jaamod rmmmakom acher. 16. Juni 1854. Der Verein von Freunden der Wahrheit und des orthodoren Judenthums." iOberschwaben, im Juni. (Privatmitth.) Auch bei uns greift das Auswanderungsfieber mächtig um sich. Die Gemeinde Jebenhausen liefert wahrschein-

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