Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1854)
- Date
- 1854-05-01
- Page
- Seite 214 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wie nun auch der Gang der Begebenheiten sich weiter entwickeleso bleibt. stets die unumgänglichste Bedingung: . - ' rinseve orientalischen Glaübensgenofsen aus der tiefen Indolenz und Arrrruth,Ln welche sie versunken sind, zu wecken und zu erheben! DieS bleibt die Bedingung, ohne welche Alles leerer Schaum ist. Und diese Bedingung kann nicht anders erfüllt werden, als — indem eine Anzahl junger orientalischer Juden Ln Europa herangebildet werden. Dieser, zuerst von Constantinopel selbst angeregte Gedanke stellt sich als der am leichtesten realisirbare und am tiefsten wirksame von jeder Seite dar. Dieser Gedanke findet aller Orten den nachhaltigsten Anklang, und ihn zu realisiren ist unser eifrigstes Streben — hoffen wir, daß es gelingen wird. Jüdisch - religionsphilosophische Briefe. I. Nachdem ich zum Beginn dieses Jahrganges unternommen hatte, die Ideen der griechischen Philosophen über „Gott" kurz darzustellen, um zu zeigen, zu welchen Begriffen von Gott die denkenden Geister ohne den Einfluß der geoffenbarten Religion gekommen sind, ist Dir die Behandlung dieses wichtigen Gegenstandes so interessant erschienen, daß Dich, wie Du schreibst, eine wahre Sehnsucht ergriffen habe, ein Weiteres aus diesem Gebiete zu erfahren, oder überhaupt Dich mit dergleichen Aufgaben zu beschäftigen. Nichts ziemet dem Menschen mehr. Der alte Spruch: „eS ist nicht Dein, die Sache abzuschließen, aber auch nicht liegen zu lassen," ist für alle menschlichen Bestrebungen maßgebend und charakteristisch, besonders aber auf dem Gebiete des Denkens. Wohl unS Juden, daß unsere Religionslehre das Denken und Philosophiren nicht von vorn herein ausschließt, also eigentlich unmöglich macht, sondern nur daS Festhalten gewisser Voraussetzungen verlangt und bedingt., Die Erfahrung aller Zeiten, wie sie sich namentlich auch in der oben gedachten Abhandlung abspiegelt, erweist ihre vollkommene Berechtigung hierin, da der Mensch ohne Voraussetzungen überhaupt nicht denken kann, also bei positiv strictem Hinwegräumen solchet in's Nichts geräth. Es haben sich daher auch in aller Zeit höchst fromme Israeliten mit Philosophiren beschäftigt, und wir finden nicht wenige, welche sich eben so sehr auf dem Gebiete der Halach^ W auf dem religionsphilosophischen auSzeichnMn / dies sowohl ber uns als auch beiden. Karäern, von denen ich Dir zum Beispiel nur Ahron ben Elia aus Nikomedien nenne, über welchen tüchtigen Denker ich wohl im Verlaufe.Dir etwas mittheile. Saadia s und Maimonides stehen also hierin durchaus nicht einzeln, und Mendelssohn, der ja auch über die „Ritualgesetzt" geschrieben, kann auf eine lange Reihe von Vorgängern zurücksehen. Andere wieder haben den Ruf als wahrhaft fromme und begeisterte Israeliten und drangen in tiefer Weise in das Wesen der Dinge ein, wie Juda Hallevi, der Verfasser des Cusri. Endlich giebt eS Eregeten, die als solche durch ihre Bibelcommentarien große Autorität besitzen und dabei nicht gering anzuschla-- gende religionsphilosophische Schriften verfaßten,, wie A b e n Esra, Abarbanel. Ich führe dies nur an, um von vorn herein Dir "die Meinung Vieler als irrig zu bezeichnen, welche behaupten, daß jedes Philosophiren, jedes tiefere Forschen, jedes ernstere Streben nach Erkenntniß zum Unglauben führe und die Menschen von der Anhänglichkeit an Thorah und Propheten, an Lehre und Gesetz entferne.: Sehr irrig! Mag dies bei anderen Religionsparteien stattfinden, oder mögen Diejenigen dieannehmen, welche überhaupt in der Religion nichts als blinden Gehorsam gegen die V orschriften früherer Lehrer, die meist nur ihre Zeit und deren Bedürfnisse im Auge hatten, wollen und gestatten — als ob Gort ein Despot, und die Menschen, insonderS die Israeliten, nur willen- und verstandlose Knechte, wären. So dumm dies ist, so Viele giebt es doch immer noch, welche nicht davon lassen wollen! Blicken wir vielmehr durch die Jahrtausende des Judenthums, sv sehen wir, daß durch alle seine Perioden, Namentlich dann, wenn -der Geist in ihm geweckt war, ein teligionSphilosophisches Streben ging. Die heilige Schrift selbst hat im Jjob und Koheleth die sprechendsten Belege, abgesehen, daß einzelne Psalmen und die Sprüche das religiöse Denken, wenn auch in keiner streng-denkerischen Weise, darthun. Unter den Apokryphen deuteten daS Buch Sirach und die „Weisheit Salomonis" darauf hin, wenn wir nicht an den Werken Philo'S eine viel tiefer und breiter laufende Quelle hätten. Per Talmuh an sich hat seiner Natur und seinem Zwecke nach keint Vorliebe, aber auch gar keinen Sinn für religionsphilosophische Bestrebungen — aber dass unter seinen Schleiern