Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1854)
- Date
- 1854-05-08
- Page
- Seite 234 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Predigten, die dem Publicum sehr spärlich zu Theil werden, waren in den letzten Jahren mehr politischer als religiöser Art. Redner trägt dieselben mit einem gewissen theatralischen Pomp vor, und find dieselben mehr darauf berechnet, zu imponiren, als zu erbauen, verlieren aber auch namentlich dadurch an Interesse, daß sich Redner nicht einmal die Mühe giebt, dieselben zu memoriren. Schließlich theile ich Ihnen aus der chronique scandaleuse unserer Gegend noch ein pikantes Stückchen mit: Die Tochter eines jüdischen SchnittwaarenhändlerS zu S........., welche fich in gesegneten Umständenbefand, wußte die Schwangerschaft zu verheimlichen und eine TaglöhnerSfrau so weit zu bereden, dqß diese fich für schwanger ausgab, um dann daS von dem Judenmädchen bei ihr heimlich geborene Kind für das ihrige zu produeiren. DaS Ganze war auch' mittelst der Hebamme so trefflich eingeleitet, daß wirklich auch Alles recht gut von Statten ging. DaS Mädchen versah nach der Geburt wieder seinen Laden, während die singirte Mutter daS Wochenbett hielt. Das Kind aber, wurde auch, wie sich'S gebührt, von dem dortigen Caplan getauft. Allein böse Zungen zischten hie und da verschiedene Sagen in die Ohren, so daß der Pfarrer die Hebamme rufen ließ und sie anstrengte, die lautere Wahrheit über das circulirende Gerücht zu sagen. . Diese, von Angst erfaßt, gestand, daß das Kind von dem Judenmädchen geboren und aus den Namen der Taglöhnerin katholisch getauft worden sei. Eine Untersuchung über diesen originellen Vorfall ist bereits eingeleitet. B. Preuße». Aus dem Großherzogthum Posen, 24. April. Nach officiellen Berichten find im Jahre 1853 unter 12 im Departement Bromberg neu gegründeten Elementarschulen 2 jüdische. DaS Departement Bromberg zählt jetzt 30 jüdische Schulen. Brandenburg, 2. Mai. (Privatmitth.) In diesen Tagen geht der, bisherige Prediger der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Elkan Cohn, nach Nordamerika, um die Rabbinerstelle bei der deutschen Gemeinde in Albany anzutreten, zu welcher ihn der Rabbiner vr. Philippson in Magdeburg erwählt hat, nachdem diesem die gedachte Gemeinde unbedingte Vollmacht ertheilt hatte. Herr Cohn hatte zuvor in Magdeburg gepredigt und sich den Beifall einer zahlreichen Zuhörerschaft erworben. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 28. April. (Privatmitth.) Die brandenden Wogen des Jubels bei der Vermählung Sr. Majestät des Kaisers verrauschen einzelnweise, und Alles fängt wieder an in das Geleis zu kommen, und so muß ich denn daran gehen, Ihnen zu berichten. Gewärtigen Sie keines Falls von mir einen detaillirten Bericht über diese Feierlichkeiten. Die Leser Ihres Blattes wollen nur das wissen, was für ihr Bereich ist. Darum also nur so viel, daß unter den Gebäuden, die sich bei der Illumination besonders auszeichneten, auch der israelitische Tempel war. — Adler und Krone strahlten im schönsten Lichte und tausend Lämpchen erleuchteten daS HauS. Die Herren Vertreter werden auch bei dieser Gelegenheit Sr. Majestät eine Adresse überreichen, die, wie ich höre, eben so inhaltsreich geschrieben, wie geschmackvoll ausgestattet ist. Wie ich ferner vernehme, ist an den Vorstand von Seiten deS Unterrichtsministeriums ein Rescript gekommen deS Inhalts, daß die hiesige Gemeinde Sammlungen anstelle, um der Gemeinde in Komorn beizustehen bei dem Aufbau der Synagoge, die im Jahre 1848 verbrannt wurde. Der Veranschlag der Kosten beläuft sich auf 30,000 fl. C.-M. — Nun aber will bekanntlich die hiesige Gemeinde selber einen Tempel bauen und hat auf die veranschlagte Summa von 300,000 fl. bloS 130,000 fl. bekommen können, und doch soll sie andern beistehen. Ich glaube überhaupt, daß der Grundsatz unserer alten Weisen: 'W TOitr, ft ziemlich seine Geltung verloren hat.- DaS ist nur der Fall, wo die Einzelnen dazu bereit sind. Und allerdings sehen wir in früherer Zeit, daß die großartigsten Stiftungen zumeist von Einzelnen auSgingen. — Freilich ist auch zu berücksichtigen, wenn hier die Zeichnungen auf den neuen Tempel nicht in dem Maße waren, als sie sein soll, ten; so liegt das darin, daß ein großer Theil gewünscht hätte, daS neue Gotteshaus sollte in der innern Stadt stehen. Aber die Notwendigkeit eines neuen Tempels hat sich bereits als unabweiölich her-