Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1854)
- Date
- 1854-05-01
- Page
- Seite 215 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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der Beweis für das Vorhandensein derselben, theilS gnostischer, theilS antignostifcher Richtung, lieget, ist neuerdings nachgewiesen worden*). Von Saadias an hebt nun eine große, reiche rcligionsphilosophische Strömung an, welche, nach kurzer Unterbrechung, in der neuesten Zeit aus dem Boden wieder hervorgebrochen, und sicher noch eine reiche Zukunft hat. Allein Du verlangst keine Uebersichten und keine nur die Oberfiäche berührenden Betrachtungen. Auch kann ich Dich, als auf eine sehr brave derarrige Ucbersicht, auf das Merkchen von Munk in der Bearbeitung von Beer verweisen**). Du willst vielmehr die Ansichten der jüdischen Religionsphilosophen selbst kennen lernen. Du willst, ich soll Dir von den Systemen derselben ein möglichst klares Bild entwerfen. Du schmeichelst mir, indem Du annimmst, daß ich die allerdings schwierige Kunst, die wesentlichsten Punkte heroorzuheben, den Gedankenmittelpunkt eines ganzen Systems in's Licht zu stellen, üben zu können, nicht unerwiefen gelassen. Nur immerhin. Nur die eine Bemerkung gestatte mir, daß Du hier nicht auf etwas Erschöpfendes zu rechnen habest; denn der Gegenstand ist zu umfassend und noch zu wenig bearbeitet; und daß ich mich auch hier und da der Darstellung Anderer bet jenen werde, wo mir diese ein treffliches Gemälde entworfen zu haben scheinen. Es versteht sich von selbst, daß ich Dir dann meine Quellen genau Angeben werde. Denn da Du' stoch jung und rüstig bist, weiß ich nicht, ob Dir die Lust nicht so. wachsen werde, daß Du selbst zu den Quellen zu schreiten unternimmst. Und dies sei der Einleitung genug. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Vom Rhein, im Februar. (Jüd. VolkSbl.) In den letzten Jahren ist eS nicht selten vorgekommen, daß Synagogen und Schulhauser ein Raub des Feuers und die betreffenden Gemeinden gezwungen worden sind, sich an die Mildthätigkeit ihrer Glaubensgenossen zu wenden, um ihren Schaden einigermaßen zu *) Zum Beispiel GnosticiSmuS und Judenthum. Von Dr. Hirsch. Grätz. 1846. **) Philosophie und philosophische Schriftsteller der Juden. Eine historische Skizze. Von S. Munk. Aus dem Französ. mit erläut. und ergänz. Bemerk, von Dr. B. Beer. 1852. ersetzen. Dieses veranlaßt uns, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Nothwendigkeit hinzulenken, sämmtliche Gebäulichkeiten der Gemeinden, nebst deren Inhalt gegen Feucrsgefahr zu versichern. Da eS jetzt in jedem Landftädlchen einen oder mehrere Agenten der verschiedenen Versicherungsgesellschaften giebt und da die Prämiensätze so außerordentlich wohlfeil sind (für massiv gebaute Kirchen und Schuthäuser lk bis 3/« pro Tausend, und deren Inhalt V* p. T. mehr), so ist eS kaum begreiflich, wie Gemeinde-Vorsteher diesen wichtigen Thei! der Perwalrung verabsäumen und dadurch oft großes Unglück über ihre Gemeinden bringen können, abgesehen davon, daß die den Abgebrannten zuslreßenden Unterstützungsgelder anderen wohlthärigen Zwecken entzogen werden. Möchten doch alle Synagogen- und Schulvorsteher dieses beherzigen.und die schwere Verantwortlichkeit bedenken, welche sie durch Unterlassung dieser Vorsichtsmaßregel auf ihre Schultern laden! Vom Main, im April. (Privatmitth.) Ihr Correspondent aus Hamburg hat Ihre Leser daran gewöhnt, daß er mrt scharfer und gewandter Feder die wunden Stellen in der Judenheit berührt und aufdeckt. Jeder aufrichtige Freund unserer Sache kann' ihm dafür nur dankbar sein. Wir lesen feine Artikel stets mit besonderer Aufmerksamkeit, und ferne „Hamburger Sprüchwörter" im vorigen Jahrgang stehen in gutem Angedenken. Nichts desto weniger müssen wir sagen, daß er — vielleicht nur Hamburg vor Augen — doch in Manchem nicht klar schaut, und unter den „Miseren," die er bespricht, selbst an der -Misere" leidet, die gegenwärtigen Rabbinen sammt und sonders für die eigennützigsten Menschen von der Welt zu halten. So behauptet er in seinem letzten Artikel, daß die Rahbirren die gemischten Ehen nur darum nicht gern sehen, weil dadurch ihre Gebühren gekürzt werden. Da ist der Herr doch sehr.im Jrrthum. Dieselben sind und müssen gegen die gemischten Ehen sein, weil innerhalb derselben das Judenthum nur so lau und lar gewahrt werden kann, daß derjenige Jude oder diejenige Jüdin, welche eine solche eingeht, schon mit anderthalb Beinen außerhalb deS Judenthums steht, und daß die Erziehung der Kinder unmittelbar zum Christenthume führt. Der Correspondent schreibt: es würden dadurch so und so viel Seelen dem Judenthume erhalten, und das wäre sehr viel