Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1854)
- Date
- 1854-04-24
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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204 sicher der Kirche ist, weil sie „den Gedanken an die Entbehrlichkeit der Kirche noch näher legt." Man muß dies Alles in der Broschüre Hengstenbergs selbst lesen, um den leeren Prunk vor dem würdigen Ernst erbleichen und schwinden zu sehen. Was hieraus folgt? Das, waS der christliche Theologe mit Recht schließt, daß die Freimaurerei kein christliches Institut ist, und daß die Berliner Logen kein Recht haben, einen besondern Weg einznschlagen — wir aber fügen hinzu: daß auch kein Jude in eine sogenannte schottische Loge nach Berliner Zuschnitt einirrten dürfe, weil sie, wenn sie auch nicht fpeeifisch-christlich ist, doch in ihr Ritual eine Menge christlicher Formeln ausgenommen hat, welche antijüdisch sind. Es erscheint demnach an der Zeit, daß diese sogenannte schottische Freimaurerei, wie Alles, was auf zween Hüften hinkt, verschwinde, und nur noch die ursprüngliche Freimaurerei verbleibe, an der Jeder wenigstens weiß, was er hat, also davon bleiben oder eintreten kann. Zeitnngsnachrichte». Deutschland. Hamburg, im April. (Privatmitth.) Der hiesige „Correspondent" vom 28. März enthält folgenden Bericht: „Ehen zwischen Christen und Juden können bekanntlich seit Erlaß der darauf bezüglichen Verordnung vom 24. October 1851 in Hamburg "geschlossen werden; zugleich wurde verfügt, daß Ehen dieser Art,, die bis dahin im AuSlande geschloffen worden waren, wenn sie binnen 3 Monaten vom Tage jener Verordnung der Wedde angezeigt und das Erforderliche*) nachgewiesen wurde, gültig sein sollten. In welcher Religion die Kinder erzogen werden sollten, wurde der Bestimmung der Eltern anheimgestellt." „Folgendes sind die Resultate bis Ende des Jahres 1853: 13 im AuSlande geschloffene Ehen wurden angezeigt und genehmigt. Von diesen waren 10 in Hüll, 1 in Dover und 2 in Wandsbeck eingegangen worden. 30 Mischehen wurden in Hamburg vor der Wedde geschlossen." „Von diesen 43 Ehen wurden 22 Ehen von Christen mit Jüdinnen, 21 von Juden mit Christinnen *) Vornehmlich der Consens der beiderseitigen Eltern. eingegangen. In 36 Fällen wurde angezeigt, daß die Kinder in der christlichen.Religion erzogen werden sollten. In die auf der Wedde gehalten werdenden Geburtsregister sind 26 Kinder auS solchen Ehen eingetragen worden." „Vorstehende Angaben sind aus zuverlässiger Quelle gesioffen." Wir bemerken hierzu, daß dieselben nur ein scheinbar starkes Verhaltniß ergeben, denn von den 13 älteren Ehen sind manche über 20 Jahre alt, bei den 30 neuen ist ein großer Theil nur als die Legalistrung eines länger bestehenden irregulären Verhält ü i s se s zu betrachten. 3 bis 4 Mischehen jährlich, das dürfte für die Zukunft anzunehmen sein, und wir glauben, daß ein solches Resultat jeden Billigdenkenden befriedigen kann. Ob die rabbinische Kirche die Ehen als solche im Herzen anerkenne oder nicht; immerhin muß man zugeben, daß die Mehrzahl der jüdischen in gemischter Ehe lebenden — und also bis in die Zeit vor Esra'S Gebot zurückgreifenden — Personen dem Judenthum erhalten sind, was bekanntlich hoch im Werthe steht, und daß dieS noch mehr bei den, wenn auch nur die Minderzahl bildenden, Kindern der Fall ist, die im Judenthum erzogen werden. Die Verhältnisse bringen es einmal mit sich, daß hier zu Lande immer mehr Juden zum Christenthum übertreten, als umgekehrt; zumal durch Heirathen, und so kann uns dieser Ausweg auch materiell nur willkommen sein. Principiell ist es aber ein Vorgang, den das Christenthum, seitdem eS sich vom Judenthum und von der Nicht-von-dieser-Weltlichkeit losgesagt, uns nie eingeräumt hat: eine wirkliche Gleichberechtigung beider Confessionen, waS ganz etwas anderes bedeutet, als das Nebeneinanderleben in einem etat athee. Billigdenkende Christen können aber auch zufrieden sein; denn es wird eine beträchtliche Zahl wilder Ehen vermieden, und eben so eine Zahl Kinder regelmäßig getauft, die es sonst vielleicht gar nicht wären. Eine Menge Detailfragen bleiben nun noch der Erledigung durch daS Leben überlassen, da die Theorie sie weit mehr zu embrouilliren als auszuglätten geneigt ist. Sie beziehen sich auf das Gemeindeverhältniß, die AufnahmSceremonien u. f. w., und es wird wohl wenige Rabbinate sowohl als Pastorate geben, die dem ganzen, ihren materiellen Interessen zuwiderlaufenden System nicht alle möglichen Hindernisse in den Weg legen mögen.