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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-06-26 · Heft 26 (26.6.1854) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 26 (26.6.1854)
Date
1854-06-26
Page
Seite 328 (sequence 10)
Language
German
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gäbe — hinge eS von den Rabbinen ab, so würde ihr längst Stillschweigen auferlegt sein — —natürlich giebt es auch treffliche Ausnahmen!... Allein da wir unS borgenommen, stets die strengste Gerechtigkeit zu üben, so bemerken wir sofort, daß diese Schwäche, der jüdischen Presse gegenüber, nichts über anderweitige praktische Wirksamkeit entscheidet, die von Seiten derselben Personen sehr wacker sein kann — wir werden ein ander Mal darüber sprechen. Kopenhagen, 1. Juni. Es möchte wohl nicht wenig Sie befremden, däß wir — einer Ihrer fleißigsten Correspondenten in früheren Jahren — seitdem wir im Jahre 1849 über die völlige Emancipation unserer Glaubensgenossen allhier berichtet, in einer so langen Reihe von Jahren gänzlich geschwiegen haben und Sie dadurch entweder uns der Fahrlässigkeit zeihen oder gar wähnen möchten, daß alles Höhere hier so tief gesunken sei, daß man es schonungshalber in das tiefste Schweigen begräbt. Seien Sie aber versichert, daß Keines von Beiden der Fall ist! Es diene Ihnen vielmehr als ein freudiges Zeichen, daß wir noch immer, Gott Lob — nicht wie in Deutschland — im ungeschmälerten Besitze dieses erworbenen Gutes sind und es auf unsere Nachkommen zu vererben hoffen, und eben deshalb erachteten wir es als überflüssig, wo nicht gar als schädlich, der Welt erzählen zu wollen, wie Viele von unsern Brüdern Sitz in den öffentlichen Collegien, wie Viele von ihnen'Orden oder Titel bekommen, wie sie sich überhaupt in Kunst, Wissenschaft und Wohlthätigkeit ausgezeichnet haben, da unserm Dafürhalten nach der Jude da, wo er seinem christlichen Bruder völlig gleichberechtigt ist, im socialen Leben in die Menge aufgehen soll und muß. Aber selbst unser Gemeindeleben allhier erlitt in den letzten Jahren keine solche Umgestaltung, die etwa weitere Kunde verdient; denn daß vor vier Jahren eine sich heranbildende Reformpartei den Himmel erstürmen gewollt — das anbeifolgende in Bezug hierauf von mir herausgegebene Schriftchen enthält das Nähere hierüber — und schen Gemeinde bei mir, der erzählte, ihr neuer Lehrer habe, ohne zu fragen, alle deutschen jüdischen Zeitschriften angeschafft, lasse sie coursiren! und Jeder hätte nur vier oder sechs Groschen vierteljährlich zu zahlen, und siehe da — Alle lesen sie gern und zahlen mit Vergnügen das Wenige. daß unser vr. Wolff ihr das vrs irrt* entgegen gedonnert und sie zerstreut hat, ist in unserer beweglichen Zeit selbst auf dem Gebiete des JudenthumS so etwas Alltägliches, daß auch dieses keine weitere Berücksichtigung-beansprucht. WaS wir hingegen heute berichten wollen, mag wohl beim ersten Anblick von localem Interesse scheinen, und doch hoffen wir,'daß es in Ihrem weit verbreiteten Organe des JudenthumS ein Plätzchen verdientschon deshalb verdient, weil unser vr. Wolff einer der ersten und ältesten in der Judenheit ist, der das Rabbiner- und Prediger-Amt in einer Person vereinigt, und nachdem er drei Jahre als solcher in Gießen fungirt, eben verwichenen 's na'tt> sein fünfundzwanzigjähriges AmtSjahr in der Kopenhagener Gemeinde gefeiert har. Diese Festfeier zu beschreiben haben wir uns zur Aufgabe gemacht, da eine geübtere Feder als die unsrige es bis jetzt unterlassen hat. — Schon am Vorabend war das GotteShauS festlich beleuchtet und der Gottesdienst festlich abgehalten. Am Sabbath-Morgen um sechs Uhr war eS des Jubelanten enger Familienkreis — Schreiber dieses wür der einzige Fremde, der sich ihm beigesellt hatte — der ihm die erste Huldigung gebracht. Unter Absingen mehrerer Hymnen in hebräischer und dänischer Sprache und Verlesen einer Dankadresse — Beides von dessen ältestem Sohne, der nicht wenig Dichtertalent besitzt, verfaßt— beglückwünschte die Hausgemeinde — sechs Söhne und vier Töchter — ihren väterlichen Priester beim Heraustreten aus seinem Schlafgemach, der seinerseits tief gerührt, jedem Einzelnen den väterlichen Segen patriarchalisch ertheilte. Diese rührende Scene der häuslichen Andacht, die eine tiefe Stille zurückließ, wurde plötzlich durch einen kräftigen Chorgesang von entgegengesetzter Seite unterbrochen, und es geschah uns, als gäben diese Harmonie schen Kirchenmelodien unsern tief durchzitternden Gefühlen Töne und schwängen sie sich mit diesen im Lob- und Dankgebet zum Vater in jene Höhen hinauf, der uns diesen heitern Morgen bereitet hat! Plötzlich öffneten sich die Saalpforten, und man sah eine Gruppirung unschuldiger Kinder; die geschmückt mit Blumen; festlich gekleidet, geschaart standen um das sämmtliche Kirchenpersonale sammt Chorasfiftenten, angeführt von den beiden Vorsängern zum Feftgesange einiger hebräischer und dänischer Hymnen, die alle die hohe Bedeutung dieser Stunde besangen. Hierauf trat aus deren Mitte der erste Vorsänger, Herr Rosenfeld, hervor, recitirte ein hebräisches Poem und hielt dann eine Anrede an den Jubelanten, worin er zuerst die Gefühle der Kinder, die so freudig hin eil-

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