Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1854)
- Date
- 1854-07-03
- Page
- Seite 340 (sequence 10)
- Language
- German
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840 mehrere verläßliche Juden bestellt werden, welche sie in ihren Häusern aufhängen und in denen sodann die milden Beiträge gesammelt werden. Dagegen würde von nun an der AuSsendung von Sammlern mit aller Strenge entgegen getreten werden. Hiervon werden Sie zu Folge h. Statthaltereierlasses vom 11. d. M. Z. 33980 über Ihr bei dem h. Ministerium deS Aeußern überreichtes Gesuch in Kenntniß gesetzt. Wien, 16. October 1851. Weiß, m. x. Nach dem Tode des Herrn Fein übernahm der Rabbiner in Wien Herr Horwitz dieses Amt und hat vor dem letzten Pefachfeste 300 Gulden nach Jerusalem geschickt. Wir begreifen daher daS Vergehen des Herrn Deutsch nicht. Herr Deutsch spielt, wie wir hören, den strengsten Orthodoxen. Die böse Welt behauptet zwar, daß derselbe früher am Samstage eine Cigarre beim Spiele im Kaffeehause sich hat schmecken lassen. Indessen derselbe ist sehr fromm und hat vor einigen Jahren in hebräischer Schrift ein Schreiben in den Gemeinden Ungarns, circuliren lassen, daß die Juden bei ihm die Staatspapiere kaufen sollten, weil er am Samstage die Schreibstube gesperrt habe. Wir sehen aber nicht ein, wozu eine Bewilligung einzuholen „ die bereits erfolgt ist. Daß die Juden in Jerusalem Herrn Deutsch mit der Mission betraut haben, wundert uns gar nicht, wer ihnen Geld schickt, ist ihr Mann, und das ist das Mißliche an der Sache, daß sie nichts als eine Bettelei der niedrigsten Art ist, die gar nichts Erhebendes hat. Es fällt uns nicht ein, gegen den Spruch y»Kn brr nrr auftreten zu wollen; er gehört zu den schönsten unserer heiligen Schrift; ob das aber wirklich eine Mizwoh ist, Leute, die sich auf den Bettel verlegen, zu unterstützen, ist eine andere Frage. Aus Mähren, Ende Juni. (Privatmitth.) Während in unserer. Provinzial-Hauptstadt der im vorigen Jahre begonnene Bau eines herrlichen israelitischen Tempels seinem Ende rasch entgegen geht, ist auch in der benachbarten Gemeinde Pohrlitz der Bau eines neuen Gotteshauses in vollem Gange. Erst dem ausdauernden Streben und beharrlichen Wirken, ches gegenwärtigen Bürgermeisters, H. Feith Schnabl, gelang es während seiner dreijährigen Amtsführung, unter Mitwirkung. der Gemeinderepräsentanz, alle Schwierigkeiten zu /beseitigen, die auf fast 26,000' Gulden veranschlagten Baukosten aus Gemeindemitteln sicher zu stellen, die mannichfachen Fragen hinsichtlich der von den Gemeindegliedern zu leistenden Beitrage, der bisherigen Sessel u. s. w. zur beinahe allgemeinen Zufriedenheit zu lösen, wobei die Unterstützung der hohen Behörden zur Förderung des Unternehmens nicht wenig beitrug. Mitte April l. I. begann die Demolirung der baufälligen, uralten Synagoge, — durch Inschriften wurde ein Alter von mehr als 1300 Jahren nachgewiesen, — an deren Stelle sich bereits, die Mauern des neuen Tempels erheben. Bei den Grundumgrabungen fanden sich gegen 30 Münzen, deren größter Theil einen neuen Beweis für daS Alter des demolirten Gebäudes liefert; denn außer mehreren auS dem 15., 16. und 17. Jahrhundert zeigen zwei ganz deutlich die Jahreszahlen 611 und 617, während viele andere vom Rost so verzehrt sind, daß sie sich nur von Numismatikern entziffern lassen dürften. Mehrere zeigen auf einer Seite ganz deutlich zwei sich kreuzende Schlüssel, während der Adler oder Drache auf der andern Seite weit weniger kenntlich und keine Spur einer Jahreszahl aufzufinden ist.— Ueber die Gründung der Gemeinde selbst berichtet eine im Orte verbreitete mündliche Tradition, — alte Urkunden und dergleichen sind nicht vorhanden, — daß die Römer eine Anzahl jüdischer Sclaven hier colonistrt und jeder Familie ein Stück Landes zur Bearbeitung überwiesen habe; die Gemeinde vermehrte sich und kam in einen blühenden Zustand, hatte aber im Mittelalter, Im 30jährigen und in anderen Kriegen viel zu leiden*), so daß sie sehr zurückkam, und selbst gegenwärtig unter die mittleren Gemeinden Mährens gehört, da sie gegen 150 Familien zählt. Die den jüdischen Familien zugewiesenen Gründe kamen zum Theil im Laufe der Zeiten in andere Hände, doch gehören noch immer gegen 40 St. sogenannte Schacherfelder sammt Wiesen jüdischen Hausbesitzern an. — Möge die Gemeinde fortan einer schönen Zukunft entgegen gehen! B. *) Der Ort liegt an der Wien-Brünner Hauptstraße.