Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1854)
- Date
- 1854-06-26
- Page
- Seite 329 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ttrt, ihrem Lehrer und Geistlichen die.frühe Morgenstunde zu versüßen,. aussprach, und dann, nachdem er dem Jubelanten zwei silberne Trauungskelche als Erinnerung von ihm und von seinem Mitcollegen, dem andern Vorsänger, überreicht hatte, insbesondere dem vr. Wolff, sowohl i/ seinem wie im Namen der übrigen Kirchenbeamten für die milde Behandlung, die er als Oberkirchenbeamte stets gegen sie an den Tag gelegt, und daß er nie fein Obergewicht gegen sie weder geltend, noch weniger gemißbraucht hatte, dankte. Welchen rührenden Eindruck dieser überraschende, herzliche Aufzug auf den Jubelanten gemacht, konnte man deutlich sehen auS der innigen Danksagung, die er an sie gerichtet, und wo der gefeierte Redner, den wir wohl zu tausend Malen haben gerührt sprechen sehen, aber nie noch so in Thränen zerfließend, wie jetzt, wo er gestand, daß diese Stunde eine der schönsten und theuersten seines Lebens sei und bis zum letzten Athemzuge bleiben werde. Bald darauf fanden sich die Repräsentanten mit dem Synagogenvorstande in pleno ein, schenkten dem Jubelanten einen werthvoilen Pokal ünd der Präses richtete einige Worte an ihn, worin er im Namen der Gemeinde ihm gratulirte und dann in Umrissen dessen Verdienste um die Gemeinde schildert, die diese so eben anerkannt, da sie bei den Repräsentanten um Gehaltserhöhung für ihren Geistlichen nachgesucht hat, ja daß selbst die Regierung noch im Laufe dieses Jahres kund thun werde, daß auch sie dieselben anerkennt und würdig zu belohnen weiß.; Diesen schloß sich eine Deputation von Jünglingen ' an, die ihm im Namen eines großen Theiles der weiblichen und männlichen vom Jubelanten confirmirten Jugend eine goldene Cylinder-Uhr mit goldener Kette nebst einer Adresse versehen, überreichten. Und tief-herzergreifend waren die DankeSworte, die der Jubelant an sie gerichtet, wo er sich dahin aussprach, daß die Uhr ihm stets ein Symbol sein werde, daß, wie überhaupt die Zeit flüchtig ist, sie auch ihn mahne, daß auch er jetzt ein halbes Jahrhundert auf der Wanderschaft zurückgelegt, daß der Zeiger nach unten zu sich neige (Gott verlängere ihm seine Jahre), aber daß er wie bis jetzt mit Liebe und Treue zum Wohl und Ruhm Israels und insbesondere seiner Gemeinde diese benutzen wolle. Eine von Gießen — seiner ersten vor achtundzwanzig Jahren inne gehabten Rabbinatstelle Tages vorher eingelaufene Adresse, die man ihm präsentirte, schloß diese Morgen-Gratulationen, worauf alle Anwesende ihn in'S Gotteshaus geleiteten. Wir. sagen Morgen - Gratulationen, denn daß diesen Tag und die folgenden Tage über Privat-Gratulationen (selbst vom ganzen Lande umher, wie auch zum Theil von seiner heimathlichen Gegend) mit reichlichen Geschenken — wiewohl er erst vor zwei Jahren zu seiner silbernen Hochzeit von einem Theile der Gemeinde Mit einem silbernen Service, an Werth 1000 Thaler, und mit eben von so großem Belaufe an Privat- Gaben beschenkt wurde — sich eingefunden haben, ist vorauszusetzen für Alle, die die Beliebtheit unserS vr. Wolff und die Freigebigkeit der Kopenhagener Gemeinde kennen. Tages darauf fand ein Zweckessen für ungefähr 100 Couverts statt. Prachtvolle Dekorationen, Musik und Gesang trugen nicht wenig zur heitern Stimmung bei. Das Festmahl eröffnete der gefeierte Jubelant mit dem bet, an welches er anreihete den passenden Vers •jribtti dankend dem Allvater, daß Er ihm einen so herrlichen irdischen als geistigen Tisch bereitet,. und trotz der äußern und innern Anfechtungen, wovon kein Staubgeborner frei ist, sein Haupt zum Priesterthum gesalbt und so fort. Den ersten Toast brachte der Präses des Festcomite'S vr. Hannover dem Jubelanten, worin er dessen Verdienste herausstellte, daß er als Vorkämpfer auf einem so klippenvollen Gebiete, wie daS Judenthum vor drei Decennien noch überall gewesen, und den schwierigen Standpunkt, den er insbesondere hier, wo die Gemeinde, in sich zerfallen, dem Auflösen nahe gewesen war, einnahm und er es dennoch zu den glücklichsten Resultaten bis jetzh geführt, da Gotteshaus, Gottesdienst und Gemeindewesen als Muster in der Judenheit dastehen. Es folgten dann Toaste auf Toaste; einer der gelungensten jedoch war der für die Damen, den unser Jubelant ausgebracht hat, und welcher ihn zu dem muntern Gesellschaftsmann stenrpelt, ihn, der mit scharfsinnigem Witze selbst eine so buntgemischte Gesellschaft zu beleben versteht, wiewohl sich auf dem theologischen Gebiete bewegend. Bei Tische überreichte der ausgezeichnete neuhebräische Dichter, Herr N. Kalkar, dem Jubelanten ein sehr gelungenes hebräisches Gedicht, das sich einer allgemeinen Auszeichnung erfreut. Man ging erst zur Mitternacht aus einander. Als statistische Bemerkung diene das Nachwort, worin hervorgehoben ist, daß vr. Wolff in den fünfundzwanzig Jahren hier 1100 Kinder confirmirt und 365 Paar getraut hat. ^Daß aber im Ganzen nur vier Scheidungen stattgefunden haben, wovon zwei auf's Land kommen, und daß selbst diese zwei nicht durch Untreue, noch Uneinig-