Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1854)
- Date
- 1854-05-01
- Page
- Seite 221 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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wäre, da ich selbst von deutscher Abkunft bin, und zu allen Zeiten mit Aschkinasim in Verbindung gestanden habe. Die Partei/über die ich mich in bittern Worten aussprach, waren die abtrünnigen I uden, etwa fünfzig in Jerusalem, eine größere Zahl, als ich je auf allen meinen Reisen, die sich über; mindestens drei Viertheile des Erdballs erstrecktengesehen habe; — und zu meinem Erstaunen waren eS polnische und russische Juden. — Weün ich diesen Menschenfreund, diesen gelehrten und hochberühmten MoseS Sachs recht verstand (der, wenig gesagt, in die Trompete seines Ruhms mit weniger Bescheidenheit stößt, als irgend ein anderer großer Mann unseres Stammes, den ich noch getroffen) — so wünschte er mir eine vortheilhaste Meinung von unseren Glaubensgenoffen einzuflößen, damit ich ihre Interessen sowohl in Europa, als in meinem Vaterlande, Amerika, beförderte. (Dies zu thun> wird mir stets zum Vergnügen gereichen, da meine Liebe zu unftrem Volke mich abhalten würde^ irgend anders zu handeln.). Im Angesicht dieses nun schreibt jener Mann seinen Brief, und beschuldigt darin die Leute in Amt, welche die übersandten Gelder vertheilen, der Unredlichkeit, sie den Reichen und Unwürdigen zu geben. Solches Verfahren muß verderblich für Alle auSschlagen, denn die Auswärtigen werden sich wohl hüten, Unterstützungen zu schicken, damit sie an die Unwürdigen verschleudert werden. Ich hege keinen Zweifel, daß es unter ihnen einige Taugenichtse geben mag, da man solche.unter allen Elasten der Gesellschaft findet — aber ich gebe Ihnen mein Wort darauf, daß keiner der Vorsteher in Palästina absichtlich daS auf ihn gesetzte Vertrauen mißbrauchen wird. Gelder, die für daS heilige Land bestimmt-sind, müssen denjenigen Übermacht werden, welche die Leute zu ihren Agenten wählen; denn eS ist nicht wahrscheinlich, daß sie solche wählen, die ihnen Unrecht thun. Man sollte aber Instructionen beifügen, um daS Geld verhältnißmäßig in den oben genannten Städten zu vertheilen. Gezogene Wechsel können in Jerusalem gegeben werden, und alle Arten Geld, sowohl Papier als Metall, haben dort Geltung. —- ES ist nicht so viel geschickt worden, als die dortigen Juden haben möchten, nicht um üppig zu lebensondern um ihr Leben unter gewöhnlichen Verhältnissen zu fristen. Das gegenwärtige Jahr war bis jetzt eins der leidenvollsten, in Folge des außerordentlich hohen Preises der Nahrungsmittel, so wie deS WüthenS der schrecklichen Blattern, welche die Bevölkerung von Jerusalem decimirte. Ehe ich abreiste, waren 2000 Menschen daran gestorben, und die Krankheit hatte nicht nachgelassen, besonders im Judenviertel, daS, gleich allen Viettelnaußer dem armenischen, fürchterlich schmutzig und ungesund ist. — DäS jetzige Palästina ist nicht das alte Palästina, eS ist nicht das Land voll Milch und Honig; beides ist jetzt gar nicht mehr zu haben. Rindfleisch, Butter, Fische, Enten, Gänse, gutes Wasser u. f. w. sind in Jerusalem unbekannte LuruSartikel. Wahrlich, es scheint dort eine völlige Umwandlung der Natur vor sich gegangen, zu sein: die Bäche sind trockendie Teiche enthalten kein Wasser; daS Land umher ist dürre und unfruchtbar; Verwüstung und Verderben herrscht unumschränkt, und wird ohne Zweifel andauern, bis daß der Fluch, der auf dem Lande liegt, hinweg genommen wird durch daS Kommen des Messias, daS, so hoffe ich, unS Gott in unseren Tagen gewähren wird. Leon Dy er. Jerusalem, 26. März. (Privatmitth.) Mit Freuden haben wir hier das Interregnum zu Ende und einen neuen Pascha einziehen sehen. Derselbe hat Vollmacht, mit Strenge gegen alle Aufwiegler zu Werke zu gehen, und da ließ er schon in Jaffa eine genaue Untersuchung über den Ausstand gegen die Christen und Juden, der im vorigen Monat stattfand, anstellen, und den Muselmann, welcher der Hauptanstifter, hinrichten. Der Ruf der Strenge ging , daher dem Pascha voran. Hier in Jerusalem setzte er auf Antrag des englischen Vertreters den Polizeimeister ab. Dadurch wurden die Wege sicher, ein reger. Geist regte sich, die Getreidepreise sind schon etwas herunter gegangen. Aber der Geldmangel ist derselbe geblieben. Die Sefardische Gemeinde hat eine Anleihe von 2h,000 Piastern gemacht und Weizen gekauft, um den Armen ihrer Gemeinde Mazzoth reichen zu können. Die Gemeinde der Peruschim hat ihre Vollmacht an den k.. k. Hofbanquier Herrn Ignaz Deutsch als Vorsteher der Armenspenden für Palästina eingesandt, da Se. kais. Majestät durch Decret erlaubteöffentlich Spenden zu diesem Zwecke zu sammeln, jedoch unter der Bedingung, daß keift reisender Sammler das Land belästigen soll. Die deutsche Geld*