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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-06-05 · Heft 23 (5.6.1854) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 23 (5.6.1854)
Date
1854-06-05
Page
Seite 283 (sequence 3)
Language
German
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Ignoranz und JesuitiSmuS strotzende sogenannte „Anfrage" zu erwiedern. „Gott wird für euch streiten, ihr aber möget schweigen" (Exod. 14,, 14.); dieS ist -feine Devise! — Wem eS aber vor Allem um „Heiligung des göttlichen NamenS" zu thun ist, der kann von unbefangenem Standpunkte,aus sich nicht enthalten, über jenes anonyme Erzeugniß undden Eindruck, den eS auf redliche und fromme Männer machte, in einigen Worten sich auszusprechen. — Sind die Individuen, die jenen angeblichen „Verein von Freunden der Wahrheit und -des orthodoren Judenthums" bilden, wirklich gotteSfürchtig und ist es ihnen in der.That darum zu thun, daß das Interesse des „orthodoren Judenthums," wie sie eS nennen, im" künftigen Seminar gehörig aufrecht erhalten werde, warum wählten sie den Weg anonymer Veröffentlichung, um über das, was — wie sie sagen — ihnen so sehr am Herzen liegt, sich Gewißheit zu ver-; schaffen? War nicht der nächste und sicherste Weg der, in einem Privatschreiben an den künftigen Direktor des Seminars selbst sich zu wenden und dessen- Meinungsäußerung zur Beschwichtigung ihrer reli-: giösen Scrupel offen zu erbitten? Erst dann, wenn hierauf keine Antwort erfolgt oder solche von den Fragestellern nicht genügend befunden worden wäre, hätten sie zur Oeffentlichkeit, aber mit offenem Visir „Mann gegen Mann" ihre Zuflucht nehmen dürfen! — Sind die Verfasser und Verbreiter jenes Aufsatzes wirklich gotteSfürchtig, sind sie gläubige Anhänger deS Judenthums, wie sie dies so dünkelvoll stets im Munde führen, wie konnten sie nur im Entferntesten die Möglichkeit vorausetzen und noch j dazu öffentlich aussprechen, „daß die Wissenschaft i einst, wenn auch in fünfzig Jahren, berufen sein könnte, die Noneristenz des Judenthums zu lehren und als hochkritischer Sacristan nur die Leichenfteine; zu registriren? " Kann und darf ein frommer Jftae-; lit eine solche Blasphemie über.den Mund bringen?^ Gilt ihm die Verheißung nichts:.„daß die göttliches Lehre:bis zu den spätesten Nachkommen nimmer ver-: geffen werden würde!?" — Also dies sind eure ge-; y heimsten Gedanken, ihr Heiligen! .So - verzagt , so, \ kleingläubig sind eure Ausstchteninidie. Zukunft«' des \ V Judenthums! — So ertappt man euch, ihr frommen? y Ritter deS „Gegebenen!!"- \ Sind, endlich die Verfasser und Verbreiter jenes? ^Aufsatzes wirkliche Lomde Thora (Gesetzkundige), l die in dessen Religionsschriften tief eingedrungen sind, gehören sie nicht vielmehr zu den nswiöibfi, wie der große und gelehrt-fromme Maimonides eine gewisse Gattung schwachköpfiger und idiotischer Scheinorthodoren bezeichnet, die wir heutzutage „Sidur- Lomdim" nennen, konnten sie da einem Manne gegenüber, der durch seine talmudische Gelehrsamkeit sich auszeichnet,'ihre Fragen und Bedenken in einer Weise abfaffen und zusammenstellen, die von gänzlicher Unkenntniß des Judenth.ums Zeugniß giebt, dem gründlichen Kenner ein mitleidiges Lächeln abgewinnen läßt und unwillkürlich den Ausruf veranlaßt: ‘-non Y'iat'n d? *6 („ein Ignorant kann nicht wahrhaft fromm sein")!? — Solchen dünkelvollen Pseudofrommen kann man nur die Worte des Propheten (Jesai. 29, 24.) zurufen: „Mögen die, so irrigen Geistes sind, Vernunft anerkennen und Unwillige Lehre annehmen!" B. B. Aus Württemberg, Mai. (Privatmitth.) Endlich eine kleine Errungenschaft: vr. Einstein in Gerabrau äst zum Oberamtswundarzt von der Oberamtsversammlung gewählt und ^von der Königlichen Regierung bestätigt worden. DaS Physikat wird in Württemberg durch einen von der Königlichen Regierung angestellten Oberamtsarzt und durch einen von allen Schultheißen des Oberamtöbezirks unter Leitung des Bezirksbeamten gewählten, der Königlichen Regierung vorgeschlagenen und von derselben bestätigten Oberamtswundarzt, versehen. Alle gerichtsärztliche Fälle ^werden durch «diese beiden Aerzte versehen und ihre-Gutachten haben gerichtliche Geltung. So ist nun durch die Anstellung deS vr. Einstein daS Princip derAnstellungsfähigkeit der Israeliten iw Staatsämtern , gültig geworden. — Daß der amerikanische Consul in Stuttgart ein Israelit ist, dürfte bekannt sein. — Die Auswanderung der Israeliten Württembergs nach Amerika-fängt .an .massenhaft zu werden. Gemeinden, die neue Synagogen mit großem Kostenaufwand gebaut, Rabbinen und RabbinatshauS, Schulen und zwei Lehrer haben, schmelzen bis auf wenige Gemeindegtieder «zusammen. Man sieht in manchen israelitischen Gemeinden nur Greise und Kinder, die kräftige Jugend.ist-dem Vaterlande entwichen. Ich kann kein Lobredner der Auswanderung werden. und - wenn auch unsere. Lage pMisch .gedrückt äst, so giltdaS göttliche Wort „Bleib im Lande, halt

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