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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-07-03 · Heft 27 (3.7.1854) · p. Seite 335

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 27 (3.7.1854)
Date
1854-07-03
Page
Seite 335 (sequence 5)
Language
German
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335 dem israelitischen Handelsmanne Maier Suntheimer von Buttenwiesen die polizeiliche Bewilligung zur Ausübung einer realen SchnittwaarenhandlungS-Concesston ertheilt und Anlaß zur Beschwerde des dortigen Handelsstandes gegeben wurde, kann, wie es weiter in dem erwähnten Ministerialrescript heißt, aus Rücksichten der höheren Staatspolizei nicht aufrecht erhalten werden, dieselbe wird vielmehr in Übereinstimmung mit dem Ministerium des Innern außer Wirksamkeit gesetzt. —; Dies sind die Früchte niedrigen Brodneides, und wüthen also diese Herren gegen ihr eigenes Fleisch. Die israelitische Gemeinde Münchens hat am 26. Mai durch den plötzlichen Tod des Großhändlers W. Kohn einen Verlust erlitten. Sein bei verschiedenen Gelegenheiten bewährter Wohlthätigkeitssinn sichert dem Verblichenen ein ehrendes Andenken. Aus Würzburg erfahrt man, daß der dortige Rabbiner Bamberger mit dem Riesenplane schwanger geht, ein jüdisches Schullehrerseminar zu gründen. Allein eine große Frage dabei bleibt, woher die Mittel hiezu nehmen? — UebrigenS wäre man begierig, zu erfahren, welche Geister aus einer Anstalt, die unter der Protection dieses Mannes steht, hervorgehen! 14. 8. Ulm, im Mai. (Privatmitth.) Zum Oberamts- Wundarzt in Gerabronn (heißt es im Staats-Anzeiger für Württemberg) wurde' ernannt: „Dr. Einstein, innerlicher Arzt, Geburtshelfer und Chirurg erster Abtheilung." Wenn man weiß, daß hier zu Lande die Oberamtsarzt- und Wundarztstellen von einer aus Schultheißen und dem Bezirksbeamten zusammengesetzten Oberamts-Corporation gewählt werden, denen dann die Regierung erst noch die Bestätigung zu ertheilen hat, so darf man wohl sagen, die jüdische gute Sache in Württemberg habe wieder einen, wenn auch nur kleinen', Sieg erfochten- und zwar um so mehr, als zwei wichtige Factoren zusammen gewirkt haben, vr. Einstein, der erste jüdische Oberamtswundarzt im Lande, ist gebürtig von Buchau, studirte in Tübingen und ist schon seit wenigen Jahren praktischer Arzt in Gerabronn. Im vorigen Jahre erhielt er diese Stelle provisorisch und es war die Fragen ob er sie als Jude auch definitiv erhalten werde. Dieselbe wäre nun zu Gunsten des guten Princips, obgleich eS mehr als persönliche Anerkennung anzusehen ist. Ein jüngerer Bruder desselben ist gleichfalls praktischer Arzt in Hohenfengen, und ein Schwager desselben Rechts-Consulent Bernheim in Laupheim. M. R. Ulm, im Juni. (Privatmitth.) Nach dem neuesten StaatShandbuch für Württemberg leben in diesem Königreich gegenwärtig bei einer Gesammtbevölkerung von 1,752,538 Israeliten 12,356, und kommen auf den Jartkreis..... 5095, Neckarkreis. . . . 2701, Schwarzwaldkreis 1953, Donaukreis . . . 2607, 12,356. Sie machen gegenüber von der Gesammtbevölkerung den 0,7» Theil der Bevölkerung aus. Am meisten wohnen, in sehr vielen kleinen Gemeinden zerstreut, im Jartkreis, besonders Oberamt Künzelsau, Mergentheim, Neresheim, Gerabronn. Während die Juden im Oberland in vier großen Gemeinden und zwei Filialen concentrirt sind. In vielen Oberämtern des Landes wohnen keine Juden. Die meisten hat daS Oberamt Horb mit den großem Gemeinden Mühringen, Repingen, Nordstetten, Baisingen. ' Wie man vernimmt, werde der greise Rabbiner Wassermann in Mergentheim in Bälde in Penstonsstand versetzt werden. Ob bei einer solchen eintretenden Veränderung nicht noch eine weitere Reduction unserer, gegenwärtig noch zwölf, Rabbinatsstellen sich als zweckmäßig Herausstellen wird, ist noch unbestimmt. Dieser Tage erschien das auch diesen Blättern schon angekündigt gewesene Werk des Herrn Rabbiner Grünwald in Freudenthal „die Glaubens - und Sittenlehren deS Talmuds." Demselben ist eine gut geschriebene Vorrede voraus geschickt, in welcher daS alte, immer wiederkehrende Capitel von den Vorurtheilen der christlichen Welt gegen Juden und Judenthum abgehandelt wird. Wir wünschen, daß es dem Verfasser mit seinem warmen Fürwort für die Emancipation gelingen möge> die wieder neu auftauchenden, schon längst begraben geglaubten Vorurtheite und Gehässigkeiten zu verscheuchen. Wir befürchten aber, nachdem die Juden., besonders Deutschlands, die Emancipation so lange gesucht und nichtgefun-

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