Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 18 (1854)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1854)
- Date
- 1854-04-10
- Page
- Seite 177 (sequence 3)
- Language
- German
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177 hievon war, daß der Islam eine Anschauung von Seligkeit und Unseligkeit auf's Bestimmteste geben und im morgenländischen Charakter auf's Sinnlichste ausmalen mußtet Paradies und Hölle werden mit der glühendsten Phantasie geschildert. War-durch diesen zweiten Lehrsatz im Islam derselbe Gegensatz zum Mosaismus hervorgerufen, der grundsätzlich auch im historischen Ehristenthum vorhanden, nämlich die Rechtfertigung des Menschen allein durch den Glauben an die Stifter dieser Religionen, wobei nur verschiedentlich das Christenthum diesen als ein. göttliches Wesen, der Islam als böcksten und letzten Propheten ansah: so trennten sich doch hier beide Religionen. Wenn der Glaube allein über das Verdienst des Menschen zur Seligkeit entscheidet, so haben auch seine Handlungen nur relativen Werth, nämlich in so fern sie im Glauben geschehen; dann ist aber auch der Mensch nicht frei und sich selbst bestimmend, wie es die religiöse Idee im Mosaismus setzte, sondern er muß einer unabänderlichen Nothwendigkeit unterworfen sein, da ja der Glaube kein freies Product des Menschen ist. Der Zslam nun verfuhr hierin völlig consequent, sich stützend auf das arabische Heidenthum, das (Sabäismus) die Naturnothwendigkeit, die sich in den Gestirnen ausprägt, welche auch die Schicksale der Menschen bestimmen, zum Princip hatte. Der Islam ließ daher Gott die Schicksale deS Menschen so unabänderlich bestimmen, daß, mag er thun oder lassen, was er wolle, ein bestimmtes Geschick für ihn eintritt. Mag, sagt Mohammed, der Mensch in die Schlacht gehen oder zu Hause bleiben, die ihm bestimmte Masse trifft ihn doch; die Krankheit wirktso weit es Gott bestimmt hat, mag der Mensch Heilmittel anwenden oder nicht; die Feuersbrunst brennt, so weit Gott es bestimmt hat, mag der Mensch zu löschen suchen oder nicht. War aber somit die Freiheit des Menschengeistes aufgehoben, so konnte auch Glauben und Unglauben nicht freie Handlung des Menschen sein, sondern der Glaube mußte von Gott in dem Menschen angeregt werden, wie es häufig im Koran heißt: „Gott leitet, wen er will, und. läßt im Jrrthum, wen er will; " und der Unglaube mußte von einem Wesen herrühren, das Ursache des Bösen ist, nämlich von Satan, Eblis, welcher den Unglauben überhaupt, so wie auch die Sünde des Gläubigen gegen-das Gesetz im Menschen anregt. Der Islam erhob die auSgebildetste Lehre vom Teufel und den Engeln zum vollgültigen . Glaubensartikel.; :; k Von der Unmittelbarkeit Gottes zum Menschen.-konnte i bei dieser Lehre keine Rede mehr sein. Gott war dem Islam eine überweltliche Notwendigkeit, vor der der Mensch nichts ist als ein völlig gebundenes Wesen, das nur durch den Glauben an sie und Mohammed eine Bedeutung erhält. Die Gottebenbildlichkeit und somit die Heiligung des Menschen nach Gott waren für den Islam nicht vorhanden.. An einem obersten Sittengesetz fehlt es ihm daher gänzlich'. Er faßte nur ganz äußerliche Momente aus dem Leben heraus, ohne ihnen eine einheitliche Durchbildung zu geben. Positiv setzte er Reinigungen, Fasten, täglich fünfmaliges Gebet, wo möglich eine Wallfahrt''nach Mekka, und Almosengeben, negativ das Verbot des Blutes, des Schweines, des gestorbenen oder erstickten oder durch Schlag getödteten oder von Thieren zerrissenen Viehes, des Weines und des Hazardspieles als islamitisches Gesetz auf, zum Theil aus dem Judenthume entlehnend. Hieran reihete er einige bürgerliche Gesetze, über Ehe, Erbschaft, Mord und Diebstahl. Vor Allem aber schärfte Mohammed den Krieg gegen die Ungläubigen ein*), und identificirte Kirche und Staat. lSchluß folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Wiesbaden, 9. März. (Didask.) Unserm Hofgoldsticker Herrn Bernhard Baer ist der ehrenvolle Auftrag von einem reichen Frankfurter Hause geworden, für die neu erbaute Synagoge zu Frankfurt am Main eine großartige Decke vor den heiligen Schrank zu fertigen, die auf hellgrauem Sammetgrunde auf das reichste in Silber gestickt ist, so daß sie einen sehr bedeutenden Werth hat. Unter der Draperie, also dem oberen Theile des Vorhanges, leuchten die Strahlen der Sonne über die Krone der Thora und die Worte der Widmung, sowie über zwei Füllhörner, die in besonders geschmackvollem Style ausgeführt sind. DaS Ganze ist außerdem durch eine Menge großer Sterne geschmückt. Unser heutiges Tageblatt kündigt an, daß dieses Mene Kunstwerk in dem Atelier deS Künstlers *) „O, ihr Gläubigen," heißt es im Koran, „bekämpfet die Ungläubigen, -die in eurer Nachbarschaft wohnen, lasset sie eure ganze Strenge fühlen//; „Tödtet die Ungläubigen, wo ihr sie treffet;, bekämpfet sie, bis die Versuchung aufgehört und die Gottesreligion gesiegt fytf."