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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-29 · Heft 22 (29.5.1854) · p. Seite 274

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 22 (29.5.1854)
Date
1854-05-29
Page
Seite 274 (sequence 8)
Language
German
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heraus kommt, oder wenigstens eS sich noch erlauben darf auszudrücken, ohne: .großväterlich zu erscheinen.— wie gesagt , unsere Kinder werden keine Ahnung mehr davon haben, und das ist ein großer Verlust für sie; denn überhaupt alles Gute ist. nür so lange gut, als daS Schlechtere noch im Bewußtsein des Menschen liegt. Undso wundere sich denn unser freundlicher Leser immerhin, daß .wir ihm. heute schon einen. Bericht, datirt Brüssel, vorlegen, nachdem kaum unsere Feder in Magdeburg trocken geworden. Aber gewiß freut er sich mit mir, den Schreibtisch und die engen Festungsmauern ver-- lassen zu haben, und in diesem wahrhaft wonnigen Wonnemond (Mai) zu reisen; und freut sich um so mehr, mit dieser Reise im herrlichsten Lenze einen hohen, bedeutenden Zweck verbunden zu wissen.... Aber jetzt gestatte mir her freundliche Leser geradezu ein Selbstlob auszusprechen, auf die Gefahr hin , eigendünklerisch zu erscheinen. Wenn ich in diesen Blättern mehrere Male kühn genug war, mit dem Leser über die kleinen Reisen zu plaudern, die ich gemacht: so kamen mir stets so viele Bezeugungen der Zufriedenheit mit meinen Berichten zu, daß eS mir ordentlich zur Pflicht gervorden, solche zu geben, so ein Wagstück« eS eigentlich ist, das hundert Male Beschriebene noch einmal zu beschreiben,. daS schon vielmals Beffergesagte noch einmal zu sagen. Wenn demnach meine gütigen Leser, die theilnehmenden Freunde dieses Blattes und seiner Tendenzen, ein wenig ungehalten darüber wären — nun, so trüge ich nicht allein die Schuld, und — eine Last, die auf mehrere Schultern vertheilt ist, drückt nicht sehr — daher nur immer zu! Zwar habe ich oben das „Einschlafen in Magdeburgs durchaus nicht wörtlich gemeint, aber Jedermann weiß, daß ungefähr bis Bückeburg hin die Gegend gar nichts Bemerkenswerthes darbietet, und .die Städte, an denen man mit dem Courierzuge vorüber eilt, kaum „bemerkt" werden;, man ist lediglich auf die Reisegefährten und sich selbst angewiesen, und da ist es.doch in der That nicht zum Verwundern/ wenn.man öfter — einschläft. Aber nein! dazu kam es. doch nicht,: denn der blaue Himmel, der sich über uns spannte/ und an dem nur kleine Silberwolken umher schifften oder vor Anker lagen, die. freundlichen, noch nicht glühenden Sonnenstrahlen, die süße Frühlingsluft, die herein qüo.ll — all' dies erfüllte mit so ganzem vollem Entzücken, daß: man genugsam in die Höhe stieg , um über die flache Gegend hinweg den Blick in lauter Paradiese zu werfen. Und nun der Stand der Saatell! Ueberall die grünen Halme,' dicht gedrängt, schon über anderthalb, Fuß. hoch, die .gelben Rapsfelder, der Teppich der, Wiesen, mit Milliarden weißen Blümchen durchwirkj., die Bäume, mit dem frischesten Laub bedeckt, oder noch mit den duftenden, schimmernden Blüchen —, wohin das Auge fiel, kam sein. Blick erfreut,, ergötzt, beseligt zurück, nach üherstandenem hartem Winter „die Barmherzigkeit Gottes wieder.also erneut" zu gewahren. . Von fernher stiegen die Berge auf,, durch welche die Weser ihren Lauf sich durchbrochen; eS sind keine schroffen Felswände, keine, gewaltigen Coloffe, es ist: eine' ununterbrochene waldbedeckte Hügelkette, die den Horizont begrenzt — aber näher und näher kommen wir, und plötzlich gewahren wir eine breite, vollständig auf'S Niveau herunter reichende Spalte inmitten der Reihe; fie erweitert sich, je näher wir anrücken, und man fahrt gemächlich hindurch, neben sich noch die Chaussee und die Weser und einige Häuserchen — die sogenannte porta Westphalica; eine Minute, und die Bergwand, die eben noch v or Einem war, , ist schon. >,im Rücken, und nach einer kurzen Sendung des. Weges erscheint sie wieder geschloffen, als ob sie sich willkürlich geöffnet gehabt, um uns hindurch zu lasse». Ich gestehe, so oft ich auch hier schon passirte, regt mich der Anblick doch immer wieder von Neuem an. Nicht allein historisch: denn diesen Weg nahmen die deutschen Altvordern, um aus dem Nordost in den Südwest zu .rücken — sondern auch ethisch. Wie oft im Leben stellt sich unseren Wünschen und Streb.ungen, unserem Vorwärtsdringen ein, wie es scheint, unübersteigliches Hinderniß entgegen. Wir . rücken näher auf dasselbe los, weil wir es nicht vermeiden, nicht umgehen können, denn weithin rechts und links durchschneidet es in gleicher Höhe unfern Weg. Wir.rücken näher, und sehen mit fast verzweifelndem Blicke darauf, wie es sich vor uns thürmt..... aber wehe, wenn.Du Dich abschrecken läßt, wenn Du den Much, und damit die.Kraft verlierst .... nur muthig darauf loS, theurer Menschenbruder,, stehst Du da. die Oeffnung oben am Horizonte? näher, und sie erweitert.sich, ganz nahe und,es wird zum weiten, bequemen Durchgang, und siehe! Deines GotteS Vorsehung hat's doch besser verstanden, Du bist Hindurch, und. vor Dir liegt, ein weites, fruchtbares und liebliches Land, mit Menschen- Arbeit, aber auch .mit Menschen - Glück, wenigstens mit dem Heimwesen zahlloses Menschen überdeckt.... Es mag dies eine alte Bemerkung sein, ein Vergleich, , der den Reiz der Neuheit nicht für sich hat — aber, schadet nichts, wir rufen sie immer und immer wieder allen Strebenden, Ringenden, Leiden-

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