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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-22 · Heft 21 (22.5.1854) · p. Seite 258

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 21 (22.5.1854)
Date
1854-05-22
Page
Seite 258 (sequence 6)
Language
German
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258 Verlust durch daS unerwartete Hinscheiden des Vorstehers I. Rofenstein, welcher, 51 Jahre alt, nach kurzem Krankenlager am Typhus verstarb. Er hatte seine Berufspflichten stets treulich und gewiffenhaft erfüllt, und zeichnete sich' durch regen Eifer für das Gemeindewohl und besondere Sorgfalt für die wohlthätigen Anstalten aus, welchen er auch, seinem menschenfreundlichen Sinn gemäß, sehr bedeutende Summen vermachte (man spricht von 50,000 Fl. C.-M., doch sind die näheren Bestimmungen des Testaments noch unbekannt). Das Leichenbegängniß war feierlich, wie eS die allgemeine.Hochachtung für den Verstorbenen erheischte, besten entseelte Hülle unter Choralgesang und bei sehr zahlreicher Begleitung zu Grabe getragen wurde. Auch wurden paffende und ergreifende Trauerreden gehalten. Der Verblichene hinterlaßt keine Kinder, aber eine tief betrübte Wittwe. K. Die Schweiz. Aus dew Aargau, 8. Mai. (Privatmitth.) Wenn ich Ihnen über die Zustände unserer Gemeinden schon lange nichts mehr mittheilte, so geschah eS nicht aus Mangel, sondern fast gar wegen Ueberfluß an Stoff. Was nützt eS, über Händel und Lärm der tnrwaV zu sprechen, deren Worte nicht mehr Gehör finden, und deren Bestrebungen, so Gott will, nach und nach nullirt werden. Die RabbinatSgeschichte in Endingen aber hat einen eigenen Charakter angenommen, über den zu schreiben es wohl noch der Mühe werth sein dürfte. Die zu Endingen im Verein mit einer noch andern winzigen Partei haben eS dahin gebracht, daß sie erhalten, was sie nie wollten, nämlich einen entschieden, wenn auch gemäßigt freisinnigen Rabbinen. Ihr Correspondent in Nr. 15 der Zeit. d. Judenth. deutet die Sache nur an, wir wollen nun etwas ausführlicher sein. Für daS Räbbinat der Gemeinde Endingen meldeten sich seiner Zeit folgende Theologen: Herr Dr. Lipschütz, gegenwärtig Landrabbiner in Mecklenburg - Schwerin, der mit seinem concreten Jerusalem und „nvss nun im Norden hausen mag, Herr Dr. I. Levi aus Nofenberg, Herr Dr. Jolomicz in Königsberg, welcher seine Anmeldungwieder zurück genommen, die Herren DD. Fürst aus Heidelberg, Joel aus Lübeck und Fränkel aus Würzburg. DeS Herrn Lipschütz hätte man sich, auch wenn er nicht nach Schwerin gekommen wäre, wohl zu erwehren gewußt, da man wußte, wessen Geistes Kind er ist. Die Regierung aber legte der Gemeinde blos die Namen der Herren Fürst und Levi zur Wähl vor; demnach war der Sieg offenbar auf Seite der Freisinnigem Die schäumten vor Wuth; sie schickten Abordnungen nach Frankfurt, daS dortige Orakel um Rath zu befragen, allein es half ihnen Nichts. Von den zwei von hoher Regierung präsentirten mußte einer gewählt werben, und am Z. März wählte die Gemeinde, wie Ihr Correspondent berichtete, unter dem Einflüsse der Fanatiker — den entschieden Liberalen Herrn Dr. Fürst. Die Kurzsichtigen glaubten den Freisinnigen eine Schlappe beigebracht zu haben, indem ste nicht ihren Candidaten wählten. Sie wußten nicht, daß eS hier der Sache, nicht der Person galt, und daß für den hochwichtigen Zweck beide Herren Candidaten dienlich sind. Die freisinnige Partei verhehlt eS nicht, baß, da sie schon früher mit Herrn Dr. Levi in Verbindung gestanden, ihm getreulich ihre Stimmen gab. Für Ihre Sympathien hat sie Gewährsmänner genug. Voran stehen Sie, Herr Redacteur, der Sie Herrn Dr. Levi empfahlen. Sodann Herr Oberrabbiner Dr. Frankel in Dresden, ganz abgesehen von den ausgezeichneten Zeugnissen des Herrn Dr. Levi. Dieser ausgezeichnete Lehrer in Israel wird gewiß seinen Wirkungskreis noch finden, dafür bürgt uns nicht nur feine allseitige Gelehrsamkeit, sondern auch seine wahrhafte, resignirende Frömmigkeit, die sich in seinen Schreiben zeigt. Wir aber können immer noch ausrufen “ibövcnVin. Denn wir wollten und mit unS die geh. Regierung einen Mann des Fortschrittes, und haben ihn erhalten. Möge er bald fein wichtiges Amt antreten! Die Fortschrittspartei, und gewiß hauptsächlich diese, wird ihm getreulich in seinem wichtigen Tagewerke zur Seite stehen. Daß er, wie Ihr Correspondent schreibt , „seine Stellung wohl erkennen werde," daran zweifeln wir nicht, sobald er mit dem Geiste bekannt sein wird, der in den höhern Behörden über diesen Punkt obwaltet; der da kein Geist ist, wie er leider erdrückend über die religiösen Angelegenheiten unserer Glaubensbrüder anderswo herrscht. Die Frömmigkeit der Fanatiker besteht, wie eS scheint, immer in etwas Schneidendem, etwa in einer Zwickscheere „nY>öB 2-in." Unsere Geistesverwandten jener Zeloten haben in der Rabbinatsangelegenheit auch ihre schneidenden Werkzeuge

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