Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1854)
- Date
- 1854-06-26
- Page
- Seite 325 (sequence 7)
- Language
- German
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325 humedaner; ja sogar Lateiner, Griechen, Armenier und Protestanten gegenseitig, werden von dem heiligsten Zeugnisse, der Geschichte als solche unvollendete Abrahame angeklagt." „Möge die liebevolle Stimme jenes Engels dem gesammten Menschengeschlechte vernehmbar werden! auf daß „„man nicht frevle und nicht verderbe an Meinem heiligen Berge. Wahrlich, alle Welt soll erfüllt sein mit der Erkenntniß des Jehova."" (Jesajah, 11, 9.)" Korrespondenz. Pariser Skizzen. III. Magdeburg, 18. Juni. Ich habe mit großem Fleiße, mit vieler Anstrengung und Gewissenhaftigkeit die Herrlichkeiten, die in Paris aufgchäuft sind, kennen zu lernen gesucht, und kann auch wohl sagen, daß ich für die Große menschlicher Schöpfungen ein offenes Auge und Herz habe. Aber darf ich es meinem Freunde, dem Leser, anvertrauen, was doch der Gedanke w.ar, der mir am öftersten hier in Paris, mitten in diesem Gewühle, in dieser Entfaltung und Ueberwältigung der Maffenhaftigkeit, in diesem Glanz und unermeßlichen Streben, in's Herz kam? ... Habel habalim, hacol habel — „Alles ist eitel!" — Halte mich der Leser für keinen Mucker und für keinen Engherzigen und für keinen Melancholischen —.aber oft genug trat mir der Spruch plötzlich, unwillkürlich in den Geist.... Ich brachte natürlich einen Tag in Versailles zu. Wenn man da an die Vorderfronte des Schlosses tritt, und durch die eiserne Grille mit goldenen Spitzen geschritten, so sieht man vor sich die herrliche gegossene Statue Ludwigs XIV. hoch zu Roß als unumschränkter Gebieter und Feldherr in der Mitte von sechszehn Marmorstatuen seiner bedeutendsten Generäle'und der Folgezeit. Es ist ein überwältigender Anblick. Aber dessenungeachtet hindert er den Blick nicht, bis in den Cour de marbre im Hintergründe mit jenem Balcon zu dringen, auf welchem sein Urenkel, Ludwig XVI. mit seiner Gemahlin vor der wüthenden Menge erscheinen mußte und nur durch die Umarmung Lafayette's geschützt wurde — so eitel ist alle irdische Herrlichkeit! Wenn man. die Garten von Versailles verlassen und dem großen Trianon einen Besuch abgestattet hat, so gelangt man nach dem kleinen Trianon, einem einfachen, viereckigen Schlößchen. Hier, aus dessen Hinterpforte fuhren Ludwig XVI. und feine junge Gemahlin in der Fülle der Schönheit und Jugendlust) hier versenkten sie sich in den englischen Park, der zuletzt zu einer Schweizerlandschaft wird; hier in diesem Rondel machten sie Halt; hier wurde geloost, wer an diesem Tage Hirt und Hirtin, Melker und Melkerin, Pächter und Pächterin, Schulze, Dorfherr im Schlößchen, Brückenwärter, Parkhüter und dergleichen sein sollte; hie und da liegen die scheinbaren Hütten zerstreut, inwendig elegante Zimmer und Sälchen bergend; da mußten die Geloosten ihre Rollen getreulich spielen bei namhafter Strafe, die Abends beim Pfänderspiel" und ländlichen Tanze entrichtet werden mußte.... ach, und dies wenige Jahre vor den Gräueln von 1790!... Hier, in diesem Gemache Hehst Du vor dem Lager des mächtigen Ludwigs XIV., der die Spuren seiner Herrschaft auf Paris und Umgebung mit unverlöschlichen Zügen aufgedrückt, dessen schöpferische Hand Du überall gewahrst.... Hier schlief er, der „sich den Staat" nannte; Du bemerkst auf dem Kiffen „Amor auf einem Lager von Blumen in der Mitte von Nymphen eingeschlafen" eingeftickt — oben aber im Baldachin bringt Abraham seinen einzigen Sohn zum Opfer — welche Ironie diese Verbindung auf die verschiedenen Lebensalter des Monarchen, der „fromm ward, als er nicht mehr sündigen konnte!" Dies ist dieselbe vergoldete Balustrade noch, welche das Bett von dem übrigen Theil des . Zimmers trennt, die einmal der erste Präsident , des Parlaments durchschreiten wollte, als der Kammerherr Herzog von Aumont ihm zurief: „Zurück da, wenn's gefällig ist, Leute, wie Ihr, kommen nicht durch die Balustrade!" Hier ist noch sein Betschemel, der Fauteuil, auf den er sich niederließ, hier empfing er jeden Morgen die ersten Huldigungen eines Hofes, unter dessen höchsten Gliedern der sich glücklich schätzte, wem. der König des Abends den kleinen goldenen Leuchter gab, um ihm zum Schlafzimmer vorzuleuchten — — wo ist er, wo sein Hof, wo seine Feldherren, wo seine Heere, wo der Geist seiner Zeit, wo die Gebräuche, die Sitten, die Ansichten, die Charaktere-Alle und Alles dahin gegangen und zu Staube geworden .... Du durchschreitest die Säle des Louvre. Welch ein Kunsttempel und welche Kunstschätze! Was lernst Du da.... Du? Tausende und aber Lausende! Wie bildet sich da der Geschmack, der Maßstab, das Urtheil....