Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1854)
- Date
- 1854-04-10
- Page
- Seite 183 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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183 genoffen im russischen Polen zur Zielscheibe seiner unmenschlichsten Jnvectiven macht, und ihm die scheußlichsten Verbrechen beilegt, ja bei einer improvisirten Scene mit Pathos auSrust: Man weiß sehr gut, was „die Liebe eines Juden gegen-seine Anverwandten, ohne Geld-Interesse, und jüdische Wohlthätigkeit ohne Eigennutz bedeuten" — so glaubte noch Herr Blasewitsch folgende Anmerkung hinzufügen zu müssen: „Der Verfasser schildert die. Juden als die niederträchtigsten und gewissenlosesten der ganzen Menschheit, waS mich betrifft, so „glaube" ich, daß die Juden größere Blutsauger, als die Igel sind. Sie suchen uns auf verschiedene Weise (sie) zu unterdrücken durch Einmischung in alle Handelsbranchen" und dann weiter: „Ich habe „gehört," daß die moldauischen Juden nach dem Ausland schreiben, daß die Moldau daö verheißene Land sei--und daß sie den Schöpfer anstehen, er möge sie in diesem Lande erhalten, eS aber wenigstens der Regierung zu danken, daß sie-die Juden vom Lande abhält." Ich will zwar nicht mit dem vulgären RischuS der Herren Bulgarin und Blasewitsch rechten, aber ich theile eS Ihnen nur deshalb Sie sehen, wie man nur auf „Hören sagerfMn'' uns aufs Scheußlichste begeifert. — L. F. Belletristisches. ZK<S>ViÄ«MS, die letzte H asm onäerin. Von Schragge. (Fortsetzung aus Pr. 2. 3. 5. 6. 7. 9. 11. 14.) VII. Mariamne befand sich in ihrem Gemache. Sie hatte sich von dem gestrigen Sturze erholt, aber, ihr schönes Antlitz zeigte nicht bloS Spuren des gehabten Schreckens, sondern auch der Besorgniß — sie, hatte zu Isaak ben Babusch gesandt, um ihm zu danken,! aber ihr Bote hatten das HauS verschlossen gefunden,-und die Nachbarn berichteten, daß der Jüngling sammt seiner Mutter verschwunden wäre. In trübe Gedanken versunken, trieben ihre Hände den Rocken und die Spindel aus Elfenbein mit goldenen und silbernen Haken...... Sie war nicht allein, die königliche Frau, zwei Knaben spielten um sie her, von sieben und fünf Jahren? - Met «blühende Kna-; bendie Söhne Mariamne'S, die wenig ihrem Vater, dem Herodes, glichen, sondern ganz und gar daS hasmonäische Antlitz und die hasmonäische! Gestalt geerbt hatten.... Aristobul stand bei der Mutter und sah dem schnellen Spiel, der Spindeln, zu, Alexander, der ältere, ließ auf der breiten Fensterbrüstung aus Holz geschnitzte Soldaten hin- und hermarschiren, stellte sie in Reih und Glied, und führte Schlachten zwischen ihnen auf. „Mutter," rief er, „die Römer verlieren, sie fallen ■ zu Dutzenden, sie können sich nicht mehr halten, meine Juden siegen prächtig...." „Das ist schön," sprach Mariamne, und ihr sprechender Blick wendete sich auf den schwarzlockigen Knaben. „Ja, ich habe erst einen Mann verloren, und die Römer sind schon sehr zusammengeschmolzen,...." „Und wenn Du nun erst gesiegt hast?..." „Dann rücke ich in Jerusalem ein, und jage alle Römer hinaus, denn ich Haffe sie...." „Warum denn?" fragte die Mutter. „Ja, das weiß ich nicht) aber sie sagen mir nicht zu, sie thun immer, wie wenn sie die Herren wären, und das ist doch mein Vater.... und dann ihre Götzen, st, die Dummen, vor einem Stück Holz bücken sie sich, die wollen gescheidt sein!..." „Aber sie find doch sehr tapfer und verstehen den Krieg, Alerander...." „Ha, das macht mir nichts, ich will sie schon schlagen, sie können sich nach Rom scheeren, wir wollen doch nicht Rom haben, sondern was uns gehört.... dazu wird uns der wahre Gott Israels schon helfen, wenn wir muthig sind, und das Schwert nicht scheuen.... und dann, Aristobulchen, dann wirst Du mein Hoherpriester, ich, der Könige und'Du, mein Hoherpriester >-..." und der Knabe schritt mit wichtiger Miene und schallenden Tritten einher Da fing der kleine Goldkopf, Aristobul, an: „Da soll ich wohl den ganzen Tag drüben im Tempel sein unter den bärtigen Männern, welche die Thiere schlachten — da bedank' ich mich, Alerander, das ist mir: zu langweilig .. . ." . „Ei, Bulchen, wenn Du groß sein: wirst, wird Dir das schon nicht langweilig sein...." „Nein, nein? Alerander, lieber borgst Du mir Deinen Rappen, daß ich ein wenig auf dem Hofe 'rumreiten kann...." Da blieb Alerander vor ihm stehen, und sprach: „Ja, daS will ich, wenn Du mein Hoherpriester werden willst...." ...!