Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1854)
- Date
- 1854-06-05
- Page
- Seite 290 (sequence 10)
- Language
- German
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290 Gewiß nichtman nehme, sie als -Auffassungen eines Juden, Per auS der jüdischen Weltanschauung.Hexans diese Welt beschaut. ,, /-;^ . —.-l : Und eine Welt ist dies Paris. Sicher hat-London noch -kolossalere Verhältnisse „ birgt manches Grandiosere —7aber das eigentliche Leben ist dort gewiß nicht so bewegt, nicht so allgemein,, nicht - eine so Men Strömung. Mit Einem Worte: London ist, größer, Paris lebt mehr. , Es kommen Einem, ig Paris stets die eigenthümlichsten Gegensätze vor. Es ist die Stadt der Paradorien. Wer weiß nicht, daß die Pariser Alles auf den Schein geben? daß es ihnen gar nicht darum zu thun ist , was darin steckt, wenn es nur von außen, so wie es sich Dir präftntirt, so wie es Dich, berührt, seine angenehme Seite heraus wendets -77-; und gerade/diesbewirkte, daß der, Pariser von/ Vielem -den Schein fallen. läßt, - wo die übrigen Nationen- und vor Wem die Engländer, ängstlich den Schein, aufrecht erhalten, und wenn es innen noch so. faul aussieht. Mögen die; Moralisten streiten, /wasbesser/ ist, . aber es ist so. Die-Sitten sind in Paris sehr verderbt. Das Familienverhältniß wird durch Tausende von Kopien entstellt, durch Tausende von Carncaturen verzerrt, In anderen großen Städten geschieht das Laster. in gleichem Maße, aber man deckt es mit heuchlerischen Masken zu — hier läßt man es ungestört mit dem Grundsätze, Keiner habe sich um den Andern zu kümmern. In Paris ist Jedermann sein, höflich; rede,; wen Du willst, an, und bitte ihn um einen Nachweis, er .wird Dir micht allein ausführlich Rede stehen, nein! mitten im Regen läuft er lange Strecken mit Dir, um Dich zurecht zu führen. Aber Freundschaft, Innigkeit, Gastfreiheit und dergleichen darfst Du^.nicht verlangen. An -anderen Plätzen spricht man. von Letzterenmehr, ob aber darum mehr daran ist? Jndeß will ich nicht verhehlen, daß man trotz dieser Politesse sich, bald wieder einmal nach einem Gericht deutscher Bonhomie sehnt. Das „Gevatter" ist uns Deutschen so in's Blut übergegangen, daß, so gut wir auch.wissen, wie wenig, daran ist,, wir. es doch .nicht entbehren können. Eine andere Seite, ist, daßvon dem Grundsatz der Ständegleichheit sehr viel in's Leben-übergegangen ist. -.Derhöchstgestellteste Mann muß Höflich, zuvorkommend, zugänglich sein, sonst wird ihn dir Wucht der Lächerlichkeit bald erdrücken. Und der/geringste Blousenmann stellt sich — immer ohne zudringlich zu sein — dreist neben den Fürsten. Hin, redet ihn, wenn es sich macht, an, und, was viel, mehr, dieser findet es. natürlich und behandelt ihn: als Schiesgleichen/! Ich: habe! -hieraus sehr -viel geachtet, .und .es -bewährt 'gefunden.) Tritt bet BkoUsenmantt m einen .LadeM in ein CaD oder dergleichM, M unrd mit derselben anmuthigen Feinheit-,?. Dringkichkeih, Politesse behandelt-; wie der-besternte Mann, wo hingegen sich auch. der. Blousenmann /mit/ der-Sicherheit - und Bildung benimmt, -wie wieuman im Deutschen' sehr-bezeichnend für den . Deutschen sagt — wie /ein Fürst) Man glaube t ja nicht, - daß dies^Me /man/tn DeutMaüd: sich bisweilen einbildet, aus Furcht vor der Blouse geschieht, denk ded französische Blousenmann' wird; wenn Du ihn nicht-recht behandelst.,. Dir: höchstens mit einem)-beißenden -Witz antworten, und an den Troüblen der Revolutionen haben mindestens die Leute, im Frack eben so vielen thätigen Antheil genommen, wie die, in der Blouse-, und! letztere läßt sich so; leicht, über'- wie abwerfen ^- sondern es-geschieht, weil die. Blouse hier kein Zeichen der Armuth und des HeruntergekommenseiNsuist, und sich in ihr eben so viel an Gutem und Schlechtem; Feinem und Grobem Bildung und; Rohheit zusammen findet; wie im Frack- und weil es überhaupt nun so; in- Paris geschieht) Daher kommt es, daß die/ Männerwelt in' Paris mir sehr gut gefällt-aber gerade umgekehrt das weibliche Geschlecht. Ich spreche hier natürlich nicht -vom Leben in der Familie. Ich habe dies.zu wenig kennen gelernt; und bin überhaupt nur in -eigentlich 1 d e uts che - Familien gekommen. . Sondern ich meine: nur die Verhältnisse im Ganzenso .wie es. sich; auf der; Straße zeigtundder Franzose . zeigt sich. viel auf der Straße.- Aber - ich - habe die. deutsche weibliche Welt hier ordentlich verehren - gelernt. Da ich hiermit; zu dem zurückkehte, wovon ich Ausgegangen, so wird mir der Leser etwas Abschweifung gestatten.: . T./ ... Es ist eine tief gehende Beobachtung, daß ^ie höchste Civilisation in vielen; Punkten dieselben-Resultate wieder hervor bringt, welche der rohe Naturdespotismus. - Und dies findet .namentlich /hinsichtlich der Stellung des --weiblichen Geschlechts statt; Der rohe Naturdespotismüskennt nur die s Verehrung der: — Macht. ' So viel- Einer v erm a g, d a s; wird - irr ihm geächtet/ Sittlichen Werth; innerliches. Verdienst erkennt er nichts Nur überträgt die^ ser/,Despotismus alle Fülle der Nacht auf Einen, auf dey Herrscher im Staate, dem-gegenüber Alles im Staate nur: Sklave istauf den Hausherrn, dem gegenüber Alles' im Hause Sclave ist.: Die Civilisation hingegenin ihrer höchsten Entfaltung kommt zwar 'zu demselben Resultats - nur das zu achten-,; was Einervermalg/ aber wie sie