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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-04-24 · Heft 17 (24.4.1854) · p. Seite 209

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 17 (24.4.1854)
Date
1854-04-24
Page
Seite 209 (sequence 9)
Language
German
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„OpginasMytizen^ fix derartige Artikel bestimmt, und lange fiel eS Niemandem ein, diesem schändlichen Unwesen zu steuern; -iS fich der Vorstand unserer Gemeinde endlich doch bewogen fand, dem gar zu Hunten Treiben, kräftigst entgegen zu treten. Auf die erhobene Anklage desselben erhielt die Rehaction dieses Blattes eine Verwarnung, zu Folge deren ste in hie gehörigen Schranken verwiesen wurde. Dennoch ließ fie fich nicht abhalten, zuweilen durch gemeine, oft lächerliche Ausfälle das leidige Vorurtheil des unwissenden Pöbels zu nähren. ES sei mir erlaubt, Ihnen einige kleine Pröbchen derselben mitzutheilen, woraus Sie ungefähr auf die Beschaffenheit der anderen werden schließen können. So läßt fie z. B. zwei Bquern in der Stadt vor einem Hause stehen bleiben, aus dessen Fenstern ein Papagei hinunter plaudert. Der eine Bauer drückt dem andern seine Verwunderung über daS Plappern dieses Vogels, den er für einen, grünen Raben hält, aus. „Weißt Du denn nicht," erwiedert ihm her Zweite, „daß in der Htudt Alles anders ist; daß dort die Vögel reden und-die Juden sich wie Herren kleiden!" — Den jüngst erfolgten Tod des General Radowitz meldet dieses Blatt Ln folgenden Worten: „Am 27. Decemcher verschied in Berlin nach schweren Leiden General Radowitz, denkwürdig (!) wegen seiner Rede gegen die Juden, die er der Zulassung zu den bürgerlichen Rechten für unwürdig erklärte." Was sagen Sie zu solchen Niederträchtigkeiten? — Jetzt ist die Zeitung aus Mangel an Abonnenten eingegangen. — Auszug e. Der Ghetto iu Rom. (Schluß.) Doch nicht ift's der Zweck dieser Blätter, Ghetto- Mysterien des Elends auszumalen und jene Punkte Lebensweise der Dürftigen in ihren von Menschen überfüllten Kammern zu beschauen; findet man doch allerwegen in den. größten Städten der Erde und unter den civiljfirtefien Nationen Europa's ein gleiches, wenn nicht ein größeres Jammerleben. Auch soll man nicht glauben, daß der Ghetto Roms, was Straßen und Wohnungen betrifft, an sich elender sei, als ähnliche Viertel der Armuth in vielen andern Städten der Welt. ' Lieber sage ich, daß diese Juden Roms in ihrer Armuth reich sind an Menschlichkeit unter sich, -aß der Wohlhabende dem Elenden gern hilft, daß der aufopfernde Familiengeist, das dauernde Erbe Israels, nirgends so mächtig und so wohlthätig sich zeigen mochte als dort, und daß eS Thatsache ist, wie diese nüchternen und fleißigen Menschen selten um Verbrechen willen gestdaft. werden. WaS den Betrachter des Ghetto am meisten schreckt, ist wohl die fürchterliche Enge und der Schmutz dieser gewinkelten Gassen und Gäßchen, deren Häuser hoch und schmal sich heraufstrecken. Es sitzen darin die Judenfamilien wie in einem römischen Kolumbarium über einander geschichtet; und auffallend ist gerade hier in Rom eine solche Beengung menschlicher Wohnungen, in einer Stadt, welche, in endloser Ebene hingebreitet, selber charakteristisch ist durch ungeheure Räume, durch große und erhabene Dimenfionen in den Architekturen, und durch Paläste, welche, kolossal wie sie sind, zum Theil öde stehen, und von denen vielleicht einer genügte, die halbe Ghetto - Judenschast bestens zu behausen. In herrlichen Sälen wohnt das steinerne Volk der Statuen unter kühlen Springbrunnen. Die marmornen Reste des Alterthums sind bis auf die kleinsten Trümmer königlich logirt, die einzigen lebenden Reste RomS, Menschen mit Vieles duldenden Herzen, - wohnen in dem elendesten Schmutze. Glücklicher sind die Juden, welche den ober» Theil des Ghetto bewohnen, zumal die Via Rua. Diese breitere Straße, welche auch gute und wohnlichere Gebäude enthält, ist gleichsam der Corso des JudenviertelS; denn auch bei gleichem Loose vor dem politischen Gesetze und selbst in der Sklaverei macht der Mensch daS Recht der Ungleichheit geltend. In der Via Rua wohnen die Juden, welche das beste Dokument Gazzagä in der Tasche haben, selbst Häuser besitzen und wohlhabend sind. Hier findet man denn Kaufläden mit allen möglichen Tuchwaaren von dem gröbsten Linnenzeuge bis. zu den kostbarsten Stoffen. Es giebt auch wohlhabende. Juden; werden sie reich, so ziehen sie, wie man mir sagte, gern nach Toscana. ES ist auffallend, daß ächt jüdische Namen nirgends zu lesen sind. Die Juden Roms nennen sich nach italienischen Namen, besonders der Städte, wie Asdrubale Volterra, Samuele Fiana, Pontecorvo. Gonzaga, und es ist komisch genug, sie solche stolz und fürstlich klingende Namen führen zu sehen. Auch ihre Sprache ist römisch; nur selten hörte ich Juden unter sich hebräisch reden; ihre Tracht unterscheidet sich nicht von der des römischen Volks, und selbst an ihrem Feste bemerkte ich kein einziges orientalisches Cystüm. ' 17*

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