Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1854)
- Date
- 1854-06-05
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
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Liede, woran sich auch die Alten betheiligten — so- | gar ein von altem Schlage, so wie auch vor und nach der Predigt wurde unter Orgelbegleitung gesun-; gen. Das nimmt sich bei der Ruhe, die während des ganzen Gottesdienstes herrscht, sehr feierlich aus. Die i Thora wird ohne Trop nach dem dreijährigen Cyelus; gelesen. Dem zur Thora Gerufenen.wird ein Me- - scheberach gemacht. Der Master hat Gelila, der Vor-! sicher, als ^, Hagbaha. Herr Cramer, der auch I Lehrer und Cantor ist, .hielt eine ganz gute Predigt. \ Außer den Festtagen predigt er alle vier Wochen. \ Kurz und gut: in Allem, was den Gottesdienst betrifft, herrscht die schönste Ordnung., die musterhaf-; teste Ruhe. Da hört man kein Geflüster, wie das - noch in so vielen Synagogen gäng und gebe ist; auch wendet nicht Alles den Blick dem Eingänge zu, wenn - -die Thüre geöffnet wird, um den Neueintretenden zu - mustern —nein, nein, von alle-dem, Gott Lob! keine! Spur. — Wenn ich vorhin den gütigen Leser einlud, : mich in das Gotteshaus zu begleiten, um von da aus - auf das Ganze >zu schließen, so entspricht die Folgerung - -dem hier Wahrgenommenen ganz vollkommen. Meine Behauptung: am Gottesdienst erkennt man den Bildungsgrad der Gemeinde, bewahrheitet sich hier im vollsten Maße. Eintracht und Liebe sind dort die .schönen Bindemittel, der feste Kitt, der Alles zusammen hält. Der Vorstand leitet Alles in und außerchalb des Gotteshauses mit Einsicht und Umsicht. ES ist aber auch die Leitung keine so schwere, wie ander- - WärtS noch häufig,-weil Alle nna leben. Wie aber kommt'S, daß gerade diese Gemeinde, mehr als die übrigen in - dortiger Gegend, dem Fortschritt hul-: digt? Wer brachte sie auf diese .Stufe? — Antwort: gute Lehrer. Schon seit mehr - denn dreißig Jahreni hatte Neuenkirchen stets tüchtige »Lehrer , unter ande-- mi Herrn Walbaum, bereits seit-zehn Jahren Lehrer am'Verein zu. Münster. Er war daselbst nächst siej ben Jahre Lehrer; Riethberg, das zu diesem' Verbände' gehört, ist sein; Geburtsort. Ferner Schneidacher, .jetzt in Amerika, Lipmanson rc. rc., alle tüchtige Lehrer. - Dort ist noch niemals eineMiLehrer gekündigtwordmlj \D, lange Zeit! O, große'Seltenheit! Dreißig Jahre — und keine Kündigung von Seitender Gemeinde. . .. o, Sprache, wenn du kannstich bitte, -verleihe;mit ein'Wort, dieses rSeltene -zu-!bezeichnen! Ich finde keins. Jch nehme ulso den Faden,- der Wir durchs den 'Gedanken „an dieses Seltene" rentschlüpste, wieder -auf.' Sie-Alle (die Lehrer) suchten den Boden -urbar zu machen; es ist ihnen herrlich gelungen. -Es ist hier keine Ueberstürzung wahrzunehmen, nein — der Eine führte Ehorgesang -ein) der Andere wies dem Redner eine-Stätte an, die Kanzel, um daö Wort Gottes von da aus zu verkünden u. s. w. Herr Cramer -endlich-brachte die Gemeinde'so Weit., daß .sie einwittigteeine Orgel bauen zu lassen, eine. Orgel, die, beiläufig-gesagt, mehrbenn zweihundert Thaler gekostet. Hier bann aber auch der Lehrer wirken. Er steht hier in 'keinem subordinirten 'Verhältnisse, ganz und gar nicht. Seine Stelle möchte -ich eher eine coordinirte nennen. Vorstand, Gemeindeglieder und Lehrer bieten sich zum wechselseitigen Wirken, »zum Heile des Ganzen, die - Hand. Wo -solche -Eintracht vorhanden ist, da bann auchdas-Gedeihen nicht - ausbleiben, da ist -überall Segen zu gewahren. Und welch ein. lief-religiösev Sinn ist dort zu'finden, trotz allem Vorurtheil gegen Orgel und Chorgesang u. f. w! Sabbath und der erste Tag Jom tob werden; dort ganz gewissenhaft gefeiert. 'Keinen Laden sieht man an diesem Tage geöffnet; eS wird kein Geschäft abgeschlossen. Das will heutzutage schon viel sagen, selbst von solchen, die sich als orthodor geriren, die um keinen Preis Jekum purkan oder Bame madlikin abschaffen möchten. — Ueber die dortige Schule bedarf eS wohl keiner Worte; sie wird, so viel kenne ich Herrn Cramer, dem Uebrigen wohl entsprechen. Als ichhinkam, hatten die Ferien just begonnen. Das SchnlhauS, - welchesauch Eigenthum der Gemeindeist, liegt in der Nahe der' Synagoge. ' Es ist darin auch des Lehrers Wohnung, auch -werden die Gemeindesitzungen darin abgehalten. -Mirgebricht - es an Raum, das Alles ausführlicher beschreiben zu können. - Haben-'sie;doch außer den Civilregistern Geburts-/ Sterbe-, Heirathsregkster u.si. w. Alles, was vor Jahren beschlossen wurde,-ist in dem'Gemeindebüchern chübsch eingetragen.' ^CÜfee biefeö ^ift <Sac%e des: Lehrers. Schließlich bann ich esnicht unerwähnt lassen, daß die Gemeinde - auch einen sehr-schönen!und großen Gottesacker ' hat. Die MaWoth vhnDAusnahme sind keine kostbaren Denkmale; -eö -sind 'ganz ' einfache Leichensieine. Die Inschrift ist-auf der Vorderseite hebräisch, auf ber Rückseite - deutsch. Es -hat bieseS Alles einen bleibenden Eindruck auf-wich ge- - macht; dieses Einfach - Schöne ohne allen Prunk, diese Ordnung'ohne Geltendmachung. 'Möge sie noch lange,