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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1854-04-24 · Heft 17 (24.4.1854) · p. Seite 203

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
18 (1854)
Issue
Heft 17 (24.4.1854)
Date
1854-04-24
Page
Seite 203 (sequence 3)
Language
German
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sie nicht so viel Gemeinsinn, so viel Interesse, so viel Ehre, so viel Pflichtgefühl in sich fühlten — mit dem Untergang dieser Solidarität würde der letzte Funke Leben erloschen sein — aber hiervon gerade find wir weiter als lange Zeit entfernt! Noch einmal die Freimaurerei. Wir schlossen unfern Artikel in Nummer 6. über die Berliner Logen, welche darum' specifisch - christlich zu sein behaupteten, weil sie keine Juden aufnehmen, mit der Bemerkung, daß sie, gegenüber der Kirche, mit. dieser Erklärung doch nur Fiasco machen könnten, und — in der That, sie haben es gemacht. Vor uns liegt „Freimaurerei und das evangelische Pfarramt," Berlin 1854. von Professor vr. Hengstenberg. .Sehen wir zu, was die Broschüre enthält. Zuerst werden Zeugnisse älterer evangelischer Theologen — denn von katholischer Seite ist über alle Theilnehmer am Orden durch eine, Reihe päpstlicher Bullen die Ercommunication ausgesprochen angeführt, welche den Orden als „ohne Christenthum seiend" bezeichnen. Zuletzt vr. Niedner im Jahre 1846, der auf Grund des „Constitutionenbuches" der Freimaurer sagt: „Hiernach war erklärter Gesammtzweck und höchstes Gesetz der Maurerei: jener Humanismus neuer Art oder Philanthropismus, eine werkthätige Vertretung der rein und allgemein menschlichen Interessen, gegenüber dem Hierarchismus und Feudalismus — daß bürgerliche Tüchtigkeit und fromme Rechtschaffenheit, ohne Unterschied der bürgerlichen Geburt oder Stellung und der confessionellen Religionsvorstellung, Anspruch gebe auf Anerkenntniß oder Duldung und Achtung von Seiten des Staats und der Kirche." Nach diesen Zeugnissen aus der Kirche bringt der Verfasser Zeugnisse aus den Schriften des Ordens und der Maurer selbst herbei. So aus dem hochgeschätzten „Constitutionenbuch": „Da die Maurerei unter allen Völkern, auch von anderen Religionen angetroffen wird, so liegt den Maurern nur ob, derjenigen Religion beizupflichten, worin asse Menschen Übereinkommen, jedem Bruder aber seine eigene besondere Meinung zu lassen: das ist, man fordert nur, daß sie tugendhafte und getreue Menschen seien, und auf Ehre und Ehrbarkeit halten, sie mögen im Uebrigen durch diese oder jene Namen, Religionen oder Meinungen von einander unterschieden sein, wie sie wollen." So aus einer Schrift von 1738: „Religionsstreitigkeiten werden in der Loge niemals verstattet. Denn wir sind als Maurer nur der allgemeinen oder natürlichen Religion ergeben. Dieses ist der Kitt, welcher Menschen von den ungleichsten Grundsätzen in eine geheiligte Verbindung setzt, und diejenigen, welche am meisten von einander entfernt sind, zusammenbringt." Und so bis auf die neueste Zeit, bis auf die Erklärung des Vicepräsidenten aller französischen Logen: „daß man in ganz Frankreich den, der sich vorstellt, nur nach seinem Leben, nicht nach seinem Glauben fragte" — bis auf die Rede des Professor vr. Gieseler vor 1848: „wir Maurer haben stets als Bundeslehre festgehalten, daß alle Menschen in ihren höchsten Beziehungen einander gleich sind, und daß vor den Vorzügen, welche allen Menschen gemeinsam sind, alle Unterschiede als unbedeutend verschwinden." Der Verfasser weist dies auch aus der Symbolik des Ordens nach, in welcher auch nicht das geringste Zeichen der Erinnerung an das Christenthum; er citirt zu diesem Zwecke die Worte des jüdischen Predigers Salomon in Hamburg, der viel in Maurerei gemacht hat. Er erweist, daß die Maurerei sich stets über alle Kirche gesetzt, daß sie wenigstens niemals auf die Kirche gewiesen hat — und nach dem kirchlichen Satze: „wer nicht mit mir ist, ist wider mich," schließt er, daß die Freimaurerei hiermit nicht allein nicht christlich, sondern antichristlich ist — wir können ihm nicht Unrecht geben, und hüten uns davor. Aber allerdings machte fich eine „Nebenströmung" des Freimaurerordens bemerklich, die nach Anderm ausfieht. Ein Berliner Geistlicher behauptete 1843, es gebe eine alte und eine neue Maurerei; diese Neue,, in England im vorigen Jahrhundert aufgebrachte, wäre nur deistisch geworden, wo hingegen die alte schottische immer christlich — nein, das sagt er nicht, sondern: „nicht,att die Humanitätsideen des achtzehnten Jahrhunderts gedacht" habe. Aber er wurde von großen maurerischen Autoritäten Lügen gestraft, nach denen 2500 Logen an den im Jahre 1723 erschienenen oben gezeichneten Principien festhielten, und „nur die drei Berliner allein specifisch christlich zu sein prätendirten." Der Verfasser zeigt ferner, daß gerade umgekehrt das schottisch-schwedische System aus dem englischen entstanden ist, und daß jenes nur „eine Ironie auf den eigentlichen und ursprünglichen Freimaurerorden ist." Gründlich geht er dann auf das ein, was die schottische Loge, d. h. die Berliner, Christliches angenommen hat, und zeigt das Abgeblaßte, Schimmernde und Leere nach, wahrend von allen tieferen Begriffen des ChristenthumS keine Spur, ja daß diese darum noch feind-

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