Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1854)
- Date
- 1854-05-15
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225898--13858-3243325- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
246 teil/ m welcher* Nähe sich die künftigen Leiter des Seminarszu der Entschiedenheit und Klarheit über sich selbst- und die ersten Grundbedingungen ihres künftigen Werkes befinden. — Ein Verein von Freunden der. Wahrheit und des orthodoxen Judenthums. April 1854. - -; Nachschrift der Redaction. Wir geben hier die eingesandte „Anfrage" wörtlich, erstens, weil dieselbe allerdings als Anfrage nicht unberechtigt erscheint^ zweitens, weil das Schriftstück an sich eine so unum-. wundene Darlegung enthält, welche den Juden Deutschlands einmal wieder'sich vorgeführt zu sehen sehr interessiren muß. ES ist hier nicht unseres Amtes, die vier von dem Schriftstück angegebenen Punkte unsererseits zu beleuchten, es ist dies Sache derer, an welche die „Anfrage" gerichtet ist. - Auch haben wir den Artikel nicht ausgenommen, um ihn zur Unterlage einer Polemik zu machen. Nur darüber müssen wir unser Bedauern aussprechen, daß diese „religiöse" Partei — obgleich man sie mit größerem Rechte nur eine „theologische" nennen könnte — niemals umhin kann, sich auszulaffen, ohne bitter gegen ihre Gegner zu sein, bitter und ungerecht zugleich, was sich denn auch gleich dadurch straft, daß der Eindruck ein viel schwächerer ist, als er ohne -dies sein würde. ES betrifft dieses den Passus: „Namentlich ist es diejenige Richtung, welche überhaupt noch ein Gegebenes hat, die ihr Princip und ihr System nicht'erst von der Zukunft erwartet, ist es die orthodoxe Richtung, die rc." Also alle Juden, welche die Minhagim und Anordnungen der Rabbinen nicht „als göttliche Verpflichtung" ansehen (welche Blasphemie enthalten diese Worte!), haben nichts Gegeben e s, und erwarten ihr Princip und ihr System von der Zukunft? Und Ihr, die Ihr das behauptet, lernet deutsch schreiben, Ihr leset.deutsche Bücher, diese Todsünde in den Augen wahrer Orthodoxen! Und dennoch machet Ihr selbst im Talmud Unterschiede, und seid hierdurch selbst weitab vom wahren Orthodoxen I Doch nein! wir wollen nicht anklagen, wir weisen nur solche-Phrasen mit Verachtung ab, und glauben, das kostbare Crbtheil unserer Vater reiner zu haben und treuer zu pflegen als diejenigen, denen der schmutzigste und geschmackloseste Minhag die Verpflichtung eines Gelöbnisses bei Gott, die veraltetste Anordnung der Rabbinett für eine g ö ttliche Verpflichtung ansehen, 'dabei aber selbst von tausendfachen Minhagim unserer Alten /,abgewichen" sind. Gott fe'i Dank! das I udenthüm istkeine R e l i g i o n d er' Min h agim und k ei ne Rel ig io n der Rab b inen all ein, u n d w enn wi r diese vom Judenthume ab ziehen, dann erst bleibt das rechte Gegebene übrig, die Religion Mosche'S und der Propheten und der Psalmisten und heiligen Scribenten und des, was aus ihnen m der Tradition Bleibendes, weder Jenen, noch dem großen Culturgange der' Menschheit , wie ihn die Propheten zeichnen, Widersprechendes sich gebildet und entwickelt Hat.' Aber allerdings' ist daS Judenthum auf dem Felsengrunde dieses Gegebenen eben' sch Religion der Zukunft, wie'ste' Rellgiön der Vergangenheit ist (amb nwb), aber freilich nicht in Gesellschaft der Minhagim. Nein! viel eher ist „Alles" mit „Nichts" als'„nicht Alles" mit „Nichts"' identischl Doch genug! - - Aus Württemberg, im Mai. (Privatmitth.) In Ulm wurde der neu gegründete jüdische Gottesacker durch Rabbiner Wälder aus Laupheim in einer feierlichen Redeeingeweiht. Es - wurde ein junger Mensch beirdigt und bei dieser Leichenfeier würde der israelitische Friedhof eröffnet. 'Herr Wälder sprach würdige Worte -zur würdevollen Veranlassung. - Freilich gab diese Veranlassung dem denkenden GeschichtSkenner Gelegenheit zur ernsten Betrachtung: Ulm hätte in früheren Zeiten feine Synagoge, seinen Friedhof, und noch jetzt zeugen Namen von Straßen und Plätzen der Reichsfeste den jüdischen Ursprung. Im Munster selbst ist ein alter, jüdischer Grabstein als Monument eingemauert, der jetzt seine geeignetere Stelle auf dem jüdischen Friedhof-finden würde. Dieser alte Grabstein auf dem neuen Friedhof würde beredter sein, als die Worte eines Historikers? Wird' wohl diese Grabstätte ein Fried-Hof für die.entschlafenen israelitischen Bürger UlmS werden? Unsere Väter haben einst auch gehofft, in Rühd zÜMeN Vätern eingesammelt zu werden, aber die Unduldsamkeit hat die 'Söhne von den Gräbern 'ihrer Lieben verjagt. ES ist die Sühne der; Geschichte, daß fast? alle Städte Schwabens, die einst ihre jüdische Bevö'lkerung?gemartert und vertrieben haben? wieder von Juden bewohnt werden, Synagogen und Friedhöfe in ihnen