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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-06-05 · Heft 23 (5.6.1854) · p. Seite 285

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 23 (5.6.1854)
Date
1854-06-05
Page
Seite 285 (sequence 5)
Language
German
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' 285 neuorthodoren Lazaroni verkehren, stellten sie mich mit der schamlosesten Bestimmtheit als den Verfasser hin. Ich habe , der Sippschaft ihr Recht widerfahren lassen in einem Aufsätzchen in der zweiten Beilage der Vossischen Zeitung von Sonnabend, unterzeichnet: JF. Lt. Vom Ikheitt, 1. Mai. (Privatmitth.) Ihr'geschätztes Blatt, welches sich auch die schöne Aufgabe gestellt, das, was dem Judenthume wahrhaft frommt, weiter zur Nachahmung zu verbreiten, wird diesem kleinen, aber wahrheitsgetreuen Bericht gewiß bereitwillig seine Spalten öffnen, um so mehr, da dieses Nachahmungswerthe, das so viele Opfer erheischte, so manche Mühe und Beschwerde verursachte, von einer kleinen Gemeinde auSgeht. — Ich brachte die Peffachkage bei meinem Freunde C r a m er in Neuenkirchen zu. Fern von der lieben Heimath, von allen mir Theurenwollte ich da zur Erholung und Erstarkung meiner angegriffenen Gesundheit weilen, um einige Zeit auszuruhen von der anstrengenden Arbeit im Weinberge des Herrn. So pflegen ja auch Viele die Schule zu nennen, und das mit Recht. Doch von mir wollte ich nicht schreiben. Also zur Sache. Neuenkirchen, ein kleiner, unbedeutender Ort, liegt in der Grafschaft Riethberg, im Regierungsbezirk Minden. Schon seit einer Reihe von Jahren bilden Neuenkirchen, Riethberg, Velbert und Kaunitz einen Synagogenverband, im Ganzen von höchstens 20 — 25 Familien. : Der geneigte Leser folge mir gütigst in das von außen einfach aussehende, nach früherem Synagogenstyle erbaute Gotteshaus. Es liegt einwärts von, der Straße und hat die Form eines Parallelogramms. . Beim Hineintreten aber gewahrt man bald mit freudiger Ueberraschung, daß auch hier der fortschreitende Zeitgeist gewirkt hat. Leicht läßt sich von hier aus: auf die Gesammtgemeinde schließen. Denn hier treffen wir;t-i es ist der erste Tag Peffach — die mehrsten Mitglieder dieses Verbandes schon in Andacht versammelt. Zeigt ja der Gottesdienst, ganz besonders bei uns Juden, weß Geistes Kinder die Gemeindeglzeder sind. Mir ist er bis jetzt noch immernder sicherste Maßstab gewesen, den Bildungsgrad der Gemeinden zu bemessen. Von einzelnen Ausnahmen kann dabei keine Rede sein. Beim Eintritt in die Synagoge fiel mein erster Blick auf die heilige Lade; ein schöner Sammetvorhang mit Silberborden hing: davor. Pie Lade ist ganzgeschmackvoll gear-' beitet. Es stehen, Wie man mir sagte, 14 Sefarim darin. Vor der Lade ist die Estrade mit dem Betpulte für den Vorbeter, und an der rechten Seite der Lade ist eine schön gearbeitete Kanzel angebracht. Das Haus war von Andächtigen ganz besetzt; zur rechten Seite saßen Frauen und Mädchen, zur linken Männer und Jünglinge. Sie beteten Vers um VerS bis "tm mS Da trat eine feierliche Stille ein; Alle beteten ganz leise. Nur des Vorsängers Stimme war vernehmlich. Laut betete er weiter bis Schochen ad. Als dieser geendet, erhob sich Alles, Jung und Alt, wie mit einem Zauberschlage, ohne aber das mindeste Geräusch zu verursachen. Nach wenigen Augenblicken erklangen, ganz leise anhebend, zur Andacht die zarten Saiten des menschlichen Herzens stimmend, die allmälig stärker anschwellenden Töne der im vorigen Jahre neu erbauten Orgel. Ich fühlte im selben Augenblicke ein leises Beben in allen meinen Gliedern, bedenkend, was wohl eine Gemeinde kann, wo Eintracht und Friede ist. Friede.... eS klingt dieses Wort in unfern Zeiten allerdings etwas chimärisch — und doch, hier im kleinen Kreise, hier muß Eintracht und Friede herrschen — wie könnte eS sonst so sein!... Die Orgel hat sechs Register mit einem Pedal und ist auf der früheren Frauenhalle ausgestellt. Zu beiden Seiten derselben steht das Chor, das Alles mit Präcision sang. Die Melodien sind theilS dem Bra^unschweiger, theilS dem Münchener Gesangbuche entnommen. Die Orgel spielt ein israelitisches Mädchen aus Neuenkirchen. Längst spielte sie sie nicht mehr, wenn die „zarten^ Flüche sie betroffen, . die so mancher Hyperorthodorer gegen sie auS- : gestoßen. Doch spiele nur, spiele sie fleißig und laß Dich von Niemandem beirren! Ja, spiele nur; Segen wird Dir statt Fluch! Dieser kann Dich nicht erreichen, Dir niemals schaden. Piutim wurden keine gesagt. Nach der stillen Schemona esra fing der Eantor die Keduscha an, die, wie auch das' vorhergehende Schema Jisrael unter Orgelbegleitung gesungen wurde. Gleich darauf wurde Kaddesch gesagt und. dann ausgehoben. . Der Cantor und der Vorsteher traten nun vor die heilige Lade^ Jener hob zweüSefarim aus, gab diesem eins, und dann stelltensich Beide der Gemeinde. zugewendet. Der Cantor verlas nun laut die Zehn-Worte, in deutscher Uebersetzung. Beim Aus- und Einheben, in Hallet bei Hodu und Ana Adonai, ferner bei -einem auf das Fest bezüglichen deutschen

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