Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1854)
- Date
- 1854-05-01
- Page
- Seite 217 (sequence 5)
- Language
- German
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217 Haupt. Prediger Sachs suchte die Feierlichleit zu Hintertreiben, aber der Dirigent der Töchterschule, Herr Engel mann, und die Synagogen-Vorsteher ließen sich nicht beirren. — Hiesige Blätter erzählen von einem prachtvollen Monumente, daS aus der königlichen Eisengießerei für das Grab des verstorbenen Geheimen Commercienrath I. Liebermann hervorgeht, und der Augenschein lehrt, daß die Berichte nicht übertrieben sind. Auf keinem, hiesigen christlichen Leichenfelde findet man bis jetzt ein so kostbares Denkmal und kein jüdisches Leichenfeld sollte ein solches haben! Wozu dieser Prunk für den Staub eines Juden, dessen alte Weisen so eindringlich gelehrt haben, daß bei den Todten Gleichheit herrschen soll, und die ausdrücklich angeordnet: Ob eS für den Juden überhaupt eine Aufgabe ist, die daS Leben überlebende Friedhof-Eitelkeit der Christen nachzuahmen, oder gar hinter sich zu lassen, ob eS besonders für Juden mit messianischen Hoffnungen schicklich ist, ihre Gräber im NLin mit tausend centnerschwerem Glanze zu schmücken, das mag der verständige Leser entscheiden. Aber wenn man die Kosten des Erbauens und ErhaltenS dieses Werkes berechnet, sv wird man zu der Behauptung veranlaßt, daß vielleicht fünf Waisenkinder mit diesem Gelbe jährlich hätten erhalten, oder eine andere wohlthätige Stiftung hätte gegründet werden können, welche das Andenken des geehrten Mannes schöner und länger auf die Nachwelt getragen hätte, als ein Stück Gußeisen. F. Lt. —. Die neu gegründete „jüdische Gemeindereligionsschule," welche von Dr. Rosin geleitet wird, hat nach halbjährigem Bestehen ungefähr hundert Schüler und Schülerinnen — freilich für eine Gemeinde von 10,000 Seelen äußerst gering noch. Schriinm, 14. April. (Privatmitth.) Wer da weiß, wie in armen Gemeinden oft der Schulbesuch durch mangelhafte Bekleidung der Armenkinder unterbrochen wird, liest gewiß gern, daß hier ein Schüler-Wohlthätigkeits-Verein besteht, indem die Kinder der bemittelten Eltern Beiträge geben, um die armen Kinder zu bekleiden. Seit zwei Jahren besteht derselbe unter hingebender Leitung des Fräuleins H u l d a Kali sch. Frechen bei Cöln, 16. April. (Privatmitth.) Durch einen Vortrag des Lehrers I. Cohn bewogen, bildete sich hier ein Verein zur Unterstützung der Glaubensgenossen im heiligen Lande. Derselbe wählte sich ein Comite, bringt namhafte Beiträge zusammen, und sucht sich auch über die benachbarten Oerter auszudehnen. Gott gebe ihm Gedeihen und Nacheiferung! Warmbrunn, im April. (Privatmitth.) Die hiesige jüdische Bade-Armen-Caffe hat ihren neunten Rechenschaftsbericht erscheinen lassen. Wir heben folgende Stelle hervor: „Drei und Dreißig arme, kranke Glaubensgenossen haben im Jahre 1853 die hiesigen Bäder besucht, und sind durch die für sie verausgabte Summa von 244 Thlrn. 14 Sgr. 3 Pfgn., während der Badesaifon versorgt worden mit den nöthigsten Bedürfnissen, sowohl zum Lebensunterhalt, als zur Cur. Es wurde demnach für jeden Armen durchschnittlich die Summa von 7 Thlrn. 14 Sgr. 3 Pfgn. ausgegeben und dafür erhielt derselbe, während seiner vierwöchentlichen Curzeit: Logis, täglich Mittagbrod, bestehend in Suppe und Fleisch, zu Frühstück und Abendbrod wöchentlich 10 Sgr., freie Cur und die nöthige Medicin, so wie zur Reise eine kleine Beihülfe von 10 Sgr. — Wahrlich, es ist nichts Geringes, wenn der arme Kranke nach einem fremden Orte kommt, um da seine Gesundheit zu suchen, und von allen Geldmitteln entblößt, daselbst für seine nöthigsten Bedürfnisse gesorgt findet! Das Meiste haben die jüdischen Badegäste gespendet, nämlich von den 268 Thlrn. Einnahmen 165 Thlr., baar in Bestand blieb 23 Thlr. Gott, wird weiter helfen, wie er nun neun Jahre durchgeholfen! Ehre aber den Männern, die zu so wohlthätigem Werke sich mühen! Marienwerder, 13. März. Se. Königliche Hoheit, der Prinz von Preußen, Protector der Allgemeinen Landes-Stiftung zur Unterstützung der vaterländischen Veteranez^und invaliden Krieger als National-Dank, haben in einem unterm 18. Januare, vollzogenen Patent geruht, den israelitischen Prediger Herrn Dr. Jacobson Hierselbst zum Ehren-Mitglie d e der Allgemeinen Landes-Stiftung zu ernennen.