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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-08 · Heft 19 (8.5.1854) · p. Seite 231

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 19 (8.5.1854)
Date
1854-05-08
Page
Seite 231 (sequence 5)
Language
German
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281 5) endlich, daß an einem Orte, etwa Paris oder Wien, sich ein Paar Männer finden, welche die einzelnen Fäden zusammenknüpfen und die allgemeine Leitung übernehmen, damit das Ganze nicht auseinanderfalle. Aus. allem diesem wird man sich überzeugen, daß hiermit kein Werk befürwortet wird, welches riesenhafte Anstrengungen und unverhältnißmäßige Opfer kostet. Denn waS will es am Ende heißen, wenn Paris, London, Wien u. f. w. eine Anzahl von je fünf, acht, zehn Jünglingen zu erhalten übernehme, und sonst noch Unterstützungen hierzu stießen? Daß aber hiermit die europäischen Juden nur eine heilige Verpflichtung lösen, braucht hier nicht weitläufig auS einander gesetzt zu werden. Zuerst kann eS wohl keine schönere That der Humanität geben, als einen zahlreichen, gesunkenen Stamm zu neuem Leben zu wecken und aus seinem geistigen und materiellen Elend zu erlösen. Dann ist dies allerdings die. Solidarität, welche die Juden zu tragen haben, daß sie einen großen Thcil ihrer Glaubensgenossenschaft aus der verachtetsten und niedrigsten Stellung erheben und zur Theilnahme am Culturleben der Menschheit bringen. Endlich zahlen wir damit nur eine uralte Schuld ab, indem wir dem Oriente, aus dem unsere Religion und unser Stamm gekommen, einen theuren Schatz an intellektueller und sittlicher Bildung zurückgeben. Vergessen wir aber auch nicht, daß zu den Ländern unter türkischem Zepter auch jenes Land gehört, in welchem einst unsere Väter gewohnt, die Propheten und heiligen Sänger gewandelt, und die Stätte der Anbetung des Einig-Einzigen, die erste auf dem ganzen Erdball, gestanden. Auch für die jüdischen Bewohner dieses Landes, die in unsäglicher Armuth schmachten, wirken wir hiermit. Möge es daher für den hier auseinandergesetzten Gedanken nicht an offenen israelitischen Herzen, an kräftigen Händen und thätigen Fürsprechern fehlen! Der Segen Gottes wird dann nicht ausbleiben! Seinem Schutze und Seiner Wallung sei auch Dies übergeben und empfohlen! Magdeburg, den 1. Mai 1854. Rabbiner vr. Ludwig Philippson, Redakteur der Allgemeinen Zeitung des Judenthums. Jüdisch - religionsphilosophische Briefe. II. Laß mich Dich heute zunächst von jenem großen Fragmente unterhalten, welches, in griechischer Sprache geschrieben, unter dem Titel y,2oq)iu 2aXco(Aiov,u „Weisheit Salomonis" zu den sogenannten Apokryphen gehört. Ich sage, es ist in griechischer Sprache geschrieben, das heißt in jenem hellenistisch - alerandrinischen Dialekt, der unter den Ptolemäern in Aegypten heimisch geworden. Da ward eS in dieser Sprache geschrieben, wie nicht allein jeder Kenner dieses Dialekteleicht erkennt, sondern wie auch aus dem Umstande hervorgeht, daß eS in den Stellen, in welchen es Schriftstellen nachahmt, sich der Septuaginta bedient hat, wie dies EzekieloS und Philo, später auch Josephus nicht minder gethan. Und der Verfasser war sehr schriftkundig, nicht allein in der Thorah, sondern auch in den Propheten, Sprüchen und selbst Koheleth. Geschrieben ist eS ungefähr zweihundert Jahre vor der Zerstörung Jerusalems. Denn daß der treffliche Uebersetzer unserer Schrift in's Hebräische, Hartwig Wessely nwsn), sie für ächt, d. h. von Salomo verfaßt hielt, macht seiner kritischen Befähigung wenig Ehre. Unsere Orthodoxie war stets scharfsinniger, wo sie nicht mit ihrem Buchstabenglauben in's Gedränge kam. DaS Bruchstück — denn als solches bezeichnet eS der erste Blick auf den Schluß 19, 21, dem B. 22 nur gezwungen anklebt — ist aber wohl werth, hier beachtet zu werden, und den Reigen der religionsphilosophischen Schriften der Juden nach dem Abschluß des Canon zu eröffnen, weil es in der That. viel Vorzügliches, und noch mehr BemerkenswertheS enthält. Um nur Eines anzuführen: jeder Christ, welcher in dieses Buch einen Blicks wirft, wird dem Judenthume die Unsterblichkeitslehre nicht mehr ab- und dem Christenthume zusprechen können, denn, fürwahr! ausgearbeiteter tritt sie in den Büchern, welche man daS „Neue Testament" nennt, und die doch Jahrhunderte später entstanden, nicht auf, und — lange nicht so rein. Denn dasselbe Buch zeigt, daß die „Auferstehungslehre" damals noch lange nicht so allgemein, wenn überhaupt vorhanden war*), wie z. B. auch die Mischna zu ihr verpflichtet. Und das Auferstehungsdogma tritt stets beschränkend der Unsterblichkeitslehre entgegen. *) 3ch sage dies selbst auch mit dem Hinblick auf Danijel 12 , 2, worüber Du mein Bibelwerk Bd. Hl. S. 873 Nachlesen kannst.

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