Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1854)
- Date
- 1854-05-22
- Page
- Seite 259 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225899--13872-3243340- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
in Bewegung gesetzt. So haben sie z. B. an Herrn vr. Levi auf Rechnung der Liberalen anonyme Briefe nach BreSlau geschickt, um ihm die Stelle zu verleiden, und wenn wir nicht irren, haben sie gleiche Triebfedern gegen Herrn 0?. Fürst in Bewegung gesetzt. Solche Leute sind mit Lehrern, wenn sie die Macht haben, bald im Reinen. Die Herren Lehrer sollten aber jenes Sprichwortes eingedenk sein: „Man kann dem i&2i?a nicht weher thun, als wenn man ihm den giebt." Ohne zu heucheln, sollten sie sich darnach richten, und man würde ihnen Nichts anhaben, sie aber nichts desto weniger Licht unter die israelitische Jugend verbreiten können. In unseren bürgerlichen Verhältnissen ist eS so ziemlich still. Die Jugend gewöhnt sich nach , und nach an den Militairdienst. Betreffs der Besörderungen wird durchaus kein Unterschied gemacht, und jüdische Jünglinge, die einen CadettencursuS machen, werden sofort befördert, was in neuester Zeit schon zwei Mal vorkam, und zwar zur Freude der höchsten Militairbeamten. — In den Realschulen in Zurzach und Baden machen sich die israelitischen Schüler nach und nach bemerkbar. Diese Schulen sind zugleich untere Gymnasien, das eigentliche Gymnasium — die Cantonschule — ist in Aarau, wo gegenwärtig nur ein Jude ist, einer hat Zürcherische Hochschule absorbirt und befindet fich gegenwärtig in Wien. Von Seiten der israelitischen Schüler an der Bezirksschule in Zurzach wurde am jüngsten Peffachfeste auf eigene Weise die in Ihrer geschätzten Zeitung von Mantua aus wieder angeregte Frage des auf praktische Weise gelöst. Die dortigen Schulbehörden bestreben sich, stets die Hauptprüfung so einzurichten, daß sie, da sie immer im April ist, wegen der jüdischen Schüler nie auf daS Pessachsest fällt. Aus Versehen aber wurde sie diesmal auf den 19. und 20. April, also gerade an unfern letzten Peffachtagen, festgesetzt. Als die Schulbehörde darauf aufmerksam gemacht wurde, ,wqr eS nicht mehr, abzuändern, obschon eS ihr sehr leid war. Nun ist aber Endingen 1V* Stunden von Zurzach entfernt, weswegen die dortigen Knaben wegen ym nicht hin konnten, und die beschränkten Eltern wollten sie mit niLv versehennicht schon am Vorabend hinschicken. Was thaten die eifrigen Knaben? Sie fchaärten sich am i-nris nDD ->w am frühen Morgen zusammen und marschirten nach Zurzach, ihr ungesäuertes Brod in der Tasche, wie weiland die Kinder Israels aus Aegypten zogen, wo sie von ihren Lehrern und dem Herrn Schulinspector freundlich ausgenommen wurden. Frankreich. Paris, im Mai. (Nach den Areb. isr. de Fr.) Unter den nach dem Oriente gegangenen französischen Osficieren jüdischen Glaubens befinden sich zwei Brüder Levy, der eine, Herr A. Levy, Chef des 53. Linienbataillons, ist so eben zum Oberstlieutenant des Regiments algierscher Tirailleure ernannt würden und unter dem Prinzen Napoleon nach Constantinopel abgegangen. Sein Bruder, Herr B. Levy, ehemaliger Stabscapitain, ist als Adjutant erster Ctaffe bei der Militairintendanz für die orientalische Armee attachirt worden. Beide Brüder haben das Glück, in ihrem dritten Bruder, Herrn Dr. Michel Levy, Mitglied des Gesundheitsraths der Armeen, einen der ausgezeichnetsten Armeeärzte zu besitzen. Derselbe empfing im vorigen Jahre das Kreuz Pius' IX. in Folge seiner Inspektionsreise bei der italienischen Erpeditionsarmee; man wollte ihm das Kreuz Gregor des Großen verleihen, dann hätte er aber einen Eid leisten müssen, den er als Jude nicht leisten konnte und wollte. Großbritannien. London, im Mai. Die Arch. isr. de Fr. enthalten einen Artikel aus London, in welchem über die große Armuth, die in diesem Augenblicke unter vielen Juden in London herrscht, geklagt wird. Dieselbe findet nicht allein in Folge der großen Theuerung statt, sondern weil Unmassen von polnischem und russischen Juden als Flüchtlinge in London angekommen sind. Bemerkenswerth ist, daß die Mäßigkeit und die Energie dieser Menschen sie in kurzer Zeit dahin zu bringen versteht, daß sie ziemlich zu leben vermögen. Manche ältere Ansiedler klagen nun über die Konkurrenz und die zu große Freiheit in Albion — wo aber uno wer waren sie oder ihre Väter vor noch nicht langer Zeit? — Sir MoseS ist krank seit längerer Zeit, und konnte daher das board seine Arbeiten nicht aufnehmen. Rußland. . Aus Polen, im. April. lPrivatmitth.) .. Die. öffentlichen Blätter haben in jüngster Zeit wieder-