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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-15 · Heft 20 (15.5.1854) · p. Seite 243

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 20 (15.5.1854)
Date
1854-05-15
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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Frage Heran. Das energische- Rußland -will diesenGrundsatz nicht bloß auf einen-durch die Welt zerftreueten und den Bestand: der Weltverhälknisse nicht berührenden GlaübenSstamm, sondern auch, auf einen großen Staat — freilich zu seiner speciellen Ausbeutung anwendenes sagt: hier ist ein Staat, der ist nicht christlich, hat folglich kein wesenhaft.es/Recht, sondern nur so viel Recht ich ihm verwilligen will, und die Stunde ist da, wo ich ihm nur das Recht, mein Sclave oder Leibeigener zu fein, lassen will' — nun ist das Geschrei groß, und manschlägt die Hände zusammen, welche Unger ech tigkeit, welche Gewaltthat Rußland der Türkei rhun wolle, man erkennt den „edlen, hochherzigen'.' Czaar nicht wieder, man erkennt ihn als den Feind deS ConservatismuS/ man schilt ihnsogar „revolutionair." -Natürlich wir, Von unserem Standpunkte aus, haben hiergegen gar nichts. Aber es muß uns doch höchlichst verwundernwie; man nun auf einmal „Vatermörder, Väterländsverrather, Sophistiker" diejenigen nennt, welche die einfache ' Folgerung, die besonnenste-Logik aus Sätzen ziehen, welcheman, den Juden gegenüber, sich gefallen läßt. Wir sprechen natürlich eben nicht.von gesinnungsvollen Blättern, welche nicht aufgehört haben, gegen diesen ganzen theologischen MacchiavellismuS zu protestiren, sondern gerade von den Vertretern dieser grundsatzlosen Mittelmasse. Kann man z. B. ein kräftiges Wort Nachweisen, welches die Vossische und Spenersche Zeitung gegen die Rechtsbeschränkungen der Juden und die dafür aufgewendeten Grundsätze erhoben? Und in der Reihe dieser beiden Genannten stehen fast alle deutsche Zeitungen, welche nicht der Kreuzzeitungspartei angehören. Was machen sie aber nun für einen Lärm gegen die Anwendung derselben Grundsätze auf die Türkei?! Man ruft über die bekannte Stahl'sche Rede aus:; : „Man. sieht, wie leicht die Vertreter der „Umkehr der Wissenschaft'? auch zu Vertretern der „Umkehr des Rechts" werden und welche Ermüthigung die christlichen Revolutionaire, wenn sie nur christlich sind, gegen eine unchristliche Macht/ wie die ‘ türkische, von ihnen - zu erwarten haben, von ihnen , die so sehr die. Revolution perhorresciren, daß sie, um der Furcht vor derselben ein für allemal lös zu werden, zu dem heiligen Rußland ihre Zuflucht nehmen." ' : < „Die theologische Politik.mochte gern sich -den Schein der Bewahrerin des Rechts geben, und doch, wo das Recht mit ihren ^rechtgläubigen" Jntereffen in Conflict ■ kommtträgt sie kein Bedenken, Recht in Unrecht Und Unrecht -in Recht, zu' verkehrest/ Die; Griechen haben Unrecht, Revolution zu machen, und dock, weil sie Christen sind,'und weil der/gegen den sie revolutioniren, der „kranke Mann," nicht Christ, sondern Mähomedaner ist, haben sie wiederum Recht, sich dem „matt gewordenen Eroberer zu entwinden." ' „Die Folgen, die eine solche, das Recht wie eine wächserne Rase behandelnde Rechtsphilosophie, wenn sie allgemein herrschend würde, herbei führen müßte, sind nicht schwer einzusehen." ' Und so fort. Ja sie rufen aus: „Daß es vom wahrhaft christlichen Standpunkte aus nicht minder heilige Pflicht ist, dem Andersgläubigen, als dem Glaubensgenossen sein Recht zu wahren, das vergißt er hier." . ----- - - - v Ei, meine Lieben, das Alles erfahret Ihr jetzt erst? Habet-Ihr noch niemals von dem Grundsätze gehört: „wer nicht mit mir ist, ist gegen mich? " Habet Ihr noch nie von dem Grundsätze gehört: „keine Treue dem Ketzer?" Und warum schreiet Ihr jetzt erst? Weil Ihr doch nun merket, daß mit der Zertrümmerung der Türkei unter den Schlägen des russischen Adlers alle Selbstständigkeit, Freiheit, Wissenschaft, Cultur Eüropa's zu Ende, oder doch gefährdet wären?.. .; Gut. So habet Ihr Alle denn abermals erfahren: daß nicht bloS die Welt Gottes in der Natur, sondern auch die sittliche Welt der Menschheit eine Einheit ist, in welcher, das Unre ch t gegen d en E in en, den Klei nen , auch das Unrecht gegen den Andern, den Großen, involvirt und unnachsichtlich zurFolge hat, wo der MacchiavellismuS, die Teufelei; gegen den unbedeutendsten Schwachen sich auch als Teufelei gegen das Ganze mit unbedingter Notwendigkeit erweiset. ' Zeitungsnachrichten. Deutschland. Frankfurt am Main, 2. Mai. (Eingesandt.) Einliegendes Schreiben erhielt ich vom Auslande zugeschickt und bitte Sie, solches in die „Allg. Zeit, des Judenthüms" äufzunehmen; Sie geben dadurch Veranlassung , daß ein für das Judenthumso wichtiger Gegenstand mehr Interesse und Beachtung' erregt, als er bis jetzt noch gefunden hat.; Ludwig Raschi.

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