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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-01 · Heft 18 (1.5.1854) · p. Seite 222

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 18 (1.5.1854)
Date
1854-05-01
Page
Seite 222 (sequence 10)
Language
German
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ttieinde erwartet von Herrn Deutsch nicht zurückgesetzt zu werden, wenn sie auch erst mit nächster Post ihre Vollmachten einsenden kann. — Herr Rabbiner EliaS Gutmacher in Grätz im Posenschen thut sehr viel Gutes für die deutsche Gemeinde in Jerusalem. Rußland. Petersburg, 16. April. Die Ostsee-Zeitung -ringt folgendes Curiosum*): Vor einiger Zeit ist ein Mas erschienen/ welcher bestimmt, daß alle im Innern deS Reiches reisenden Juden mit Pässen versehen sein müssen. Wird von Jemand ein Jude ohne Paß angetroffen, so kann derselbe angehalten werden, und muß auf Wunsch deS Denuncianten für ihn oder einen nahen Verwandten desselben in der Armee dienen. Eine Folge dieses UkaseS ist eine allgemeine Hetzjagd auf Maßlose Juden, und eS soll häufig Vorkommen, daß die Juden ihrer Pässe beraubt werden, um dann als Uebertreter deS Gesetzes der Armee eingereiht zu werden. So fuhr vor einigen Wochen ein Landeshauptmann in einer russisch-deutschen Ostseeprovinz in seinem Schlitten durch einen Wald, als er plötzlich kläglichen Hülferuf aus einem Dickicht hörte. Er drang in das Dickicht ein und sah, wie ein alter Jude einen jungen Juden gepackt hatte, um demselben mit Gewalt seinen Paß zu entreißen. Der Landeshauptmann übersah sofort die ganze Sachlage und ließ die beiden Juden hinten an seinen Schlitten binden , fuhr nach M. zurück, wobei die Beiden dem Fuhrwerk im.raschen Trabe folgen mußten. In M. angekommen, übte er rasche Justiz, ließ nach kurzem Verhör den Angegriffenen frei und verurtheilte den Angreifer zu fünfzehn Hieben. Dieser aber, welchem die ziemlich allgemeine' Bestechlichkeit der russischen Justiz sehr bekannt zu sein schien, sagte darauf höchst kaltblütig zu seinem Richter: „Hat man mir doch geboten fünfzig Hiebe, und ich habe sie nicht genommen, wie werde ich denn nehmen Ihre fünfzehn?" Er hatte sich aber diesmal verrechnet, denn der Richter, durch diese Frechheit gereizt, ließ ihm statt der zuerst zuerkannten fünfzehn nun fünfzig Hiebe aufzählen. Der Jude äußerte darauf gegen seinen *) So Etwas nennen die deutschen Blätter .,ein Curiosum!" O ihr „ curi ose "Menschen mit Eurer Menschenliebe und Religiosität, mit Eurer Bildung und Eurem Dünkel! Redaet. d. A. Z. d. Iud.,; Auftraggeber, welcher, um seinen Sohn vom Dienste zu befreien, ihm fünfzig Silbcrrubel für einen paßlosen Juden versprochen: „der Richter sei ein grober Mensch," und verklagte Letzteren beim .Gericht, weil er ihm seine Züchtigung bei Licht hatte angedeihen lassen, was das Gesetz streng verbietet, indem körperliche Züchtigungen nur bei Tage gestattet sind. Bon -er polnischen Grenze, 3. April. Folgendes berichtet der Wiener „Wanderer" : „Mitten unter den Vorbereitungen deS Krieges erregt das Schicksal der Juvenkinder in Rußland das Mitleid eines Jeden. Die vermehrte Recrutirung trifft! auch in gesteigertem Maße diese Kinder, die, kaum; deS Lebens sich bewußt, in dem Alter von 9 Jahren' affentirt, in die Kosakencolonien oder nach Kronstadt ' und Sebastopol geschickt werden, um Heimath und' Familie in dem dreißigjährigen, in der Regel aber lebenslang dauernden Dienste zu vertauschen. Seit-' dem die Recrutirung ihren Anfang genommen, fluch- > ten diese Judenkinder aus dem Hause der Eltern,! unter deren Dache sie sich Nicht mehr sicher wissen-- ja die sie oft selbst hingeben müssen, um die schonerwachsenen Söhne vor der Einreihung m'S Militair und sich vor Strafe zu schützen. So flüchten diese bejammernSwerthen Wesen in Schlucht und Wald, um da ein Asyl zu finden. Aber Hunger und Kälte' verfolgen sie dahin. Fast täglich findet man in der ' Nähe der Städte Leichen von flüchtigen Kindern. Knaben in einem Alter von 6—-7 Jahren verbittern sich den Genuß ihres jungen Lebens mit dem Gedan- 1 ken an die Affentirung. Es schnürt-dem fremden' Durchreisenden das Herz zusammen, wenn er solche Klagen auS solchem Munde ausstoßen hört." Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Die N2nivehrnonuniente*). V orb e m e rk. d. R e d a et. Die großen Entdeckungen in Niniveh und Babylon sind so. wichtig für die Erklärung der heiligen Schrift und versprechen noch so viel Aufklärendes für. die Geschichte Israels ich erin- *) Vgl. Nr. 8. 9. 10. 32. vor. I.

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