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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-08 · Heft 19 (8.5.1854) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 19 (8.5.1854)
Date
1854-05-08
Page
Seite 237 (sequence 11)
Language
German
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287 Abstand zu Abstand die ungeheuren, reich geschmückten Palaste mit ihren prächtigen Nebengebäuden auf den Höhen prangten! > Die Entdeckung deS Herr» Botta war, so zu sagen, die erste Offenbarung dieser Kunst, dieser Eivilisation; die jüngsten Nachgrabungen, unter der Leitung deS neuen französischen Consuls zu Mofful, haben den Horizont, besondervom architektonischen Gesichtspunkte aus, erweitert. Nicht mehr auf einzelne Denkmäler des assyrischen VolkSgeisteS kann sich jetzt die Aufmerksamkeit richten — der Plan einer ganzen Stadt wird uns aufgedeckt, ein vollständiges System der Architektur, auf die mannichfaltigsten Zwecke: auf die Arbeiten militairischer Schutzwerke, wie auf die Ausschmückung der Paläste und die Verschönerung einer umfangreichen Stadt, angewendet, entfaltet sich vor unseren Augen. Die Ausbeute der bisherigen Ausgrabungen läßt drei Gruppen von Arbeiten unterscheiden, die wir nun nach einander besprechen wollen. Die Erderhöhung von Khorsabad, wo Botta seine schönen; Entdeckungen gemacht, stellt einen Rechtwinkel von großem Umfange dar. Eine regelmäßige Anschwellung deS Bodens zeigt die Stelle der Mauern, welche die Stadt umschlossen haben; sie bilden ein fast vollkommene- Viereck, und jede Seite hat eine Länge von beiläufig 6100 Fuß. Kleine kegelförmige Erhöhungen in Abständen, die alle, mit Ausnahme einer einzigen, auf der Linie der Mauer stehen, zeigen die Stelle der Thürme oder, wie neueste Entdeckungen beweisen, der befestigten Thore. Diese Kegel, von denen Botta nur flüchtige Notiz genommen^ wurden von Herrn Place in näheren Betracht und Durchforschung gezogen, und er gelangt zu den überraschendsten Ergebnissen. Die erste Ausbeute der Nachgrabungen bestand in kleinen Sachen von Marmor, Achak, Karneol und anderen harten Stoffen, mit einer Kunst bearbeitet und polirt, deren sich unsere Juweliere nicht zu schämen hätten. Unter diesen harten Steinen fanden sich auch kleine Scheiben und andere Gegenstände in Elfenbein, die bei der ersten Berührung in Staub zerfielen und von denen nur ein einziges Stück erhalten werden konnte. All' diese Sachen lagen auf einer leichten Sandschicht zwischen zwei Grundmauern von Rohziegeln, in einem Raum von mindestens fiebenunddreißig Quadratfuß zerstreut. Die Steine, meist in Hagebuttenform geschnitten und der Länge nach durchlöchert/ scheinen zu Halsbändern verwendet worden zu sein. Herr Place erwähnt keines entdeckten metallischen Gegenstandes; wahrscheinlich haben sie Zeit und Rost zerstört. In einer anderen kegelförmigen Erhöhung wurde eine Art ungeheurer Treppe oder eine zusammenhängende Flucht Terrassen bloß gelegt, die aus gebrannten, mit Inschriften bedeckten Ziegeln bestand. Unter der ersten und tiefsten dieser Stufen fand sich ein durch zwei concentrische Galerieen gebildeter Doppelgang unter der Erde von unmöglich zu bestimmendem Gebrauch. Die innere. Galerie, der die äußere als eine'Art Mantel dient, bietet eine der seltsamsten Einrichtungen dar.. Sie beginnt mit einem kleinen Gewölbe in Vollbogen, sorgfältigst in Ziegeln ausgeführt, ein Metre breit und anderthalb Mötre hoch. Der Vollbogen verliert sich allgemach in eine Form, die weder Bogen,, noch Spitzgewölbe ist. In dem Maße, wie sich der Gang verengt, und etwa elf Mötres von dessen Anfang ändert sich diese Form und geht endlich in die vollkommene gothifche Wölbung über. Diese Verengung aber schreitet immer fort, und zwanzig MötreS vom Eingänge deS Gewölbes, wo ein Mensch aufrecht stehen konnte, zeigt sich nur ein winkeliger Raum zwischen zwei schief geneigten Ziegeln, auS dem ein Ansgang von kaum einem Declmätre in Quadrat führt. Dieser Gang, mit seltener Vollkommenheit gebaut und mit mathematischer Genauigkeit durchgeführt, bietet dem Beschauer eine Art archäologische Aufgabe, die bis jetzt noch keine befriedigende Lösung gefunden. Was diese noch mehr erschwert, ist, daß die äußere, die innere umhüllende Galerie nicht den kleinsten Ausgang hat. Fernere Graben, die in derselben Erhöhung geöffnet wurden, führten zur Entdeckung von ehernen Angeln und Zapfen, die zu Thorflügeln gehörten, von denen eben nur diese metallenen Stücke geblieben sind und Steine mit eingehauenen Vertiefungen, worin die Zapfen sich drehten. Vermöge einer glücklich gerichteten Nachgrabung gelangte man durch dieses Thor in einen Saal, der den seltsamen Namen: Magazin der Krüge erhalten hat. In der That kann man sich von der Menge Töpfergeräth dieser Art in allen Größen und Formen, das hier angehäuft liegt, keine Vorstellung machen; es ist unbegreiflich, wie man damals, als diese Krüge alle aufgestellt waren, hier .nur durchkommen konnte. Unglücklicherweise sind die meisten von der Last des aufliegenden Schuttes zerdrückt worden, und nur einige konnte Herr-Place retten, die den Kern einer merkwürdigen Sammlung assyrischer Töpferwaare zu bilden bestimmt sind. Die erhaltenen Gefäße find von kleinem Umfang und oft vier bis fünf in den großen Krügen eingeschlossen. Wie die anderen, waren sie mit Erde, aber mit Thonerde, angefüllt, die durch die 19 **

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