Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1854)
- Date
- 1854-07-03
- Page
- Seite 333 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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schon gefällt haben, und inan wird diesen letzten Koryphäen der Orthodoxie doch auch ein wenig Urtheil zugetraut haben, zu wissen, was „orthodox" heiße, eS müßte denn ein anderer „Ludwig Raschi" auch an die dieser Männer vier Fragen, „vier Worte des Glaubens" richten zu dürfen geglaubt haben. Wenn Schreiber dieses nun in der ehrlichsten und nachdrücklichsten Weise ein „Orthodoxer" im Judenthume zu sein behauptet, obschon er „Koheleth" nicht von „Schelomoh" geschrieben glaubt, und obschon er im Taschlich-Machen weder eine göttliche Verpflichtung, noch einen Neder fleht, also gar nicht nach „Ludwig Raschi's" Anflcht zu den „Orthodoxen" gehört, da wird die Frage sehr verworren, und eS wird über den „Sieg der Orthodoxie" ein neuer Kampf entstehen: welche Fraktion der Orthodoxie eigentlich geflegt habe?... Die obige Auseinandersetzung ist flcher weder aus frivoler Gefinnung — Niemand wird uns diese zuschreiben — noch aus Neid auf die Phrase des Briefschreibers geflossen, sondern weil wir, Feind der bloßen Phrase, die Sache doch etwas klar machen wollten. Ich kann „orthodox," wenn ich einmal dieses Wort überhaupt zugestehen soll, nur in dem alten, unverfälschten Sinne verstehen, d en Juden bezeichnend, der ganz auf dem Boden des Schulchan Aruch steht, und von demselben, weder durch künstliche Exegese, noch durch einen historischen Sprung sich entfernt oder zu entfernen sucht. Jeder Andere, insbesondere Jeder, der eine geschichtliche Entwickelung im Judenthume anerkennt, der daher von Moscheh an Phase nach Phase im Judenthume findet, noch ein Mal, Jeder, der nicht in den Erzvätern und in Moscheh schon vollständig die Männer der 613 Gebote anerkennt, usurpirt nur den Namen „Orthodoxer."... Ihr werdet mir einwenden, Obiges kann gar Keiner zugeben, der einen Einblick in die Geschichte deS Judenthums gethan — gut — auch das acceptire ich — und kann den, der in die Geschichte des Judenthums einen Einblick gethay — ich verstehe darunter, die Geschichte anerkennt und auf sich wirken ließ — auch keinen wirklichen „Orthodoxen" nennen. Ihr werdet mir ferner einwenden: dann giebt es in Deutschland sehr wenige Orthodoxe noch — gut — auch das acceptire ich — drehe aber die Sache um und sage: ich will nicht, daß man das Wort „orthodox" zum Deckmantel brauche, unter welchem man sich nach seiner Bequemlichkeit kurz oder lang strecke; brauchet das Wort „orthodox" gar nicht, denn wir Alle sind eS nicht, nicht Herr Ludwig Raschi, nicht Herr vr. Frankel, nicht Herr Rappoport, und gewiß nicht der brave Briefsteller, von dem wir ausgingen, und der doch so naiv ein „Orthodoxer" zu sein glaubt, dabei' aber die Neologie für unentbehrlich hält, wir Alle find es nicht im einfachen, ehrlichen Sinne des Wortes , wir sind eS nicht — wollet es aber darum auch nicht heißen, und euch damit brüsten!... Für die Dürftigen in Jerusalem sind ferner bei unS eingelauftn: 14 Thlr. durch C. in Samoczin; aus Minden durch Herrn Prediger Edler 13 Thlr.; aus Beuthen a. O. 7 Thlr. durch Herrn Zülzer; aus Schwedt a. O. durch Herrn Vorsteher S. Seelig jun. 24 Thlr.; aus Lippstadt durch Herrn Lehrer S. Guthmann 25 Thlr.; aus Proßnitz durch Herrn Rabbiner A. Schmied! 62 Gulden C.-M. in Papier; aus Eidlitz durch Herrn Oberlehrer Weiß,40 Gulden C.-M. in Papier, von zwei Damen gesammelt. Ferner ist uns folgende Notiz zugekommen: „Paris, 23. Juni. In Nr. 25 Ihres Blattes geben Sie an, daß die Gebrüder Rothschild 100,000 Frcs. „wie man sagt," den Armen, in Palästina zur Vertheilung senden. Da dies leicht die im Schwange seienden Sammlungen behindern könnte, so sei bemerkt, daß dies „wie man sagt" eben nur ein „Gesage" ist, daß wohl die Gebrüder Rothschild eine Summe, aber lange nicht eine so beträchtliche zu obigem Zwecke bestimmt haben, überhaupt aber wohl erst die Sachlage untersuchen lassen wollen. Wer daher für die Dürftigen in Jerusalem was thun will, lasse sich ja nicht abhalten durch die Meinung, es sei ihnen schon geholfen." . . Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Baiern, 18. Juni. (Privatmitth.) Bekanntlich ist die Ansassigmachung der Juden, besonders in Städtendurch das leidige Matrikelwesen sehr erschwert. Nun herrschte große Freude in Israel, alö durch das xevidirte GewerbSgesetz bekannt wurde, daß man ein reales GewerbSrecht, auch ohne ansässig zu sein, ausüben dürfe. Denn man glaubte, diese 27 *