Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 16 (17.4.1854)
- Date
- 1854-04-17
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
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ISS man im Koran die Zahl, und Namen der sieben Himmel mit dem Talmud (Chagiga 9, 2.). übereinstimmend, wie wiederum die Specialitäten der Hölle viel Ähnlichkeiten darbieten. So zeigen sich in der Vergeltungslehre überall bis auf einzelne charakteristische. Ausdrücke, Aussprüche, Gleichnisse.herab, Uebereinstimmungen des Korans theils mit der Schrift, theils mit Midrasch und Talmud. Eine Lehre, die der JSlamso wie das Christenthum aus . dem mischnischen Judenthume*) entlehnte, ist die Auferstehung der Todten, die im Korane fast auf jeder Seite erwähnt ist, und (gleich Sanhedr. 90, 2. Chetub. 111, 2.) bis auf die Kleider der Frommen ausgedehnt wird. In den Vorschriften über das Gebet finden sich merkwürdige Uebereinstimmungen, z. B. das Stehen bei der SibDn, das Waschen vorher, in;t>rr Trunkenheit nicht zu bsten, fernes nicht, zu schreien-, die-Wichtigkeit des Gebetes in der Gemeinde. Hiekan reihen sich noch viele Sittensprüche und Gleichnißrcden. Bekanntlich hat Mohammed die heilige Schrift selbst nicht lesen können; er hatte daher die biblischen Geschichten nur aus Ueberlieferung theils von dem Vetter seiner- Frau und andern, wissensreichen Arabern, theils von den umwohnenden Juden selbst. Es kann daher um so weniger verwundern, daß die Erzählungen der Schrift von Mohamuhed,mit großer Freiheit ^handelt werden, und er sich nicht enthlödet, sie enlstclltl verfälscht-willkürlich zugcrichtet wiederzügeben. Dennoch ist es sehr zu. beachten, daß dabei sehr vieles Beiwerk und viele Lückenbüßer im Midrasch und Talmud sich ebenfalls findet, so daß er also jene , manchmal bis auf die Worte vonden Juden. entnommen haü Ausführlich behandelt dies -Geiger in der angeführten Schrift. - ' Wir sehen demnach den Islam mit dem Judenthume in dem obersten Lehrsätze, dann wieder in einzelnen Vorschriften des äußern Lebens, endlich mit dem traditionellen Judenthume in der charakteristischen Gestaltung einzelner Lehrsätze- »in dev eigenthümlichen Ausschmückung des biblischen'Lebens übereinstimmen, so daß es uns nicht entgehen kann, wie Islam und traditionelles Judenthum in ihrer äußern Erscheinung sehr viel Aehnlichkeit darbieten. ' *) Unter „Mi schnische'm Judenthume" verstehen wir Natürlich nicht blos dessen Endpunkt, die Mischna, sondern das Judenthum, wie es sich vom syro-makkabäischen Kampfe an entwickelte. Die Auswanderung. „Das ist keine Auswanderung das ist ja Völkerwanderung!" ruft man in diesem Jahre in Bremen aus. Auch unter den deutschen Juden, auS Baiern und Großherzogthum Posen, aus Schwaben und Hessen, aus Rudolstadt und der Altmark, ist große Bewegung. Wir, von unferm Standpunkte aus, können sie nur gern scheiden sehen. Für die Ausschließung, -für die Hintenanfetzüssg, für die Entziehung der schon erworbenen bürgerlichen Rechte giebt es keine bessere Antwort, als — Auswanderung, durch welche sie! noch dazu in großer!Anzahl dem Versinken in's europäische Proletariat entgehen. Aber noch von einem höhern Gesichtspunkte. Das Judenthum in Amerika muß'eine breite Basis gewinnen; es muß, um einen schönenherrlichen, bis - in die Wölken reichenden Baum zu treiben,' seine Wurzeln zahlreich und stark über die neue Welt strecken.- -■'» - - Aber es war ein Anderes, was wir heute sagend wollten. Es ist bemerkenswerth, daß gerade diejenigen unter den Juden, welche in Europa am stiefmütterlichsten behandelt werden, am zähesten daran festhangen, -die-Intelligenten, die wissenschaftlich Gebildeten. Man steht, diese sind auch hierin nicht so klug, wie das Volk, daS sich von seinem Znstincte leiten läßt. 8hr Stüdirken unter den Juden, Aerzte, Juristen, Philologen, Mathematiker, Naturwissenschaftler, insbesondere z. B. G.eolog e n, Baukünstler, warum verkümmert Ihr in Europa oder verschachert Eure Religion?... Da ist der thorichte Wahn, studirte Menschen finden in Amerika keinen Raum — — freilich! die, welche im alten europäischen Schlendrian sich ernähren lassen wollen für ihre unftuchtbaren Forschungen in der Stube — aber lernet Euer Wissen nutzbar machen, praktisch, verwerthen — und Ihr habet glänzende CarnereN vor Euch in Amerika.. Freilich! darf man nichts von Nepotismus, von Staatsweg tnj von Seiten des Scheines und eitelen Prunkes erwarten — — mache Dich nützlich, und Du bist ein gemachter Mann . . . . Dies hielten wir für wichtig, um es aüSzusprechen. Wir kommen darauf zurück. Jedenfalls ist dies ein Punkt, worin alle Judenfeinde mit uns übereinstimmen werdest..«