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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-06-12 · Heft 24 (12.6.1854) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 24 (12.6.1854)
Date
1854-06-12
Page
Seite 299 (sequence 7)
Language
German
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m Durch ihn wird Israel unvergänglich, unverwüstlich, ewig gerettet, nimmer zu Schanden und Schmach! Durch seine Lehre und durch seinen Bruderbund ist Israel Eines, so weit es auch zerstreuet ist, diesseits und jenseits der Oceane,« in alter und neuer Welt, vom Aufgang bis zum Niedergang; in seiner Lehre und seinem Bruderbund hat es die Wurzeln seines Bestandes — in den Herzen und Geistern treiben sie, immer verjüngt, immer kräftig, unter ewigem Frühling! Ei« Wort über die jüdisch-orientalische Frage. Bon E. Karpeles, Rabbiner in Eiwanowitz. Mit freudig bewegtem Herzen habe auch, ich, geehrter Herr Redaeteur, und wie ich glaube, jeder wahre Israelit, Ihr Memorandum, in Betreff der jüdisch-orientalischen Frage, gelesen, und es wäre ein trauriges Zeichen für uns Juden, wenn ein solcher hochherziger, leicht auszuführender Plan keinen Anklang fände. Es muß doch in der That jedem Juden das Herz höher schlagen, wenn er bedenkt, daß wir Männer unter uns haben, die uns aus der trägen, . Jahrhunderte langen Letargie mit mächtigen Worten aufmuntern, den Welthändeln, die wir sonst mit abgestumpfter Passivität, oder höchstens mit merkantilisch berechnenden Augen betrachteten, mehr Aufmerksamkeit zu schenken, und wo möglich einen activen Antheil daran zu nehmen die jüdisch-orientalische Frage, die Sie, geehrter Herr Redaeteur, anregten, liefert den schlagendsten Beweis hierzu — Nein, wir find nimmer eine „lebende Mumie der alten Zeit." So weit wir auch zerstreut sind, von den starrenden Polen bis zu dem sengenden Aequator — im Norden und Süden, im Osten und Westen, wir fühlen, uns alle eine Nation, als ein noch grünender Volksstamm, dessen ängstliche Fürsorge nimmer engherzig auf die bescheidenen Grenzen eines Bezirkes beschränkt ist, — Von diesem Gedanken beim Lesen Ihres Memorandum.beseelt, fühlte ich mich angeregt, auch mein Schärflein dazu beizutragen, und lege Ihnen, geehrter Herr Redaeteur, meinen Plan vor, der Ihrem Scharfsinn gewiß nicht entgangen ist: daß die. Verbreitung einer eorrecten Ueb.ersetzung der heiligen Schrift, der Gebete, der Mischna, und wo möglich.auch einiger Theile des Talmuds und sonstigen Religionsbücher, in der türkischen Regierungs- und Landes sprä che, die aber-anfangs, um Allen zugänglich gemacht zu werden, nur in jüdischer Schrift, gleich der ersten Mendelssohn'fchen Bibelübersetzung, abgefaßt werden müßte, hierin auch sehr gute Dienste leisten könnte, und dies um so mehr, da dies nicht nur ein wirksames Beförderungsmittel der Kultur und Bildung, sondern auch ein mächtiger Hebel zur Weckung und Wiederbelebung eines frommen, religiösen Volkssinnes unter den Juden der Türkei sein würde.— Daß ein klares, einfaches Bibelverständniß sehr viel zur Aufklärung des Volksgeistes beiträgt, dafür spricht die Geschichte durch unwiderlegbare Beweise und Thatsachen. Hat doch Luther, trotz allem Widerstande, meistens nur dadurch sein Reformationswerk durchgeführt, und Mendelssohn dadurch nur die Germanisirung der deutschen Juden bewirkt, und in neueren Zeiten haben dies die Bibelgesellschaften zur Verfolgung ihres Zweckes vielfach in Anwendung gebracht. — - Es ist auch gar nicht denkbar, daß die Chachambaschi'S die frommen Leser der Bibel und deS Talmuds in türkischer Sprache mit Bastonaden tractiren würden, und gesetzt auch, daß sie das Ihrige thun werden, um die Benutzung und Verbreitung solcher Werke in Schule und Haus zu verhindern, so könnte man einen solchen Widerstand, im Einverständniß mit der sehr humanen, dem Fortschritt zugethanen türkischen Regierung, die ein solches Mittel der Aufklärung und der Belebung, des religiösen. Gefühls, nur befördern würde, im Vorhinein unmöglich machen; und es würde auch ihr diesseitiges. Bemühen schon darum fruchtlos sein, und andem gesunden Volkssinne unserer orientalischen Brüder scheitern, weil diese einmal von der 'Vortrefflichkeit solcher Werke überzeugt, sich dann fest daran klammern, und dieselben sich nicht so leicht wieder aus den Händen nehmen lassen, wie dies schon oft der Fall gewesen. — Es wqre also hierin derselbe Weg einzuschlagen, den wir deutschen Juden, durch Anleitung Mendelssohns , so glücklich, gewandelt sind, den wir bereits mit bestem Erfolge zurückgelegt haben, und der auch unsere. GlaubenSbrüder im Oriente sicher zum erwünschten Ziele ihrer geistigen Wiehergeburt führen wird. Denn dies , sind doch die einzigen Bücher, die von ihnen gelesen werden/ die auf sie mit unwiderstehlicher Kraft einwirken, und der einzige Grund und Boden, auf dem ihr Baum der Erkenntniß aufblühen könnte, und vor aller sonstigen europäischen Bildung ist das Verständnis der Landessprache, dies einzige einigende Band aller Vaterlands söhne, ihnen höchst nothwendig, danüt sie aus ihrer Jsolirung herauStreten, und an dem allgemeinen Volksleben, das sich auch

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