Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-06-19 · Heft 25 (19.6.1854) · p. Seite 313

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 25 (19.6.1854)
Date
1854-06-19
Page
Seite 313 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225877-3225903--13930-3243402
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

BIS gegebene Antwort durchaus nichvW b efriedigend — aber eine so geschehene Frage'braucht allerdings nicht beantwortet zu werden. — Dahin gehört denn auch ein Schreiben, daS uns so eben auS BreSlau unter der Chiffre H. Z. zugekommen ist, und worin zuerst darüber geklagt wird, daß bei der Prüfung der Schüler um die Aufnahme in das Seminar am 6. und' 7. b alledie nicht für Secunda reif, abgewiesen wurden, so daß dieses Loos einen großen Th eil der Gemeldeten 'trafnamentlich die von den Hochschulen VolhynienS und Podoliens; dann, daß die Herren Examinatoren sich haben bei der Prüfung "ps von einem Christen kredenzen und schmecken lassen, Etwaswas die Orthodoren BreSlau'S in große Aufregung gebracht habe. Wir lassen eS auf sich beruhen. Interessant ist» folgender Schlußsatz: „Bedeutende Spannung hat hier (in BreSlau) der Bekanntmachung des Königlichen Polizei-Präsi- -- denten v. Kehler vom 29. Mai ö. erregt, in der angezeigt wird, daß die Einführung einer Synagogenordnung im Sinne des Gesetzes vom 23. Juli 1847 bevorstehe, und es sind bereits die Listen der Wahlberechtigten zur Ansicht ausgelegt; es sollen 15 Repräsentanten gewählt werden. Da mit dieser Wahl sich die Verhältnisse der Breslauer Gemeinde, der Bau einer großen allgemeinen Synagoge, die Er-; richtung einer fpecififch-jüdischen Gemeindeschule und vor allen Dingen das Principat im Rabbinat, entschieden werden, so kann man sich leicht denken, mit welchem Eifer die gegenüber stehenden Parteien ihre Schwerter wetzen." Aus bet-Provinz" tyofen; im Mai. (Privatmitth.) In Nr. 20 dieses Blattes richtet ein Verein von Freunden der Wahrheit und des orthodoren Judenthums vier inhaltsschwere Fragen an die Leiter des in Breslau nächstens 'zu eröffnenden RabbinerstminarS.' Indem aber die Fragestellung, vorzüglich im Interesse des orthodoxen'JudenthumS geschehen solle, so wird die Auffassung dieser Fragepunkte, angeblich im Sinne dieser Richtung, näher bezeichnet,. Abgesehen aber davon, ob überhaupt diese Auf-, fassung *) in der Form, wie sie dort gegeben ist, in *) Es ist die Beantwortung dieser Fragen dort , so plump und in solch vulgärem Tone gegeben, daß wahrlich der denkende Laie auf den Gedanken kommen müßte: es sei im orthodoren Zudenthume gar kein vernünftiges irgend einer literärischen Richtung des orthodoren JudenthumS seit ältesten Zeiten begründet ist, muß Jeder, der mit aufmerksamer Prüfung das betreffende Schriftstück gelesen, die Frage an sich richten: ist diese Auffassung wirklich die eigene Ansicht und Ueberzeugung der. Fragesteller? Männer, welche an eine Stätte, welche dazu berufen wäre, die Wissenschaft des JudenthumS zu vertreten, an eine jüdisch-theologische Facuttät die Forderung stellen, daß sie gar kein Princip haben und sich vielmehr in einer Forschung fortbewegen solle, die in purer Principlosigkeit begründet ist, Männer, die gar keine Gefahr für das Judenthum erblicken, wenn an einer jüdisch - theologischen Fakultät die Noneristenz des JudenthumS gelehrt würde, Männer, die einem solchen Institute eine solche Richtung vorzeichnen: sollten diese, wenn sie wirklich orthodoxe Juden sind, sich über eine Anstalt, die, wie sie selbst sagen, für Glauben und Wissenschaft bestimmt ist, mit solchem Enthusiasmus äußern und von ihr sagen können, daß nicht leicht eine Kunde mehr geeignet war, jedes jüdische Gemüth mit Freude zu erfüllen, als die Nachricht von der Errichtung eines Seminars für Rabbiner und Lehrer zu BreSlau? Müßte nicht die Wissenschaft, im Sinne dieser Herren, allen Glauben zerstören und demnach, wie die naive, aber ehrliche Orthodoxie der jüngst vergangenen Zeit behauptete, aus der Lehranstalt des Glaubens verbannt und fern gehalten werden? Man will doch nicht erwarten, hier die Stimme jener Partei vernommen zu haben, welche die Wissenschaft für den Rabbiner und den Glauben für das Volk haben will, die erst mit dem Amtsantritt die Orthodoxie als Amtspflicht übernimmt und in vielen Stücken, wie es die Beschaffenheit der Gemeinde er-; heischt, für bestimmte Zeiten viel orthodoxer sein will, . System vorhanden und lege dieses seinen Bekennem nur einen blinden, dogmatischen, die Vernunft fesselnden Glaubenszwang auf. Wer die Werke eines Iehuda Halevi, Bechaji ben Joseph, Moses ben Mannon, Moses ben Nachman u. s. w. gelesen, wer überhaupt.den Talmud in seinen.Q^llen studirt hat,! müßwährlich erstaunen über diese neue^Ärt von Orthodoxie; und klingen jene Sätze so, wie etwas > aus dem Zusammenhänge Gerissenes, von' dem man zwar nicht sagen kann,; daß es Unwahres enthalte, aber; indem ihm die Glieder fehlen,. durch welche das Ganze erst Leben undGeist erhält, so können, sie nicht den Organismus bilden, in welchem das Yrthodore Judenthüm; seinen Ausdruck finden soll. ' ' - ' ' i ^- 25

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.