Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1854)
- Date
- 1854-06-12
- Page
- Seite 297 (sequence 5)
- Language
- German
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297 Stellung wirken für den Bestand der Synagoge, zahllose Lehr- und Wohlthätigkeitsinstitute entkeimen ihr, und blühen,, und sprießen und reifen Früchte. Nein! nicht blos der Knechtschaft, auch der bürgerlichen Freiheit Religion, ist die unsere, und das Häuflein Israels bestehet beider Orten. Man sagte einst: der Bund Israels bestehet nur in der Entbehrung, unter dem Joche der Armuth und der Noth; lasset die- Söhne Juda's Theil nehmen an der Strömung des Lebens, versetzet sie aus den Hütten des ' Elends unter die Herrlichkeiten der Menschenwerke, mit gleichem Anspruch, mit gleichem Antheil an diesen, und sie werden ihres Ursprungs und ihres Zieles vergessen und sich beiden entziehen. Nun, ich war jüngst mitten unter diesen höchsten Herrlichkeiten; an Stätten, wo, was nur des Menschen Geist erfinnen, be@ Menschen Hand erschaffen, des Menschen Kraft aufstellen kann, zusammengehäuft ist in Mengen und Massen, wie man sie nie. geahnt — aber auch da fand ich Israel nicht verirrt, und Juda nicht entlaufen, nicht feines Ursprungs, nicht seines Zieles vergessen; ein frisches Leben quoll hervor, mit neuer Kraft gürtete man sich, mitten unter den Herrlichkeiten der Erde nimmer des Gottes, sich zu entschlagen, der noch immer seine Verkündigung uns auferlegt hat, se i - nen Dienst von uns — auch durch den Mund der Geschichte — verlangt. Nein! nicht blos der Armuth, auch der Menschenherrlichkeit Religion ist die unsere, hier wie dort unentbehrlich und unentbehrt.. Und hat man nicht, oft genug gesprochen, ja selbst in unserer eigenen Mitte: das Judenthum ist eine Religion der Unwissenden, der Ungebildeten, mit Wissenschaft und Kunst unvereinbar; lasset die Juden heraus treten aus dem Ghetto , aus ihrer Jsolirung, aus ihrem Versteck, lasset Wissen, Kurist, Bildung,. Verfeinerung in sie kommen- und sie werden von selbst dem Glauben der Väter sich abwenden. Thöricht, als ob wahre Bildung nicht dem Herzen seinen. Gott um so theurer machte, wahres Wissen dem Verstände seine Schwächeuns Stütze zu sein in den Kämpfen des Lebens, erst recht erkenntlich machte — nun, ich bin in diesen. Tagen an den Plätzen gewesen, wo Verfeinerung, Bildung, Kunst bis an die äußersten Grenzen gelangt sind, wo die Abglättung des Menschen am weitesten gediehen, und ich habe den Fels Israels wahrlich! nicht wankender gefunden daselbst, als in Ländern der Verdumpfung und Verdummung; ich habe rüstige Geister ihn befestigen und ummauern gesehen, ich habe ein Drangen und. Weber in ihm bemerkt, dqs?ein neues Leben verkündet —. die Religion Israels ist auch/eine Religion des Wissens und der Gesittungwie unsere Geschichte zehnmal erwiesen hat!! So aber also alle diese Verkündigungen unserer Feinde eitel sind, und sich gerade da am nichtigsten erweisen, wo sie am sichersten ausgesprochen worden: fragen wir, wo- . durch ist denn dieses Israel unvergänglich, und wodurch wird es unverwüstlich, daß es nimmer zu Schanden und ' Schmach wird in Ewigkeit, sondern gerettet immerdar?... Die Antwort auf diese Frage ist eine zwiefache. Israel ist unvergänglich, unverwüstlich, zuerst durch das, um was es geworden und da ist — durch seine Lehre! Es ist wahr, bei einem Gange von viertehalb Jahrtausenden durch die Menschengeschichte und über die ganze Erde mußte wohl die Lehre Israels in mannichfaltigen, nicht stets sich gleich bleibenden Formen erscheinen, mußte sie den verschiedensten Kämpfen von innen und außen auSgesetzt sein, aber in der Zeit Moscheh's, wie der götzendienerischen Könige, in der Zeit Esra's, wie des dunkelsten-Mittelalters, in den Ländern des -babylonischen, wie des altrömischen Heidenthums, in den Ländern der Kirche, wie der Moschee, immer und überall tönte doch dieselbe Lehre aus dem Munde Israels; so viel man sie zu zwingen oder abzuglätten suchte, so viel man ihre Verschiedenheit oder ihre Einerleiheit nachzuweisen versuchte, so viel man sie mit Feindschaft oder mit heuchlerischer Gleißnerei aufsüchte — sie gab nicht nach, sie gab sich nicht anders, sie gab sich immer dieselbige. Und auch in.: unseren Tagen tritt sie in sehr mannichfaltiger Weise in die Erscheinung, auch in unseren Tagen hat sie Kämpfe von innen und außen zu bestehen, Gehässigkeit, Abfall, Entfremdung, Abglätlung, Alles hat sie zu bestehen, und besteht sie und bestehet, denn immer noch ist sie die Lehre, die am Sinai verkündet ward, keine andere, und diese immer noch ganz. Aber was beweiset-dies? Ist die Lehre Israels diese selbige geblieben durch den Willen, durch die Uebereinkunst, gewissermaßen durch einen Pakt ihrer Bekenner? Gewiß nicht. Denn wo wat' wohlein Volk,- «in '-welch'ern Uneinigkeit in änderen Beziehungen mehr und' öfter zu Hause war, als Israel? Gab es niemals ehrgeizige/ herrschsüchtige, streitliebende Menschen unter uns?; Und überhaupt, was vermag aller Pakt, alles Uebereinkotnrnen auf j dem Gebiete der Geister? sobald es da gährt und' treibt, fahren sie aus einander — — also diese geschichtliche Einheitlichkeit unserer Lehre, sie beweist,' daß diese Lehre s9 in sich einheitlich, iin Ganzes, ein untheilbäres Gän-, zes, eine in ihren Grundsätzen und Folgerungen so feft