Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1854)
- Date
- 1854-06-12
- Page
- Seite 300 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225902--13916-3243387- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
300 daselbst mit jedem Lage besser gestalten'muß, immer mehr Antheil nehmen können. Sie sollen doch israelitische Türken werden, wie wir Alle deutsche Juden geworden : sind. Freilich dürften sich manche, Schwierigkeiten diesem Unternehmen entgegen setzen — denn wo findet man sobald einen sachkundigen Uebersetzer, der der türkischen Sprache so weit mächtig ist, um das juste milieu des Volkstones zu treffen, ohne entweder zu erhaben und unverständlich, oder zu gemein zu werden?*) Doch der den Juden angeborenen Energie dürfte Alles ermöglicht werden. — Sollte nun Ihr schönes Streben, Herr Redacteur, wie, sehr zu wünschen ist, in den Herzen unserer Glaubensgenossen einen warmen. Wiederhall finden, und sich ein-Coniite zur Leitung dieser Angelegenheit bilden, so könnte es sich zugleich zur Aufgabe machen, die Uebersetzung dieser Schriften im jüdischen.Sinne, und deren Verbreitung unter dem türkischen Juden, eifrigst in's Werk zu setzen, und die segensreichen Folgen dieses Unternehmens, die Umformung und. Umgestaltung der Verhältnisse der Juden in der Türkei werden, dann nicht lange mehr auf sich warten lassen, und gewiß einst zur Freude aller wahren Freunde des Fortschrittes gereichen. —**) Zeitungsnachrichten. Deutschland. * Frankfurt am Main,- im Mai. Wie die Magd. Ztg. schreibt, hat der betreffende Ausschuß beim . Bundestage über die Beschwerde einiger Frankfurter Bürger gegen die vom Senate den Bekennern *) Zwar giebt eS schon solche Bibelübersetzungen, die aber alle in christlichem Sinne verfaßt find, mit Ausnahme der arabischen und persischen, die Juden gemacht haben, und die erste türkische Bibelübersetzung, die wir kennen, ward von dem Baron Johann v. Ungnade (starb 1565) veranstaltet, die er, nachdem er sich von seinem Posten als großer Staatsmann in Wien, am Hofe Kaiser Ferdinands I., wegen seiner Religion hatte zurückziehen müssen, in Urach mit großen Kosten verfertigen ließ. Doch ob es auch eine j ü d i sch - t ü r k i s ch e Bibelübersetzung giebt, iss mir wenigstens nicht bekannt. — **) Die Ansicht des Verfassers dieses Artikels ist der Beachtung gewiß zu empfehlen. Allein erst müssen die türkischen Juden —-Türkisch lernen, da sie bis jetzt nur ihr verdorbenes Spanisch sprechen? Allein jedenfalls ist her Gedanke später gewiß zu verfolgen. Redact. jüdischen Glaubens eingeräumten politischen Rechte sich nicht einigen können, da die von den Vertretern Sachsens und Baierns beantragte Berücksichtigung »der Beschwerde von den übrigen und namentlich von dem Königs, preußischen Gesandten nicht unterstützt ward, wenn von letzterem auch nur deshalb, um in diesem Betreff die Autonomie der Einzelstaaten nicht zu beschränken., Da die Bundesversammlung unter den gegenwärtigen Zeitverhältnissen aber überhaupt wenig Neigung hat, dergleichen Fragen zur Entscheidung zu bringen, sodürfte ein weiteres Vorgehen in dieser Angelegenheit , wie in der ähnlichen Beschwerde seitens eines.Theils der Bremer Bürgerschaft, nicht so'bald zu erwarten sein. Hamburg, 29. Mai. (Privatmitth.) So hat denn derselbe Sir Frederick Thessiger, der Sir Moses Montesiore das famose Gutachten erth eilte, durch welches den jüdischen Einfesttäglern Me Board of British Jews verschlössen wurde, auch glücklich den Baron Lionel Rothschild aus dem Parlament begutachtet! Es war keine Kunst freilich, aus der Solidarität der intoleranten Interessen so etwas heraus zu prognofticiren; und es ist daher nur der Curiosität halber, wenn ich mir erlaube, die Leser dieser Zeitung zu erinnern, daß ich schon im vorigen Jahre diese Zusammenstellung gemacht habe (Sprüchwort: „wie eS sich christelt, so jüdelt es sich"). — Der Jdeengang beider Argumentationen bietet eine merkwürdige, aber freilich auch unvermeidliche Aehnlichkeit dar, nur daß in dem neueren Fall die Begleitung eines geistlichen Sancho fehlt. Wie könnte dem auch anders sein? Ich möchte darauf wetten, daß die ersten Anstifter jenes altgriechischen „heiligen Krieges" ganz eben so raisonnirt haben: von den römischen Christenverfolgern ist es bekannt. Furcht in Bezug auf sich selbst zu zeigen, das ist unmännlich, feig, verächtlich; aber bange zu fein um die Gottheit, das gehört mit zu jener Solidarität. Nun! wir können warten, unser bayom hahn ist uns am Ende gewiß. Aber wie auffallend wiederholt sich überall die Erscheinung, daß diejenigen Jurisconsulten, an die sich die Juden wenden,- die ihren freidenkendern Mitbrüdern etwas anhaben wollen, durchgängig auch dieselben sind/ die sich der bürgerlichen Gleichstellung der Juden opponiren. ' Einen merkwürdigen Fortschritt haben wir jedoch