Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1854)
- Date
- 1854-05-29
- Page
- Seite 273 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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273 Lettens, Sachs, Tendlau, Duckes u. 91. m. erinnern.— Der Inhalt des Buches ist interessant, belehrend. Er stellt eine biblisch - talmudische Religionslehre dar und beweist, daß alle religiösen Wahrheiten im Talmud ihre Vertretung finden. — Wenn das Werkchen dem jüdischen Gelehrten nichts Neues bietet, so wird es jeder Laie mit Nutzen zur Hand nehmen, in Schulen dürste eS ein passender Mitleitfaden beim Unterricht in der Religion und Geschichte des jüdischen Volks sein; im Hause aber wäre es eine sehr geeignete Sabbath-Lectüre. Wie wir vernehmen, soll die Anschaffung für jüdische Schulfonds in Württemberg gestattet sein und können wir das Werkchen allen jüdischen Lehrern empfehlen. 8. L. Kunstnotiz. Aus Württemberg. Unser gefeiert^ Künstler, Albert Güldenstem, Schüler Schwanthalers, hatte schon mehrere Male das Glück, in seinem Atelier, das ihm von. der Königlichen Schloß- und Gartenverwaltung im Königlichen Hofgarten eingeräumt worden, von Sr. Majestät dem König und noch anderen hohen Gliedern des Königlichen Hauses besucht zu werden. Der schwäbische Merkur brachte folgenden Artikel: „Stuttgart, 22. 9lpril. Heute Mittag beehrten Seine Majestät der König die Werkstätte des ErzgießerS PelarguS wieder mit einem Besuche. Höchstdieselben besichtigten, begleitet von dem Herrn'Oberhofmarschall von Seckendorf'die große, von Güldenstein modellirte und von Pelargus in Zink zur Ausstellung nach München bestimmte Hirfchgruppe' so wie zwei in demselben Material ausgeführte, für den Rosenstein bestimmte große pompejanische Candelaber, und ertheilten gnädigst die Erlaubniß, auch die beiden letzterenvom Künstler im edlen Geiste aufgefaßten, Gegenstände der Münchener Ausstellung anzureihen." Da ich gerade von Kunst und jüdischem Künstler redeso kann ich nicht umhin, eines Künstlers zu erwähnen, dxr in der Kunst, ein begeisterter Israelit, das JudenthuM zu feiern bestrebt ist, es ist der Landschaftsmaler Mathias Wehli in München, Sohn des wohlbekannten Ernst Wehli aus Prag. Aus seinen Wanderungen als Landschaftsmaler führt er neben der Mappe das Album, des Dichters mit sich, und was er der Natur mit Stift und Pinsel abgelauscht, weiß er im Liede rührend wieder zu geben. Es hat Uns sehr gefreut, daß die Farben- und Liederbilder des jüdischen Künstlers in den höchsten Kreisen Anerkennung finden; so hat der Herr Statthalter von Tyrol Graf Bisstngen in schmeichelhaften Briefesworten Herrn Wehli seine Verehrung an den Tag gelegt. In den Momenten, die mir vergönnt waren, mit dem Künstler zu verkehren, stellte er mir in kurzen Aphorismen die Aufgabe der Kunst in-Beziehung auf das Judenthum dar, die den Künstler würdig machten, am Tempel des Wiederaufbaues des JudenthumS rüstig mit zu arbeiten*). Korrespondenz. Brüssel, 14. Mai.; Reiseberichte. Wir, die mittleren und älteren jetzt Lebenden, haben noch das große Vorrecht: sich, verwundern zu können, wenn sie — meinetwegen in Magdeburg einschlafen und in Brüssel aufwachen — unsere Kinder werden dieses beneidenswerthe Vorrecht verloren haben! Denn wir. haben es in unserer Jugend, vor drei Decennien noch erlebt, wie die königlich preußische und auch alle anderen königlichen und fürstlichen Posten in blau oder gelb oder grün angestrichenen — Leiterwagen bestanden, in denen die Postpackete den Passagieren um die Beine tanzten — es war ihre Sache, sich möglichst zu schützen, ich meine die Beine und die Packete. Dann sahen wir> die Knaben, die erste Schnellpost in loco erscheinen, und nicht blos wir, als Gamins, versammelten uns vor dem Postgebäude, um dieses Wunder der menschlichen Erfindung zu schauen, sondern das ganze Städtchen mit uns wanderte eine. Zeit lang täglich danach, und jede einzelne Brust fühlte sich in der gesammten Menschheit darob gehoben .... Und dann die Dampfboote, von deren stets zitterndem Rücken man mitleidig auf die, auf den Chausseen am Ufer rollenden Wagen hinüber sah. Und endlich die Eisenbahnen. Und dies ist denn so eine totale Umwälzung, daß man noch immer nicht aus dem Verwundern *) Warum theilt uns derselbe nicht solches mit? Es ist sicher an der Zeit, daß die jüdischen Künstler auch Etwas dem Judenthum zurück geben. Uebrigens erlauben wir uns, hierbei an „den Brief an einen jungen Maler" in Nr. 11 des Jahrg. 1849 alö einen kleinen Beitrag zu erinnern. Redact.*