Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1854)
- Date
- 1854-05-08
- Page
- Seite 232 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die „Weisheit Salymynis" weiß gar nichts von diesem Dogma, oder will nichts von ihm wissen. Wir wollen mit ihm den Reigen eröffnen, denn das ältere Buch, die Sprüche oder „Weisheit Sirachs," ist doch nur eine Fortsetzung der „Sprüche Schelomoh'S" also in kürzeren und längeren Sentenzen eine Anleitung zur wahren Lebensweisheit, das wirkliche Leben religiös zu gestalten und zü durchdringen. Andererseits ist nicht zu verkennen, daß die „Weisheit Salomonis" viel.fester auf der Lehre Jisraels steht und viel sicherer aus deren Wurzeln ersproffen ist, als „Koheleth!" Was die Form betrifft, so entlehnt der Verfasser seine schönsten Ausdrücke aus der heiligen Schrift, arbeitet dann aber diese in's Breite und Häufende aus, bis in's Ueberladene. So. zeigt sich in ihm Gefühl für die Schönheit der. Bilder, dann aber Mangel an Geschmack in der unverhältnißmäßigen Anhäufung der Bilder, und in der Wiederholung des schon einmal Gesagten*). *) Man vergleiche z. B. über die Erfolge der Bösen 5- 8 —15: „Was half uns der Uebermuth? und was brachte uns der Reichthum mit Hoffahrt für Vortheil? Verschwunden ist dies Alles wie ein Schatten, wie ein vorübereilendes Gerücht. Wie ein Schiff, das über das wogende Wasser dahin fährt, von dessen Laufe man keine Spur findet, noch seines Kieles Bahn in den Fluchen; oder wie von einem die Luft durchstiegenden Vogel kein Merkmal seines Zuges gefunden wird: vom Schlage der Flügel gepeitscht, und durchschnitten mit sausender Gewalt, wird die leichte Luft unter Bewegung der Schwingen durchzogen, und nach diesem findet sich kein Zeichen des Ausfluges in ihr; oder wie, wenn ein Pfeil nach dem Ziele abgeschoffen wird, die zertheilte Luft alsbald wieder in sich selbst zusammengehet, so daß man dessen Durchflug nicht mehr bemerket: also find auch die Frevler, nachdem fie geboren wurden, verschwunden, und haben kein Zeichen ihrer Tugend aufzuweisen, sondern sind durch ihre Bosheit verschlungen worden. Ja, die Hoffnung der Gottlosen ist wie Staub (oder Spreu), vom Winde fortgeführt, und wie dünner Reif, vom Sturme vertrieben, und wie Rauch vom Winde zerstreuet wird, und wie das Andenken an den eintägigen Gast verschwindet. Die Gerechten aber leben ewig, ihr Lohn ist im Herrn, und die Sorge für sie beim Höchsten." — Verbinden wir hiermit noch ein Beispiel 7, 22. 23: „Die Weisheit, in ihr ist ein verständiger, heiliger, einfacher, mannichfaltiger, feiner, beweglicher, durchsichtiger, unbefleckter, heller, unverletzlicher, das Gute liebender, scharfer, ungehemmter, wohlthätiger, menschenfreundlicher, fester, gewisser, sorgenfreier, allvermögender, allsehender und alle verständigen,, reinen, feinen Geister durchdringender Geist u. s, f." — An diesen Beispielen schon wird'Dir klar werden, was ich oben ausgesprochen. Doch folge mir lieber in daß Innere dieses Buches, welches ich durchaus nicht gering anschlage, und das — zu unserer Schande sei es gesagt — von den Juden lange nicht genug gewürdigt ist unter den Kleinoden unseres Stammes. Der Verfasser gehet von der großen Frage aus, welche uns in Jjob, vielen, Psalmen, Koheleth theils als Frage, theils als Assertion entgegentritt: wie verhalt eS sich mit dem Glück der Sünder auf Erden? Was aber hier daß Verdienst des Verfassers ist: er weiset nach, wie Materialismus,^ Gottesläugnung, Genußsucht, UnsterblichkeitSläugnung und Sittenlösigkeit im engsten Zusammenhänge stehen, folgerecht aus einander hervorgehen und logisch gar nicht zu trennen sind. Er führt daher im zweiten Kapitel die Vertreter dieser Ansicht redend ein, wie si e, ausgehend von der Mühsal des Lebens, behauptend die Zufälligkeit unserer Geburt, daß unser Geist nür etwas dem Leiblichen Jnwohnendes, diesem Angehörendes sei, daher der Geist mit dem Tode aufhöre*), unser Leben wie ein Schatten verschwinde, und nimmer zurückkehre, nothwendig zu dem Schluffe kommen: lasset uns das Leben genießen — „wir wollen uns mit köstlichem Weine und mit Salben sättigen und uns nicht entgehen lassen die Blume des Lenzes! wir wollen uns bekränzen mit Rösenknospen, ehe sie welken!" — daß hinwiederum diese Sucht nach Genuß, welche tyr rjdovyv „düs Vergnügen" als das höchste Gut (summum bonum) anfieht, weil sie hierzu nicht anders gelangen kann , auf ihrem Wege nicht scheuen wird, Ungerechtigkeiten aller Art zu übett, Frevel zu thun, so daß sich auch hiermit bald Noch Spott und Hohn auf Tugend und Recht, und die diesen anhangen, verbindet**). Hiergegen stellet der Verfasser nun die acht israelitische Lehre auf, daß Gott d'est Menschengeist im Bilde seines eigenen Wesens und zur Unvergänglichkeil geschaffen (2, 23)***), daß der Gerechte mitten in seinen Lei- *) II, 2.' 3.: „Denn durch Zufall sind wir geboren, und nach diesem werden wir sein, als wären wir nicht gewesen. Denn Dunst ist der Hauch in unserer Nase, und der Gedanke ein Funken im Schlage unseres Herzens. Ist er etlofchen, so wird der Leib Asche und der Geist verfliegt, wie dünne Lüft." **) Ich empfehle Dir das ganze zweite Kapitel, trefflich an Inhalt und Ausdruck, nachzülesen. ***) oft o &eog exnce top avd'Qwnov in a(p&aQcia, xoX eixova id'lag ISioTrjrog tnofyaev avxov; besser als die Lesart aidioxrjxog „der eigenen Ewigkeit." Denselben Ausdruck xax dxova inolfjaex haben auch die Septuag. 1 M. 1, 26. 27. 5, 1,