Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1854)
- Date
- 1854-05-15
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
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trauend, zur Pflege der heiligsten Güter ihrer Nation zu treten, scheuen sicher die Oeffentlichkeit nicht, haben gewiß ihre Grundsätze.und ihr System so bei sich /zum Abschluß gebracht,; daß ihnen die vollste, allein klare -Durchsichtigkeit ihrer Principien nur willkommen sein kann, auf daß sich nur diejenigen ihnen uM ihren Bestrebungen zuwenden, die in ihren Grundsätzen die eigenen wiederfinden und in dieser höchsten Angelegenheit einer jeden Täuschung begegnet werde, die auf allen Gebieten nur verderbliche Früchte trägt. Um aber unserer Anfrage einen bestimmten, concreten Inhalt zu geben, glauben wir dieselbe in einigen wenigen Sätzen formuliren zu dürfen. - Die Erscheinungen der letzten Jahrzehnte' geben Veranlassung, unsere. Frageetwa also zu fassen: Mas wird „VffenbaMng" im künftigen Seminare bedeuten? - Dem orthodoxen Judenthum e ist eö das - wirkliche unmittelbare Mort des persönlichen einzigen Gottes an den Menschen, ihm ist daS „Gott sprach zu Mose" ein übernatürliches einfaches Factum, wie ein Mensch zu dem andern spricht. Bekennen sich die Leiter deS Seminars zu diesem orthodoxen Glauben? Was-wird die „Bibel" im künftigen Seminare bedeuten? Das orthodoxe Judenthum glaubt an die göttliche Authenticität der ganzen Bibel, und weiß weder von verschiedenen Verfassern des Pentateuchs, noch von PfeudojefaiaS im Jesaias, oder von makkabäischen Psalmen unter.dem Namen Davids, oder eines Koheleth Salomoh'S aus den Zeiten, deS zweiten Tempels u. s. w. Was halten die Leiter des Seminars an der Authenticität der Bibel? Was wird „Trahitiyn" im künftig en S eminare bedeuten? Dem orthodoxen Judenthum ist es das nicht minder als das,schriftliche, von Gott stammende.Wort, und Alles, wgs im Talmud als d'Oraitha gelehrt wird, hat dem orthodoxen Judenthume gleichen Ursprung und gleichen Werth mit dem Worte der Bihel. Das orthodoxe Jüdenthum weiß Nichts.von einer historisch im Lauft der, Zeit gewordenen., und von deren Urhebern als Tradition, als göttliche. Ueberlieferung auSg eg ebenen Gesetzerweiterung, es weist einen jeden solchen Gedanken als eine unwürdige Verdächtigung unserer großen und redlichen Ahnen mit Entrüstung zurück. . Wie verhalten sich die Leiter des Seminars zu diesem orthodoxen Principe? : - .^ Was wird ,,der Abbarran und „Minhcrg^ im künftigen Seminar bedeuten? Das orthodoxe Judenthum erkennt es, als göttliche Verpflichtung an, auch von den Anordnungen der Aabbinen „nimmer zu weichen" und selbst Minhagim tragen der Categorie „Neder" inwohnende bleibende Verpflichtungskraft in sich. Wie stehen die Leiter des Seminars zu diesem Grundsätze des orthodoxen Judenthums? Diese vier „Worte des Glaubens" sind es, mit deren gerader und offener Beantwortung die Leiter des Seminars ihrer ganzen Nation, deren Augen auf sie gerichtet sind, von vorn herein sagen werden, welchen Charakter das von ihnen zu eröffnende Institut haben soll,/ Als redliche Männer werden sie diese Anfrage nur mit Freuden als eine Gelegenheit zur Darlegung ihrer Principien begrüßen. Allerdings handelt es sich hier zunächst um ihren Glauben. Denn der Anstalt, die ganz .ihre Schöpfung sein wird, werden sie als redliche Männer keine andere Glaubenskeime einsäen wollen, als solche, zu denen auch sie sich mit Leib und Seele bekennen und im künftigen „Seminar" nur dir Samenkörner zur Entfaltung kommen lassen, die an dem Baume ihres eigenen innern Lebens gereist sind. Ihre Schriften sind uns zwar bekannt, allein diese gewähren eben, so wenig, wie das Programm von ihrer Ansicht über diese. Cardinalpunkte per jüdischen Lebensfrage ein klares Bild> und doch ist eben hier die unverfänglichste Klarheit und Wahrheit von.Nöthen. Wir kannten daher in einer so heiligen öffentlichen Angelegenheit von dem allgemeinsten Interesse, keinen andern Weg, als den der.geraden, offenen, öffentlichen Anfrage. Sind wir doch überzeugt, daß Männer, die ein so großes Werk, wie die Gründung eines Seminars/ übernehmen, längst mit ihrem eigenen Glauben zum Abschluß gekommen, und eine offene Anfrage darüber eben so/gern und offen zu beantworten bereit sein werden. _ Mögen sie das Publicum nicht zu lange in der Schwebe über diese hochwichtige Angelegenheit lassen. Zählt man doch an den zwischen Blitz und Donner verrinnenden Pulsschlägen die Entfernung des elektrischen Gewölkes. So werden auch die zwischen dieser Anfrage undihrer klaren und einfachen Beantwortung, verrinnenden Stunden und Tage einen Gradmesser für die Schätzung bie-