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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-29 · Heft 22 (29.5.1854) · p. Seite 270

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 22 (29.5.1854)
Date
1854-05-29
Page
Seite 270 (sequence 4)
Language
German
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270 eine Centralstelle haben, um die zerstreute Thätigkeit zu sammeln und auf dasselbe Ziel zu richten. Privatnachrichten aus Jerusalementhalten folgende Schilderung des dortigen Elends: In der heiligen Stabt ist die Noch unbeschreiblich groß; schon sind buchstäblich Juden am Hunger gestorben; wer dies mit ansieht, dem muß das Herz brechen. Dazu hat sich neuerdings noch die Pockenkrankheit gesellt, die schon über 500 Opfer gefordert hat, und daneben noch die Gefahr von Uebersallen Seitens arabischer Stämme, die nun, da alles Militair auf den Kriegsschauplatz geeilt ist, das ganze Land im Besitz haben und alle Straßen unsicher machen... ... Eine hier wohnende Engländerin hat angefangen, aus ihren eigenen Mitteln eine wöchentliche Brodvertheilung unter den Juden, und nun drängt sich an den bestimmten Tagen die große Masse vor ihrem Hause, um den Hunger zu stillen. — Bei dieser Gelegenheit erlauben Sie, Herr Doctor, auf eine von mir gethane Aeußerung in Nr. 16 dieser Zeitung zurück zu kommen, wozu ich gewissermaßen gezwungen bin. ES betrifft dies ein am anführten Orte gefälltes Urtheil über die an den Juden in Jerusalem von den Christen erwiesenen Wohlthaten. In Folge desselben sind mir von christlicher Seite mehrfache Schreiben zugegangen, welche dies als eine unbegründete Berurtheilung der guten Thaten, namentlich Seitens englischer Christen betrachteten, und mir zu beweisen suchten, daß dieselben durchaus nichts mit dem Wechsel der Religion zu thun hätten. Zur Beruhigung jener ehrenwerthen Herren und zur Ehre der Wahrheit sei es denn hier zugestanden, daß es gewiß edler Christen genug giebt, die das Elend mildern, wo sie es finden, ohne Rücksicht auf Religion und ohne Gedanken eines Kaufpreises für dieselbe; daß diese es vorzüglich gern einem Juden thun, als einem Mitgliede jenes Volkes, das die Leiden der Menschheit gewöhnlich doppelt hart treffen und gegen welches die Christenheit noch so große Schulden abzutragen hat, und daß, wo das Elend einen solchen Grad, wie in Jerusalem leider erreicht hat, jede andere Rücksicht schweigt vor der Stimme deS Elends und der Krankheit. Auch sollten jene Worte nicht ein Verdammungsurtheil jeglicher Wohlthat, Seitens der Christen, enthalten, vielmehr nur -sagen, daß, da diese unläugbar ihr Streben auf die Bekehrung der Juden gerichtet haben, diese letzter» noch bei allem Elend in die bittere Nothwcndigkeit gesetzt sind, die Wohlthaten der Christen zurück weisen zu müssen, weil das scrupulöse Gewissen leichtlich einen Kaufpreis für die Religion darin erblickt. Leider hat die Noth jede Bedenklichkeit überwunden, und wie englische Blätter mittheilen, drängen sich die Juden vor den Häusern der Christen^ welche für ihre Leiden ein Herz haben. Allen, die dies aus redlicher Absicht thun, werden es auch die Juden des Abendlandes gewiß Dank wissen und ihnen die Segnungen wünschen, die unsere Religion der Mildthätigkeit verheißt; und aus diesem Grunde schien eS nothwendig, diese Erklärung gegen jeden Verdacht einer Undankbarkeit oder grundlosen Berurtheilung meinerseits abzugeben. Mögen denn auch hier einige solcher Wohlthaten ihre dankbare Erwägung finden. — Eine Engländerin hat sich der jungen Jüdinnen angenommen, versammelt dieselben in ihrem Hause, lehrt sie Handarbeiten thun und zahlt ihnen dann aus eigenen Mitteln für diese Arbeit, damit sie Freudigkeit daran gewinnen. Der englische Consul hat Land gekauft, um Juden darauf zu beschäftigen und dadurch im vorigen Jahre über sechSzig jüdische Familien vom Hungertode gerettet, indem er ihnen über 1800 Fl. Arbeitslohn zahlte, mit der Absicht, daß die eventuell zu gewinnenden Länderstrecken denselben verbleiben sollen. Auch soll der Rabbiner von Jerusalem (welcher? ist nicht gesagt) viele Juden zu jenem Consul gesandt haben, um sich von ihm Arbeit und Löhnung zu erbitten, weil er selbst ihnen nichts mehr anzubieten hatte. — Ein Dr. Maegowan soll sich namentlich der erkrankten Israeliten mit vieler Liebe annehmen. Indem wir dies, auS ganz glaubwürdiger Quelle zugegangen, gern anerkennen, möge eS auch dazu dienen, die thätige Liebe unserer Glaubensbrüder zu wecken und anzuspornen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Lemberg, 9. Mai. (Privatmitth.) Unsere Gemeinde hat den Verlust eines ihrer angesehenen Glieder zu beklagen. Am 2. Mai starb nämlich Herr I. A. Rosenstein, der seit ungefähr zwölf Jahren Vorsteher der hiesigen Gemeinde war, und mit' zu den Ersten gehörte, welche auS der deutschen Fortschrittspartei zu diesem Ehrenamte gewählt wurden. Die uneigennützigen und fast immer erfolgreichen Be-

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