Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1854)
- Date
- 1854-05-01
- Page
- Seite 218 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3225877-3225896--13828-3243293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
S18 Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 11. April. (Privatmitth.) Bei den großen Angelegenheiten, die jetzt verhandelt werden, hört man überall bloS von „Interessen" sprechen. Jeder weiß nur für. sein Interesse zu sprechen. Warum sollten wir Juden gerade so still und bescheiden sein und alles über unS hingehen lassen und von der Idee leben, da unsere Interessen zugleich die des Rechtes sind? Ertauben Sie mir daher unter dem Kriegsgeschrei blos von uns Juden zu sprechen. Ich wollte, ich könnte Ihnen Freudiges berichten; leider gehet ein trüber Geist durch das Haus. Es ziehen sich die Kreise immer enger und enger. Auf den Sch lag in Brody in Betreff christlicher Dienstboten folgte ein and er er in Prag, wo ein jüdischer Meister an das Gesetz erinnert wurde, keine christlichen Lehrlinge zu halten. Was nützt eS dann, wenn man die Jugend zum Handwerk anhält, wenn man eS ihnen dann unmöglich macht, es auszuüben? ES bleibt da nur ein Trost, daS Wort des Dichters: „Den Schmuck der Zweige habt ihr abgehauen, Da steh' ich, ein entlaubter Stamm! Doch innen Im Marke lebt die schaffende Gewalt, Die sprossend eine Welt aus sich geboren." t/; Während ich dieses niederschreibe, kommt mir die neueste Nummer dieser Zeitung zu mit Ihrem Briefe an die Brüder v. Rothschild und mit der Antwort des Herrn Cohn, und eS drängt mich vor Allem, Ihnen ein nr> zu sagen, daß Sie Gott dazu berufen hat, für Ihr Volk das Wort zu führen und daß das Wort von solcher Wirkung ist. Wir werden also die Zeit erleben, wo die Türken, die „Barbaren," eher den Juden daS Recht zukommen lassen, als ein großer Theil deS „gebildeten" Europa's. Hoffen wir, daß der Orient, von dem das Leben und die Bildung ausging, nach langer Zeit des Todes zu neuem Leben wieder erwache. Als Curiosität erlaube ich mir zum Schluffe Ihnen mitzutheilen, daß diese Woche Fräulein Mantner, eine der vorzüglicheren Claviervirtuosinnen, mit einem Herrn aus Sidney (Australien) getraut wurde, wohin sie bereits abgereiset ist. Ferner, daß die Tochter deö Ober-CantorS Herrn Sulzer Braut wurde mit einem Herrn aus Cincinnati. Die älteste seiner Töchter ist prima donna der italienischen Oper am königlichen Theater zu Madrid. N. S. Eben kommt mir die „Ost-Deutsche Post", zu, die die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" citirt und Auszüge macht, unfern Lesern den Artikel 5. deS Vertrages mitzutheilen. Wien, 21. April. (Privatmitth.) Wien bereitet sich zu einem großen Feste vor, um'die Hochzeit Sr. Majestät zu feiern. - Es wird auch am Montag den 24. ein feierlicher Gottesdienst im Tempel stattfinden. Möge diese Hochzeit bmb sein und möge auch mit der Kaiserbraut auf'S Neue der Glücksstern für Israel aufgehen! . Diese Woche hatte die böhmische Deputation (Edl. v. Lämmel, Professor Wessely und Katz) eine Audienz beim Kaiser in Betreff der Gelder der früheren Steuern, die sie zurück zu erhalten wünschten. Der Kaiser nahm die Deputation sehr gnädig auf und gewährte daS Verlangte. Das Geld wird zu wohlthätjgen Stift tungen verwendet, wovon die eine den Namen der künftigen Kaiserin tragen wird. Auch Se. Majestät genehmigte, daß die andere seinen Namen tragen dürfe, wenn Er die Statuten gesehen haben wird. Noch habe, ich zu berichten von dem Seder, der den Handwerkslehrlingen gegeben wurde. Herr Rekigionslehrer Breuer hielt eine weihevolle Rede unh leitete das Ceremoniale. Vor und nach Tische wurden Lieder gesungen, verfaßt von Dr. L. A. Frankl, Herr Ober-Cantor Sulzer bewährte wieder seine Meisterschaft dabei. Sie erlauben mir, daraus eine Strophe anzuführen: „Zerstreut uns auch der Hände Fleiß, Werkstätten sind uns theuer; In Funken so im weiten KreiS Lebt hell das Gottesfeuer. O denket nicht an Sklaverei Im Land Mizraim immer, UnS macht der Hände Arbeit frei Und Gottes Gnadenschimmer." Wie sch höre, hat der eben bei diesem Feste anwesende Herr Marr aus München eine Geldsumme den Handwerkslehrlingen gespendet. Wien, 9. April. (Privatmitth. Von einem andern Corresp.) Die Entscheidung über unsere künftige Stellung findet sich dadurch in die Länge gezogen«