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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-22 · Heft 21 (22.5.1854) · p. Seite 257

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 21 (22.5.1854)
Date
1854-05-22
Page
Seite 257 (sequence 5)
Language
German
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237 thum es gewagt hat, die unverzeihliche Gleichgültigkeit zu rügen. Ist das eines jüdischen Lehrers würdig?? — O Zeiten, o Sitten! — Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 8. März. (Privatmitth.) Nach langer Zeit hatten wir endlich letzten Samstag wieder eine Confirmation. Es ist wahrhaft zu bedauern, wahrend man das Unbedeutendste aus der alten Zeit geheiligt wissen will, läßt die neue Zeit die Schöpfungen, die sie in'S Leben gerufen hat, aus den Händen entgleiten. Wir sind überzeugt, das ginge auch nicht dem Unterricht voran, blos das Bekenntniß des Glaubens im Hause Gottes vor der Gemeinde Gottes müßte den nachhaltigsten Eindruck auf daö jugendliche Gemüth machen. Wie erst, wenn die Lehren des Glaubens früher befestigt wurden. Die Feierlichkeit am Samstage wird gewiß noch lange in den jugendlichen Gemüthern nachhallen, was aber noch mehr ist: auch in den Herzen der Eltern wird sie nachklingen. Man kann von der Confirmation sagen by np« nb sniim Es verjüngen und erwärmen die Herzen der Eltern auf'S Neue und der jüdische Geist, der doch überall in den Gemüthern ein Plätzchen gefunden hat, erwacht auf's Neue. Hoffen wir, daß das nächste Jahr uns wieder diese feierliche Ceremonie bringen wird. Unter den 32 Mädchen, die confirmirt wurden, waren auch zwei Taubstumme, und es blieb kein Auge thränenleer, als Herr Mannheimer zu ihnen trat, um ihnen den Segen zu geben, der mit den Worten begann: Wer macht stumm oder taub rc. Ein taubstummer Knabe hatte auch an diesem Sabbat niLE nn und wurde zur Thora gerufen. Er sagte die i-D-o sehr deutlich. Es dürfte dies das erste Beispiel sein, daß ein Taubstummer zur Thora gerufen wird. So eben kommt mir die „offene Anfrage," unterschrieben von den Freunden der Wahrheit und des orthodoren JudenthumS zu. Wenn wir nicht irren, ist dieser Aufruf nicht in Berlin, sondern in Frankfurt verfaßt, und es fehlt nur daS Wort „Jisroell," um den Verfasser, der den Aufruf übrigens sehr gut stylisirt hat, erkennen zu lassen. — Wir müssen nun im Vorhinein erklären, daß wir kein Heil von einem Seminar erwarten. Das Judenthum und seine Lehre ist frei und hat bis jetzt auch in solcher Weise sich entwickelt, ist in solcher Weise stark geworden. Nie und nimmer aber hatten wir geglaubt, daß an einem Institute, wo Frankel aus Dresden, und Grätz, der Fahnenträger deS Er-Lanbesrabbiners Hirsch, stehen, die orthodoxe Partei zu mäkeln hätte! Und da muß man allerdings sagen ''dÄ .-'En pb -psb ,he Die R.eformpartei freut sich, daß im Iudenthume ein Seminar besteht, die Partei des Herrn Hirsch will aber zuerst wissen, ob die Leiter dieses Institutes auch wirklich daran glauben und es üben, sich die Nägel an den Fingern nicht nach der Ordnung abzuschneiden. Es ist wahrhaft ein arges Zeichen der Zeit, wenn die Männer keine Garantie geben und daS Wort, welches öfter dazu dient, die Gedanken zu verbergen, für die Personen einstehen soll. Um aber nur Eines zu berühren. Herr Rapoport gehört gewiß nicht zu den Neologen, noch zu den Reformern, und doch hat er nachgewiesen, daß manche Psalmen aus der nachmakkabäischen Zeit herstammen. Doch die Sache richtet sich selbst. Nur verletzte Eitelkeit konnte diese Fragen niederschreiben. 'Lemberg, 28. April. (Privatmitth.) Zu Folge eines Handschreibens Sr. k. k. apostolischen Majestät Kaiser Franz Joseph I. sollen Illuminationen und ähnliche kostspielige, nur auf Prunk berechnete Festlichkeiten unterbleiben, das etwa eingefammelte Geld aber unter die Armen, ohne Unterschied der Confession, nertheilt werden, damit dieser feierliche Tag auch für diese ein Tag der Freude werde. Diese herrliche und wahrhaft kaiserliche Verfügung wurde hier auf folgende Weise befolgt: Abschriften dieses Handschreibens circulirten unter allen Hausbesitzern, auch ohne Unterschied der Confession, die nach Maßgabe ihres Vermögens Summen zum gedachten Zwecke beisteuerten. Von einem Theile des gesammelten Geldes wurden am 24. April zu Mittag warme Speisen verabreicht, und da der Rest deS Geldes zufälliger Weise mit Unterschied der Confession ganz vertheilt worden war, mußten die jüdischen Armen, die auch wegen der Speisegesetze an der Speisung nicht Theil nehmen konnten, leer ausgehen. Ob dieser Mißbrauch, um es nicht Ungerechtigkeit zu nennen, wieder gut gemacht worden, werde ich Ihnen seiner Zeit berichten. —. Lemberg, 7. Mai. (Privatmitth.) Am 2. dieses Monats erlitt unsere Gemeinde einen schweren

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