Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1854)
- Date
- 1854-05-22
- Page
- Seite 254 (sequence 2)
- Language
- German
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254 Stammgenoffen sorgen und arbeiten— ja, Achtung, die Achtung der Welt, selbst unserer Gegner, wird unS nicht fehlen : 'Darum, ihr Israeliten Euröpa'S und Ämerika's, laffetMuchA iF se. Gelegenheit nicht entgehen fie kommt nicht wieder!... Jüdisch - religionsphilosophische Briefe. LI. (Schluß.) Wie in der Einleitung zu den „Sprüchen" personificirt nun auch der Verfasser der „Weisheit Salomonis" die Weisheit. Wir entnehmen aber aus dieser Hülle folgende Lehren. Vor Allem ist anzuerkennen die Abhängigkeit von Gott. Es ist allein Gottes Gabe, was für eine Seele in den Leib kommt, und hinwiederum was für einen Leib die Seele zum Sitze erhält. Der Verfasser spricht, fich als Salomo vorstellend 8, 19: „Ich war aber ein gut geartetes Kind, und hatte eine gute Seele bekommen) oder vielmehr, da ich gut war, so kam ich in einen unbefleckten Leib." Es ist allein Gottes Gabe, ob wir weise werden oder nicht (8, 21). Ja, auch im Einzelnen find die Bewegungen des Menschengeistes in der Hand Gottes. 7, 16: „Denn in seiner Hand sind wjr und unsere Reben und alle Klugheit und Geschäfts-Kunde." Ferner dient das Verhältniß zwischen Geist und Körper zum vielfachen Hemmniß für den Menschen. 9, 15: „Denn der sterbliche Körper beschwert die Seele und die irdische Hütte belastet den vieldenkenden Geist." Daher sind nicht blos die Anschläge des Menschen unsicher, sondern auch seine Erkenntniß überaus schwach. 9, 16: „Kaum errathen wir das, was auf Erden ist, und was uns vor den Händen liegt, finden wir mit Mühe^" Bei allem dem steht eS dem Menschen frei zu, zu. wählen, welchen Weg er einschlagen wolle. Aber wenn wir sündigen, so richtet uns doch Gott mit Gelindigkeit, strafet nur für kurze Zeit, daß der Böse sich wieder zu Gott wende (12, 1. 2.). Die Quelle aller Sündhaftigkeit erkennt aber der Verfasser in den falschen Begriffen von. Gott, namentlich im Götzendienste. Er sucht die Ursachen auf, durch welche die Menschen zur Götzenanbeterei gekommen seien. Zunächst die Schwache der Menschen, in den Werken nicht den Meister zu erkennen, sondern die Werke selbst als göttlich, als Götter anzubeten, von ihrer Schönheit^ verführt (13, 1 ff.). (V. 6:) „Gleichwohl verdienen diese nur geringen Tadel, weil auch diejenigen leicht irren, welche Gott suchen und finden wollen. Denn indem sie mit seinen Werken umgehen, und sie untersuchen, werden sie vom Ansehen betrogen, weil schön ist, was'sie sehen." Viel unseliger sind aberwelche, sich Götter aus. Gold, Silber, Holz u. dgl. bilden, endlich Menschenbilder. Wie die Menschen hierzu gekommen, entwickelt der Verfasser sehr sinnig. Nun führt er aus, wie in dieser Abgötterei auch das natürliche sittliche Gefühl und Bewußtsein des Menschen untergeht, und Laster und Verbrechen aller Art die Menschenwelt überfluthen. 14, 27: „Denn die Verehrung nichtiger Götzen ist alles Nebels Anfang, Ursache und Ende." Hingegen 15, 3: von Gott wissen ist vollkommene Gerechtigkeit, und seine Macht erkennen ist die Wurzel der Unsterblichkeit." Daher es denn gar nicht ausbleiben kann, daß die Götzendiener zu Grunde gehen, wie der Verfasser geschichtlich an den Canaanitern, Aegyptern und gegenteilig an den Israeliten zeigt) dies ist nicht ganz zu Ende geführt, schließt aber mit den Worten: „Ja, auf alle Weise, Herr, hast du dein Volk verherrlichet und geehrt, und es nicht vernachlässiget, sondern hast zu jeder Zeit und an jedem Orte ihm beigestanden." Du stehest schon hieraus, daß der Verfasser auf ganz anderem Boden steht, als „Koheleth." Er erkennt 1) die geschichtliche Entwickelung an, er hat geschichtliches Bewußtsein) 2) ihm ist daher das Thun des Menschen nicht „eitel," sondern: „gute Thaten bringen herrliche Früchte, und es stirbt nicht ab die Wurzel der Weisheit" (3, 15), sie wirken und wirken fort: „besser ist Kinderlosigkeit mit Tugend) denn unsterblich ist ihr Gedächtniß, weil sie anerkannt wird, wie von Gott, so von Menschen;" 3) die Unsterblichkeit faßt er nicht blos als ein „Zurückkehren des Leibes zum Staube und des Geistes zu Gott," sondern als eine Forteristenz der individuellen Persönlichkeit, an der daher die göttliche Vergeltung zum eigentlichen Abschluß kommt: „in der Ewigkeit triumphiret sie im Siegeskranze, nachdem sie in unbeflecktem Ehrenkampfe gesiegt hat." (4, 2.) „Die Gerechten leben ewig, ihr Lohn ist im Herrn, darum werden sie erlangen ein herrliches Reich und die Krone der Schönheit aus der Hand des Herrn." (5, 15.) — Es kann Dir daher nicht verborgen fein, daß die „Weisheit Salomo's" unserer ganzen, jetzigen Anschauung sehr nahe steht, und da es eben so sehr auf die Werke Gottes in der Natur, als auf das Werk des Herrn, in der Offenbarung und der .Geschichte, namentlich Israels, sich stützt, haben wir das ganze Lehrsystem unserer Neuzeit in den Grundzügeu darin entwickelt. Siehe also zu, daß Du es fürder nicht mehr überstehest,