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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-03 · Heft 27 (3.7.1854) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 27 (3.7.1854)
Date
1854-07-03
Page
Seite 336 (sequence 6)
Language
German
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336 den haben (beziehungsweise ohne ihr Verschulden wieder verloren haben), daß wenn einmal die Emancipation die Juden in Deutschland suchen wird, sie auch keine mehr finden wird. Denn bei der massenhaften Auswanderung besonders der Jugend, wird es in einem viertel oder halben Jahrhundert, bis wohin viele alte Familien abgegangen sein werden, kaum mehr viel emancipationssüchtige Juden geben. Bis dorthin werden die Landgemeinden überhaupt an Zahl ab-, die Stadtgemeinden aber zugenommen haben. Da der Verkehr überhaupt eine andere Gestalt und Richtung genommen, so wendet stch das Publikum nunmehr den Hauptknotenpunkten der großen Handelsstraße zu, wodurch die kleineren Dorfgemeinden nach und nach ganz aufhören werden. Preußen. Berlin, den 19. Juni. (Privatmitth.) Die silberne Hochzeit des Prinzen von Preußen ist von der Reformgemeinde angemessen durch Gottesdienst und Predigt gefeiert worden. Dagegen zeigten sich bei der verendenden Neuorthodorie auch hinsichtlich dieser Feier die Symptome der Schwäche: Nicht am Morgen, sondern am Abend kam etwas Gemeinde in der großen Synagoge zusammen, man borgte etwas Psalm vom König David, Prediger Sachs hielt etwas, was nach Einigen eine Rede, nach Andern ein Gebet, nach noch Andern eine Predigt sein sollte, und endlich sammelte man auch etwas für den „Nationaldank," dessen Summe ich verschweige, weil ich kein Neuorthodorer, d. h. kein Denunciant, bin. Und die an den Prinzen abgesandte Deputation! Die durch Gelehrsamkeit, Wissenschaft, Kunst und den höchsten Gewerbfleiß so hervorragende Gemeinde war nicht durch ihre Meyerbeer, Ries, Traube, Behrend rc. k. vertreten, sondern durch drei Kaufleute des gewöhnlichsten Schlages „unter Vortritt des Vorsitzenden" A. H. Heymann! Dieser Herr steht überdies bei der Regierung als ein vormals laut gewesener Rother angeschrieben, und eS empfiehlt ihn schwerlich, daß er jetzt seine Gutgesinntheit mit beiden Händen zur Schau trägt, man weiß, daß es Leute giebt, die nicht nur aus dem Geldwechsel, sondern auch aus dem Farbenwechsel ein Geschäft machen. — Das Ereigniß des Tages ist der erledigte Proceß des Dr. Rubo, der jetzt als unabsetzbarer RechtSconsulent der Gemeinde gerichtlich festgestellt ist und 5000 Thaler Gehalt nachbezahlt bekommt, wofür er keine Feder genäßt hat. Dieser AuSgang macht solche Sensation im Allgemeinen und besonders in der Gemeinde, daß die Aufmerksamkeit sich den Ueberblick durch Theilung und Classtsicirung des umfangreichen und inhaltschweren Ereignisses erleichtern muß. Die eine Partei wirft sich auf die 5000 Thaler, welche dem ohnehin reichen Sieger für Dolcefarniente in'S HauS gebracht werden; eine zweite freut sich aufrichtig der geretteten Beamtenehre und des siegenden Rechtes; eine dritte Claffe verbindet Aerger und Schadenfreude gegen den unterliegenden Vorstand, dessen einzelne Mitglieder und dessen Collegium den Streit angefangen, und mit Schmach geendigt haben. Herr Harry Jacob von hinten und Herr Aron Hirsch Heymann von vorn waren die Haupthelden gegen Rubo- und sie hauptsächlich sind der Gemeinde für die ihr zugefügte Schmach und Verluste verantwortlich. Eine vierte Claffe endlich erwägt die Folgen deS Wiedereintritts Rubo's indie Verwaltung. Gerade im kritischen Momente der Vorstandswahl sprach daS Obertribunal den Sieg Rubo's aus, und es wird dadurch mancher hochachtbare Candidat geneigt werden, die Wahl anzunehmen, während andere ihre schon fertig gestrickten Netze nicht auSwerfen, sondern behutsam Zusammenlegen, um sie für bessere Zeiten zu wahren. Am unbequemsten dürfte der Spruch für einen Reim-Schmied gekommen sein, welcher nur mit sehr heiserer Stimme jetzt singen kann: Bin der große Tambour Veit, Meine Trommel kann ich rühren, Und die Judenthümler führen Zur Parade wie zum Streit. F. Lt. Berlin, dm 25. Juni, Nachmittags. (Privatmitth.) In den heutigen Vormittagsstunden ist endlich der neue Vorstand der Gemeinde durch die Repräsentanten gewählt worden. Es sind 7 Vorsteher: Perez Abraham, Robert CaSpary, Carl Heymann, Moritz Jacoby, Philipp Liebermann, Meyer Magnus, Joel Wolfs Meyer, und S Ersatzmänner: Dr. Bürger, Meyer Heymann und vr. Jonas. Der hervorragendste und handgreiflichste Punkt in der Wendung dieser Wahl ist der negative, daß sie auf keinen einzigen der bisher wal-

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