Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1854)
- Date
- 1854-06-12
- Page
- Seite 298 (sequence 6)
- Language
- German
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LS8 gegliederte ist, daß ihr alle Verschiedenheit der Geistet und der Zeiten im Wesentlichen nichts anzuthun vermochten; daß, so wie ein Theil dieser Lehre angetastet ward, ein so ganz Verschiedenes hervorging, wie sich in den Religionen zeigt, die, aus dem Judenthume gekommen, darüber hinaus schritten. Ist sie aber diesesnun, so ist es auch erklärlich, wodurch sie ihre Bekenner so an sich zu fesseln vermag, wie die Lehre Israels es vermocht hat in npch nie erhörter Weise. Dadurch, daß sie so ganz Eines, untheilbar, in Allem wesentlich ein Ganzes ist, kann sich der nicht los reißen von ihr, welcher sie wahrhaft kennen gelernt und ihr einmal angehört hat mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Darum gesteht der Erleuchtetste und der Unwissendste unter ihren Bekennern gleicherweise-: „Dies ist Wahrheit und Erkenntniß." Darum gesteht sich der Abirrendste in seinem Innersten dennoch: „wenn irgendwo die Wahrheit, so ist es hier — wenn irgendwo Glaube, Vernunft und Geschichte übereinstimmen, so ist eS hier — wenn irgendwo Gott, Welt und Mensch in ihrer Harmonie, in ihrem Einklang erscheinen, so ist es, hier — — " Und darum trägt die Religion Israels die Bürgschaft der Ewigkeit in sich. Und darum ist Israel unvergänglich, unverwüstlich, weil nicht ein vorübergehendes Volksleben, eine gewordene und wieder zerfallende Herrschaft, ein einzelnes Talent, ein einzelner Beruf sein Inhalt ist, sondern die einheitliche und ganze Lehre des Einzig-Einigen. Darüber hat Ver Mensch keine Willkür, er ist ihr unterthan, hingegeben, sobald er ihrer geworden. Ja, der Sinai ist noch heute auf die Herzen Israels gegründet, von den Geistern Juda's getragen, und beide, der Sinai und Juda, verbürgen sich so gegenseitig die Ewigkeit, daß sie „nicht zu Schanden werden jemals, sondern gerettet immerdar!" — ' Aber nicht allein die Idee, auch in der unmittelbaren Wirklichkeit ist Etwas, das Israel unvergänglich, unverwüstlich macht — das ist der Bruderbund, der tief in den Herzen seiner Söhne bestand, besteht und 'bestehen wird, so. lang' es deren giebt. Ja, meine Freunde, die ganze Menschheit ist ein Bund .von gleichartigen, gleichgeschaffenen und gleichbestimmten Wesen, von Söhnen Eines Gottes. Aber eriftiren darum keine Volker, die durch Abstammung und Sprache, Charakter und Sitte von einander abweichen? Giebt eS keine Städte und Weiler, deren Bürger zu einem besondern Bunde geeinigt sind? Giebt es keine Familie, deren Glieder von Gott selbst in Leid und Freud' zu gegenseitiger Stütze und Erhebung, zu Lieb' und Frieden verbunden sind? Und warum soll nun die gleiche Abstammung, das gleiche Schicksal und die gleiche Religion keinen besondern Bund aus und in Israel bewirken? Er braucht ja eben so wenig wider die Menschheit und den Staat zu streiten, als Gemeinde und Familie! Er kann bestehen in aller Innigkeit und Wirksamkeit, ohne daß die Gesellschaft und der Staat davon leiden, sondern im Gegentheil, ohne daß ihnen dadurch Kräfte entzogen werden, sondern im Gegentheil. Fürwahr, meine Freunde, der Bruderbund Israels hat seine volle Berechtigung. Aber eben so hat er seine volle Aufgabe in seinen besonderen Zwecken. Wö irgend Welche von unserem Stamme unter dem Drucke ausschließender Gesetze um der Religion willen leiden, sind wir da nicht verpflichtet, innigen, thatkräftigen Antheil zu nehmen— so wir da streiten, streiten wir sogar auch für uns selbst! Wo irgend Welche unseres Glaubens in diesem Glauben angefochten werden, wo man ihren Glauben meistern, dessen Entwickelung behindern, dessen Selbstständigkeit erdrücken will, sind wir da nicht gedrungen, gemeinschaftlich einzutreten — so wir da kämpfen, kämpfen wir nicht minder für uns selbst. Wo endlich irgend Welche unseres Bekenntnisses durch ungünstige Verhältnisse, in Elend, Unwissenheit, Unbildung versunken und verkommen find, wie sollten wir da nicht gell öthigt sein, auch diesen Theil Israels zu retten, daß er nimmer zu Schanden und Schmach werde? Ja, fürwahr, das sind die Zwecke, die Aufgaben des israelitischen Bruderbundes : bürgerliche Gleichberechtigung aller Juden, Selbstständigkeit unseres Glaubens, Bildung und Erkräftigung aller Glieder unseres Stammes — sind dies nicht auch Zwecke und Aufgaben der ganzen Menschheit? Und so wir sie lösen, streben und schaffen wir hiermit Nicht zugleich für Stadt und Staat und Menschheit? Und, fürwahr! dieser israelitische Bruderbund hat bestanden, und durch ihn allein wurden die unermeßlichen Leiden unserer Väter gelindert, und so Israel durch ihN erhalten. Er besteht — und wohin ich gekommen,,ich könnt' ihn erkennen, diesen Bruderbund Israels, bestehend in Allem und im Einzelnen, wirkend im Großen Und Kleinen; und welche Forderungen mit Recht an ihn gestellt werden, sie werden erfüllt; Und zuletzt kann Niemand sich ihm entziehen, der in ihn eingeboren, und so wird Israel durch ihn erhalten. Und darum wird er besteheir in aller Zeit, und weder die Stürme des Geschicks vermögen ihn zu zertrümmern, noch die Proceffe der Civilisation ihn zu zersetzen und aufzulösen. Er ist gegründet auf die Herzen Israels, getragen durch die Geister Israels.