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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-05-01 · Heft 18 (1.5.1854) · p. Seite 219

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 18 (1.5.1854)
Date
1854-05-01
Page
Seite 219 (sequence 7)
Language
German
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SIS daß — wie bereits in Ihrem geschätzten Blatte erwähnt Wörden — diesfalls eine Reihe von Anfragen an alle Statthalter ergangen ist, und die Gutachten noch nicht vollständig eingelaufen find. Allerdings ist es hiebei schon niederschlagend genug, die wesentlichsten Staatsbürgerrechte erst in Frage gestellt zu sehen; dennoch wäre eS sehr voreilig, daraus einen trüben Schluß ziehen zu wollen. Wie ich vielmehr aus guter Quelle vernehme, soll die Aufhebung der den Israeliten im Besitzrechte provisorisch auferlegten Beschränkungen im Princip festgestellt sein, und derlei Beschränkungen sollen nur ausnahmsweise für einige der Ansiedelung von Juden bisher nicht zugänglichen (aber darum eben nicht reichern) Kronländer — Tyrol und Steyermark — Platz greifen. Vom national-ökonomischen und finanziellen Standpunkte aus dürste sich die Ausschließung der Juden als Güterkäufer um so minder rechtfertigen lassen, als eben in diesem Augenblick die Verwendung von Staatsdomainen zur Consolidirung der Landesvaluta beschlossen wurde. Schon für diesen Fall allein müßte die Zulassung oder Ausschließung der gedachten Concurrenz sehr fühlbar hervortreten, und eS erscheinen alle Grundbesitzer in's Interesse gegen die letztere Maßregel gezogen, da sie den durch Verkauf von Staatödomainen gefährdeten Güterwerth noch mehr herabbringen müßte. Noch geringere Bedenklichkeiten sind hinsichtlich der Begutachtung jener Fragen zu erwarten, welche die Ausübung bürgerlicher Gewerbe und Künste, oder daS Aufgehen in die politische Gemeinde betrifft, wo solches noch Nicht stattgefunden hat. Hingegen bleiben die Besorgnisse hinsichtlich der Zulassung zum Staatsdienste am meisten rege, und eS sollen ganz neuerlich Vorgänge stattgefunden haben, welche nur allzu geeignet sind, solche Befürchtungen zu unterstützen. Namentlich soll einigen Beamten des Mosaischen Bekenntnisses die Alternative zwischen Verrückung und QuieScirung je nach dem aufgegebenen oder festgehaltenen Glaubensbekenntnisse gestellt worden sein. Andererseits hat ki'ttzlich De. Seegen, Badearzt zu CarlSbaddie unbedingte Zulassung als Docent an der hiesigen Hochschule (über Balneographie) erhalten; der Chemiker Theodor Wertheim aber hat die Berufung zur Lehrkanzel der Chemie in Pesth erst Nach Ablegung beS katholischen Glaubensbekenntnisses erlangt. Unsere sociale Emancipation erhält sich indeß unverändert und macht eher weitere Fortschritte, was die durch freie Wahl der christlichen Bürger hervorgegangene Berufung von Juden zu öffentlichen Aemtern wohl am besten bekundet. So sind in der Haupt- und Residenzstadt Wien allein: zwei Gemeinderäthe, fünfHandelScommerzräthe, zwei Directoren der österreichischen Nationalbank, zwei Directoren' der niederösterreichischen EScomtegesellschaft, sämmtlich'der israelitischen Religion zugethan. Zwar hat der Jesuit Klinkerström in einigen Predigten die Juden im Allgemeinen zum Gegenstände heftiger Diatriben gemacht, doch ist Grund, vorauszusetzen, daß der Zukauf zu diesen Predigten mehr dem schönen Kanzelvortrage als dem gewählten Gegenstände galt. Aus Mähren, 16. April. (Privatmitth.) So oft ein Feiertag wiederkehrt, denke ich an Heine's „Prinzessin Sabbat." Wie schaut der Jude ganz anders aus in seinem Feierkleide, als wenn er gekrümmt unter seiner Last gehen muß. Am Pessachfest ist dies schon gar, wo Alles gesäubert und gescheuert ist, denn leider kann man eS nicht anders sagen, die Gebote der Reinlichkeit, die beim Juden einen großen Theil seines Gesetzes-Codex auSmachen,. wie sehr werden sie von den Juden vernachlässigt. Jetzt ist Alles nett. Wenn es nur nach Innen auch so wäre. Aber da ist nichts als Zank und Streit eitler Spitzfindigkeiten an der Ordnung. Es ist nur zu bedauern, wenn selbst Männer von Bildung nicht die ächte, sondern die unvernünftig e Orthodoxie vertreten. Herr Rabbiner Schmied! in Proßnitz läßt in den Häusern ansagen, wann die Tekufa fällt. Dafür höre ich wieder, daß der Rabbiner In Straßnitz den jüdischen Studirenden am Gymnasium heuer im Wintercurse acht Mal Religionsunterricht ertheilt hat. Ist das nicht ungeheuere Anstrengung U Früher hat die Partei darauf gesehen, :-mn yni» zu sein, jetzt nicht einmal DaS. Wie die Herren die Zeit vergeuden, ist doch wahrlich nicht lobenswerth. In Holleschau wieder hat der Synagogenvorstand eine Reform eingeführt und hat das abscheuliche polizeiwidrige „Jnschulrufen" an Sabbaten und Feiertagen abgeschafft, und da hat denn der Rabbiner in einer Derascha das Publicum gewarnt und ihm gedroht,. eS werden ob dieser Sünde die kleinen Kinder sterben, und zwar deshalb: das Schulrufen ist einalter snsu, so daß er bereits zum na geworden ist,

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