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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-06-26 · Heft 26 (26.6.1854) · p. Seite 326

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 26 (26.6.1854)
Date
1854-06-26
Page
Seite 326 (sequence 8)
Language
German
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326 Doch ein ander Mal mehr! Hier trittst Du in das Musee de Napoleon. Der ganze große Saal ist voll Reliquien des großen Kaisers. Hier sein Feldbett, daS ihn durch so viele Feldzüge begleitete, wo er das gedankenschwere Haupt so oft niedergelegt, und ihm oft genug wie Blitze welterschütternde und weltumbildende Gedanken durch den Geist fuhren.... sehr einfach, unter einfachsten Zeltvorhängen eine schmale Matratze und ein Keil in einem ganz niedrigen Gestell, Du kannst noch den Eindruck seines Hauptes auf dem Leder-Kiffen sehen. Hier sein ArbeitSseffel und Arbeitstisch, sein Feldseffel. Aber hier auch sein Krönungsornat, von den Unterhöschen bis auf den Mantel, die Krone, daS Zepter, das Schwert Karls des Großen. Hier sein Jagdgeräth, seine (zahllosen) Toilettengegenstände — aber auch hier den letzten grauen Rock, zwei Hüte, die er auf St. Helena getragen-- o, wie ist Alles eitel! ... Aus dem Musee de Napoleon gelangst Du in das Musee des rois. Da zeigen sich Dir Reliquien fast aller Könige, die über Frankreich ihr Zepter schwangen — von Karl des Großen Capitularien bis zum Arbeitstische Ludwig Philippes — welch eine Reihenfolge, was für Gedanken, Anstrengungen, Entwickelungen knüpften sich an diese, meist unscheinbaren Meubles!... Aber in der That, wir brauchen nicht erst in diese Säle einzutreten, die eigens dazu bestimmt sind — ganz Paris predigt Dir denselben Satz. Eine Stadt voll so vieler historischer Erinnerungen, und an was für Begebenheiten.... an die fürchterlichsten Ausbrüche der menschlichen Leidenschaften — bald von oben, bald von unten — an die scheußlichsten Parteikämpfe, denen nicht blos der offene Streit und die heimliche Zntrigue, sondern auch Meuchelmord und im Verborgenen angezettelter Ueberfall Vertrauensvoller zum willkommenen Werkzeug dienten .... stehst Du vor den Tuillerien und schaust vor Dir entzückt die schönste architektonische Aussicht der Welt: durch die Tuilleriengärten, über den place de la Concorde, durch die Champs elysees, nach dem Triumphbogen de l'eloile — dieser „Platz der Eintracht" ist der frühere „Platz der Republik," wo die Köpfe so Vieler unter dem Bannspruch des Revolutionstribunals vom Gerüste der Guillotine rollten.... gehst Du durch die Straßen der Stadt: vor diesem Hause stieß Ravaillac sein Messer in die Brust des besten Königs; dort.... doch wozu so viele schreckliche Bilder Hervorrufen — hacol Kabel! Pariser Skizzen. IV. Magdeburg, 19. Juni. Ich stehe in der Straße Nolre*Dame de Nazareth.’ Es ist die dritte zur Linken von der nie St. Marlin, mtfc läuft weit hin und gerade. Aber eine der feinsten ist sie just nicht. Was thut's? Von Weitem schon sehe ich eine Mauer mit einer eisenbeschlagenen Thüre; über die Mauer ragt eine große dreifarbige Fahne weit in die Straße hinaus. Hinter der Mauer erhebt sich ein ansehnliches Bauwerk, mit ziemlich gleichgültiger Fahnde, an der eine große Uhr angebracht ist. Dies ist der Consistorialtempel von außen, außer welchem nur noch ein portugiesischer Tempel und ungefähr zwanzig Minjanim von Chebroth bestehen. Ist dies nicht außerordentlich .wenig für eine jüdische Bevölkerung von 18,000 Seelen? Was Wunder, daß dieser Tempel an den hohen Feiertagen unangenehm überfüllt ist? Aber ist eS nicht noch mehr zu verwundern, daß er an den Sabbathen nicht einmal voll ist, sondern die vorderen Bänke sogar leer? Und dabei ist er nicht einmal groß, kaum etwas über die Hälfte der neuen Synagoge zu Magdeburg.... Doch wir stehen erst noch vor der Fronte. Was kannbezeichnender sein als diese, wie wir sie oben beschrieben haben! Die dreifarbige Fahne, das nationale Emblem Frankreichs, ragt über den Eingang weit hinaus, als ob sie sagen wollte: wie Du auch hinein gehst, und waS Du auch drinnen sagen und thun, suchen und finden magst, wir sind vor Allem Franzosen. Gut. Und darum lasse ich mir auch darüber die Uhr gefallen, denn das hängt mit der Zeit zusammen und ist ein Erzeugniß derselben. Aber — daS Ganze hinter einer Mauer mit eisenbeschlagener Pforte? Welch ein Widerspruch! verbirgst Du Dich auch hier, Judenthum? ziehst Dich hinter Schloß und Riegel, Grille und Mauer zurück und in Dich hinein, und glaubst Dich da nur frei und sicher? fürchtest noch immer jede Berührung von außen, man möchte über Deine zärtliche Liebe — nicht blos zum Ewigen und Unveränderlichen unter Deinen Schätzen, sondern auch — zu mancherlei Veraltetem und Verschossenem, zu Gewändern des Mittelalters, dessen Schnitt und Gedanke Dir selbst schon unverständlich, ein Räthsel geworden — man möchte darüber höhnen oder gar nach Dir schlagen?... Und nun innen. Es ist ein länglichreS Viereck, sehr schmal, hoch, aber nicht gewölbt, nicht allzu viel Licht, zwei Tribünen über einander in die Wände hinein, die heilige Lade etwas gedrückt, obschon eine schöne Treppe

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