Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1854)
- Date
- 1854-05-08
- Page
- Seite 235 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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235 ausgestellt und in der innern Stadt war kein angemessener Platz zu bekommen. Aus Mahren, im April. (Privatmitth.) Ich bedauere eS, sobald einen Nachtrag zu meinem letzten Schreiben machen zu müssen, und zwar gegen eine Person, die ich wahrhaft lieber loben als tadeln wollte. Ich sprach jüngst von Herrn Rabbiner Schmiedel in Proßnitz. Derselbe hat nun, nachdem am letzten Peffachfeste ein in religiösen Dingen scrupulöser Mensch sich an ihn gewendet hat in Betreff r-m ■jnm, dieselben nicht gestattet. Der ehemalige Rabbiner dieser Gemeinde, Herr Fasse!, hat eS bekanntlich erlaubt. und in einer besonder» Schrift eS talmudisch begründet. Wir verlangen nicht von den jungen Rabbinen, daß sie Reformer sein sollen; aber warum die Orthodoxie unterstützen, wo sie im Unrechte ist?! Prag, Ende April. (Privatmitth.) ES ist vor längerer Zeit in diesen.Blättern über eine mit den Zöglingen der Bet-ha-Midrasch-Stiftung vorgenommene Prüfung berichtet worden, und zwar im absprechenden Sinne. ES freut uns, jetzt das erfreuliche Gegentheil berichten zu können. Bor Kurzem fand im erwähnten Institut wiederum eine öffentliche Prüfung statt. Anwesend waren: Rapoport, Kaempf, die Herren E. Wehli, Präses der Gemeinde-Repräsentanz, F. K. Frankel, Vorsteher der Stiftung, und andere sachkundige Männer, und Alle erklärten sich mit den Resultaten der Prüfung befriedigt. Vom einfachen Hebräisch-Lesen bis zur talmudischen Discussion hinauf bekundete sich die Tüchtigkeit des Unterrichts. Die Mischna wurde hochdeutsch übersetzt, und das ziemlich richtig. Die Gegenstände waren praktisch gewählt. Hoffen wir, daß die fernern Prüfungen ähnliche Resultate bringen werden. — Die Vermählung Sr. Majestät des Kaisers ist in hiesiger israelitischer Gemeinde ganz im humanen Sinne des Monarchen gefeiert worden; sowohl die Gemeinde als Gesammtheit, als auch einzelne Institute und Privatpersonen haben auf dem Felde der Wohlthätigkeit sehr Bedeutendes geleistet. Auch fand am Tage der Vermählung in stmmtlichen Synagogen ein feierlicher Gottesdienst statt? Im Tempel ging die Feierlichkeit am Vorabend des Bermählungstageö vor sich. Daß der Tempel dergleichen Feierlichkeiten auf imposante Weise einzurichten versteht, braucht nicht erst bemerkt zu werden. Wir übergehen daher die Beschreibung derselben, und beschränken uns blos auf die Bemerkung, paß webst den jüdischen Gemeinde-Autoritäten — Rapoport an der Spitze — auch viele hohe Staats- und Communal-Beamte anwesend waren. So z. B. der Statt- Halterei-Vice-Präsident Graf ForgacS, Hofrath Ziwna, Bürgermeister-Stellvertreter Edler von Haase u. A. Die Spitzen der Behörden waren zur VermählungSfeier nach Wien gereist.— Kaempfs Fest-Predigt ist auf Verlangen dem Drucke übergeben worden, und soll der Ertrag einem humanistischen Zwecke gewidmet werden. — Ihre warmen Artikel zu Gunsten unserer Stammes- und Glaubensgenossen im Orient finden auch hier viele Beachtung. — Doriaufürstevthümer. Bukarest, 22. April. (O. P.) Nachdem in der heutigen Nacht die griechische Auferstehungsfeier stattfindet (das geheiligteste Fest bei den Orthodoxen), das gewöhnlich von Mitternacht bis vier Uhr Morgens dauert, und wo Alles, Jung und Alt, Männer, Weiber und Kinder, wer nur immer auf den Beinen stehen kann, nach der einen oder der andern der hiesigen dreihundert und etlichen fünfzig Kirchen wandelt, so daß Reihen von Häusern ganz ohne Einwohner leer stehen bleiben, so hat die hiesige Polizei eine Warnung erlassen, daß in jedem Hause ein Aufsichtspersonale zurückzubleiben habe. Besonders in von Israeliten bewohnten Stadttheilen werden starke Patrouillen die Runde machen, um jene vor Unbilden zu sichern, die nur zu leicht in der Absicht der fanatischen Freiwilligen liegen dürsten, und wovon andeutende Symptome bereits wahrgenommen sein sollen. — Die hiesigen spanischen Jüdinnen haben den.Gebrauch, am Sabbath so wie an Festtagen in reichlichem Schmucke zu erscheinen, besonders lieben sie es, Hals- oder Stirnbinden von K. K. Ducaten zu tragen. Da nun von den „Kreuzrittern" zu befürchten stand, daß sie eS sich beikommen lassen, solche israelitische Frauen und Mädchen auf den Straßen zu überfallen, so erließ der Kirchenrath eine Warnung, um die Frauen und Mädchen aufzufordern, an öffentlichen Orten ohne Schmucksachen zu erscheinen. 19*